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    Stolz und Vorurteil von Jane Austen gilt im vereinigten Königreich als eines der beliebtesten Bücher überhaupt und wurde schon zigmal verfilmt, zuletzt 2005 mit Keira Knightley in der Hauptrolle. 2009, als Zombies gerade so richtig hipp wurden, veröffentlichte Seth Grahame-Smith eine Parodie der Gesellschaftsportät-Lovestory und reicherte sie um Zombies an. Nun hat es die Verfilmung ins Heimkino geschafft. Ein großer Spaß für Horrfans oder doch eher was für Downton Abbey-Freunde mit Faible für Zombies?

    stolzvorurteilzombies

    (c) SquareOne / Universum Film

    Regie: Burr Steers
    Laufzeit: 104 Minuten
    ab 28.10.2016 im Handel
    Trailer ansehen / Bei Amazon bestellen

    England und die Zombies
    England um 1800: Eine Seuche, die Menschen in Untote verwandelt und noch dazu einen Heißhunger auf Menschenhirn entwickeln lässt, erschüttert das Weltreich. London wird von einer Mauer und einem Graben umgeben, dennoch kommt es zum großen Krieg, an dessen Ende die Zombieplage immerhin eingedämmt scheint.
    In dieser Welt leben die fünf Bennet-Schwestern, vom Vater zu Zombiekillerinnen ausgebildet, wobei es nach Meinung der Eltern allmählich Zeit wird, dass die ältesten in den Hafen der Ehe einlaufen. Als der junge und reiche Mr. Bingley in die Gegend zieht und sich in Jane, die älteste der fünf, verliebt, lernt Lizzy seinen Freund Mr. Darcy kennen, einen eher unterkühlten Aristokraten, der sich als Colonel der Armee ebenfalls dem Kampf gegen die Zombies verschrieben hat.
    Anfangs können die beiden sich nicht ausstehen, doch nach mancher Kabbelei und der einen oder anderen Zombie-Begegnung, finden sie doch allmählich zueinander. Aber ein neuer Aufstand der Zombies droht England endgültig dem Untergang zu weihen.

    Ich sage es offen: Mit dem Original „Stolz und Vorurteil“ kann ich wenig anfangen. Das Sittengemälde des 18./19. Jahrhunderts mit seinen vielen Förmlichkeiten und eher anstrengenden Dialogen und der reichlich vorhersehbaren Lovestory war nicht wirklich mein Ding. Daher war ich der Zombifizierung gegenüber durchaus aufgeschlossen. Der Film fängt auch recht launig an, es werden ein paar Zombies gekillt und auch die nach wie vor recht gestelzt wirkenden Dialoge ein wenig aufgepeppt – alles scheint für eine gelungene Horror-Parodie bereitet. Aber dann versumpft das ganze im Durchschnittsbrei.

    Das liegt vor allem daran, dass die Mischung nicht stimmt. Im Kern wird hier nach wie vor die Story von Stolz und Vorurteil erzählt und nicht selten wirkt das Zombie-Setting angeflanscht, oberflächlich und insgesamt wenig durchdacht. Während Downton Abbey-Fans die gestelzte Sprechweise goutieren, dürften die geschwurbelt-förmlichen Wortwechsel dem geneigten Horrorfan wohl bald auf die Nerven gehen, zumal es im weiteren Verlauf auch mehr und mehr an Humor fehlt. Auch die Zahl der Zombie-Kills bleibt erstaunlich gering, dabei aber blutig genug, um Freunde des Gesellschaftsfilms zu verstören. Letztlich wird wohl keine der beiden Fraktionen mit dem Film wirklich glücklich.

    Immerhin, handwerklich ist dem Streifen wenig vorzuwerfen. Die Zombies sind ordentlich geschminkt (bzw mit CGI aufgepeppt), die Kameraarbeit ansehnlich und die Schauspieler machen ihre Sache gut, auch wenn die Game of Thrones-Stars Lena Headey und Charles Dance nur kleine Auftritte haben. Die inhaltlichen Schwächen kann das allerdings nicht aufwiegen.

    Fazit

    Die krude Mischung aus Gesellschaftsporträt und Zombie-Parodieelementen funktioniert wohl nur für diejenigen, die sowohl auf Zombie-Horror als auch auf die Vorlage stehen. Für eine wirkliche Parodie fehlt es vor allem im zweiten und dritten Drittel an Humor und Horror-Fans wird es an Zombie-Szenen mangeln. Mehr Mut zur Abweichung vom Original hätte gut getan.

    Wertung


    Pro

    • witzige Idee
    • gelungener Einstieg

    Contra

    • im weiteren Verlauf nur bedingt lustig
    • Zombiestory wirkt oft undurchdacht und angeflanscht

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 25.Okt.2016 683 x gelesen