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    Die Hochzeit des Giallo-Films ist schon lange vorbei. Mario Bavas, Dario Argento und Sergio Martino prägten das Genre des blutigen Italo-Thrillers vor allem in den 60er- und 70er Jahren. Entsprechend krude sehen die Machwerke für heutige Zuschauer aus. Mit „The Editor“ bekommt der Giallo-Filmnun eine Brachialkomödie als Hommage.

    theeditor

    (c) Pierrot le Fouy
    Laufzeit: 91 Minuten
    ab 23.06.2017 im Handel
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    Albtraum am Giallo-Set
    Rey Ciso war einst der Held des Filmschnitts, bis er sich im Wahn die Finger seiner rechten Hand abschnitt. Seither verdingt er sich als Editor billiger C-Movies und muss zuhause das Selbstmitleid seiner Frau, einer in die Jahre gekommenen Horror-Darstellerin, ertragen. Als am Set seines aktuellen Films das Hauptdarstellerpaar ermordet wird und beiden Opfern die Finger der rechten Hand abgeschnitten werden, fällt der Verdacht natürlich auf Ciso. Der exzentrische Kommissar Porfiry versucht ihn zu überführen – doch es kommt zu weiteren blutigen Morden.

    Adam Brooks und Matthew Kennedy machten sich mit der Horror-Komödie Fathers Day schon einen Namen unter Genrefasn und übernehmen in The Editor nicht nur Regie und Drehbuch, sondern gleich auch noch die Hauptrollen. Dabei gelingt es ihnen wirklich gut, das Flair der 70er/80er wieder aufleben zu lassen, das am Set billiger Giallo-Stangenware vorgeherrscht haben mag. Schräge Klamotten, altertümliche Technik (die „moderne“ VHS-Kassette, die Ciso von einem Darsteller bekommt, nimmt er aus Unwissenheit auseinander, um an die Filmrolle zu kommen), zeigefreudige Frauen in krassen Outfits, überall Zigarettenqualm und vor allem jede Menge Blut und fehlendes schauspielerisches Talent.

    Giallo-Fans bekommen eine ganze Reihe von Reminiszenzen geliefert und auch andere Horrorklassiker werden zitiert. Für Kenner gibt es einiges zu entdecken und die oft ohnehin schon verqueren Giallo-Stories, die sich nicht nur durch ihre Blutigkeit, sondern auch durch ihren Hang zu Obsession, Fetisch, Erotik und psychischen Störungen auszeichnen, werden hier nochmal in allen Belangen überboten.

    Wer sich den Film allerdings als unbedarfter Gelegenheits-Gucker anschaut, wird es vermutlich schwer haben, sich mit dem Gezeigten anzufreunden. Dazu sind viele Gags zu brachial und – mit Verlaub – zu blöd. Allzu oft schießen die Pointen übers Ziel hinaus und dann ist der Film nurmehr eine abstruse, blutige Farce und sicher nichts für Freunde des etwas feinsinnigeren Humors. Am Ende gibt es dann auch noch den für Giallo nahezu unvermeidlichen Psycho-Twist, der Genrefremde wohl vollends ratlos zurücklässt.

    A propos blutig: Die FSK hat hier wirklich beide Augen fest zugedrückt. Blutige Axtmorde, Häutungen und das ab 16? Daran sieht man eben, dass man den Film eigentlich zu keiner Sekunde ernst nehmen kann und sollte.

    Fazit

    Giallofans mit Spaß an etwas derbem Humor bekommen hier eine blutige Slasher-Komödie, die das Flair und auch die Atmosphäre der alten Zeiten gut einfängt, viele Klassiker zitiert, bei den Pointen aber manchmal übers Ziel hinausschießt. Wer mit Giallo nichts anfangen kann, wird sich angesichts der ziemlich absurd anmutenden Handlung aber wohl schwer tun.

    Wertung


    Pro

    • Flair der alten Filme gut eingefangen

    • viele gelungene Reminiszenzen

    • handwerklich passende Ekeleffekte

    Contra

    • Handlung total abstrus und schwer zu verfolgen

    • manche Pointe arg flach

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 19.Jun.2017 1.392 x gelesen