• Werbung

  •  
    Anmelden

    Trotz „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe in einer der Hauptrollen und vielen positiven Kritiken von diversen Festivals lief der Indie-Film Swiss Army Man für die meisten unter dem Radar. Die Story um einen lebensmüden Gestrandeten, der sich mit einer furzenden Leiche anfreundet, die sich als eine Art „menschliches Schweizer Taschenmesser (Swiss Army Knife, daher der Titel)“ erweist, klang für die meisten wohl zu absurd. Verbirgt sich dahinter eine Arthouse-Perle?

    swissarmyman_cover

    (c) Capelight
    Regie: Daniels
    Laufzeit: 93 Minuten
    Bei Amazon bestellen

    Eine Leiche die Leben rettet
    Hank ist auf einer Insel gestrandet und verzweifelt. Bar jeder Hoffnung will er sich gerade erhängen, als ein Mann angespült wird. Hank versucht ihn wiederzubeleben, bringt dabei aber nur die Fäulnisgase im Bauch des Toten in Wallung – aber das erweist sich als Rettung, denn mit dem Furzantrieb lässt sich die Leiche als Jetski benutzen, um das Festland zu erreichen.
    Dort schlägt Hank sich zusammen mit der Leiche durch, die noch weitere Fähigkeiten hat, die ihm das Leben erleichtern. Und wie sich zeigt, steckt doch noch Leben in Manny, wie die Leiche wohl heißt. Manny hat aber alles von seinem Leben vergessen und stellt viele Fragen, vor allem zwischenmenschliche Beziehungen haben es ihm angetan. Hank versucht, ihm das Leben näherzubringen und auf dem gemeinsamen Weg zurück in die Zivilisation, schließen der Lebensmüde und die Leiche Freundschaft.

    Eine furzende Leiche als Jetksi? So eine Idee (und einige weitere) könnte gut und gerne von den Farrelly-Brüdern (Dumm & Dümmer, Verrückt nach Mary) stammen, aber die stecken nicht hinter diesem Film, der hinter der manchmal etwas infantil wirkenden Fassade deutlich mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Denn Manny stellt im Kern Fragen, die jeden Menschen beschäftigen und wie Hank auf seine manchmal etwas unbeholfene aber doch liebenswerte Art versucht, ihm das (Liebes-)Leben näherzubringen, ist manchmal berührend und Hanks Antworten nicht selten tiefsinnig. Letztlich steckt natürlich auch mehr hinter dem ganzen Szenario und nicht alles ist so, wie es am Anfang erschien – aber da will ich nicht zu viel verraten.

    Hervorzuheben sind die beiden tollen Hauptdarsteller, die sich für nichts zu schade sind. Das gilt natürlich besonders für Radcliffe. Auch der Soundtrack soll erwähnt werden, die Schauspieler haben einige schöne Songs eingesungen, unter anderem eine Balladen-Version des Techno/Country-Hits „Cotton-Eye-Joe“ (hier reinhören), die gerade die ruhigen Momente sehr gut untermalen.

    Doch bei allem Lob müssen die Macher sich fragen lassen, ob sie ihre Mischung aus Brachialhumor und Hintersinn in Hinblick auf die Publikumswirkung wirklich durchdacht haben. Denn es verlangt vom Zuschauer wirklich einiges, sich auf beides einzulassen. Viele, die über die Leichenfähigkeiten herzlich lachen, werden die ruhigeren, melancholischen Phasen des Films störend finden, die wiederum vom nächsten Universalleichenwitz nicht selten ihrer Wirkung beraubt werden, auch wenn die Fürze als Allegorie für das Zurückhalten von Gefühlen gemeint sein mögen.

    Fazit

    Swiss Army Man schert sich nicht um Genrekonventionen und mischt Brachial-Humor mit tiefsiniger Melancholie. Diese Mischung ist sicher nicht für Jedermann geeignet und ist manchmal auch kontraproduktiv, aber der Zuschauer bekommt auf jeden Fall einen der ungewöhnlichsten Filme der letzten Jahre zu sehen.

    Wertung


    Pro

    • viele witzige Einfälle rund um die Leiche
    • melancholische Momente mit Tiefgang
    • sehenswerte Darsteller-Leistungen
    • guter Soundtrack

    Contra

    • Brachialhumor konterkariert manchmal die Melancholie
    • Es fällt schwer, sich auf die Genremischung voll einzulassen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

    Klicke für mehr zum Thema ,

    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 22.Feb.2017 714 x gelesen