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    Arthouse und Horror sind in letzter Zeit zwei Bereiche des Kinos, die immer häufiger zusammenfinden. Dabei kommen durchaus sehenswerte Filme wie z.B. das hochgelobte IT Follows heraus, die sowohl Genrefans als auch Feuilletonisten zufriedenstellen können. Ein Spagat der The Eyes of my Mother allerdings nicht gelingt.

    eyesofmymother

    (c) Bildstoerung
    Laufzeit: 73 Minuten
    ab 25.08.2017 im Handel
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    Aus Einsamkeit zur Mörderin
    Irgendwo in Amerikas Weiten lebt Francisca mit ihren aus Portugal stammenden Eltern. Die Mutter war einst Chirurgin und gibt ihr Wissen schon in jungen Jahren an die Tochter weiter. Eines Tages kommt ein Fremder auf die Farm und tötet die Mutter. Der Vater überwältigt ihn und sperrt ihn in den Schuppen, wo Francisca dank des erlangten chirurgischen Könnens seine Wunden versorgt.

    In den ausführlichen Extras zum Film, die im wesentlichen aus einem Interview mit Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Pesce bestehen, sagt dieser, dass er seinen Film als Kunstwerk betrachtet, das irgendwo zwischen den Genres Horror, Gothic und Psycho-Thriller angesiedelt sei. Er habe sich z.B. von Edgar Allen Poe oder auch David Lynch beeinflussen lassen.

    Er zeigt seine in Kapitel (und mit großen Zeitsprüngen versehene) Geschichte in betont düster gehaltenen Schwarz-Weiß-Bildern, deutet die Gewalt meistens nur an und lässt stattdessen die Einsamkeit und Trostlosigkeit von Franciscas Dasein aus den Bildern sprechen. Atmosphärisch ist das zuweilen durchaus geglückt und einzig darum scheint es Pesce auch zu gehen. Arthouse-Fans bejubeln seinen Erstling auch wegen all dessen, was er nicht zeigt. Denn die Gewalt, die durchaus Thema dieses Films ist, wird nie explizit gezeigt, teilweise sogar bewusst herausgeschnitten, beispielsweise wenn der Vater den Mörder ertappt.

    Um den Inhalt schert Pesce sich indes nicht. Psychologische Erklärungen für Francescas Tun? Wie sie trotz ihrer Störung all die Jahre allein überleben und allein für sich sorgen konnte? Wieso niemand ihr Tun bemerkt? Unwichtig – findet der Regisseur. Dies ist kein Film der unterhalten will, sondern der mit Bildern beeindrucken möchte und eine Stimmung schaffen will. Wer also im herkömmlichen Sinne Spannung und Grusel sucht, könnte hier falscher kaum sein.

    Aber selbst wer auf Gothic-Arthouse steht, bekommt hier keinen Topfilm serviert. Trotz seiner knapp über 70 Minuten hat der Film erhebliche Längen und braucht ziemlich lange, um seine volle Wucht zu entfalten. Der ähnlich inhaltsarm angelegte Amer war da z.B. in jeder Hinsicht fesselnder und beunruhigender. Trotzdem schafft es im Booklet ein Filmhistoriker einen seitenlangen Erguss über The Eyes of my Mother zu verfassen, dessen Fazit („dieser Film lässt niemanden kalt“) ich allerdings nicht teile.

    Fazit
    Hier wird Arthouse ganz groß und Horror ziemlich klein geschrieben. Andeutungen, die Feuilletonisten schocken und zu auf dem Cover prangenden Zitaten wie „Bilder, die sich einem in die Seele brennen“ hinreißen lassen, entlocken Genrefans allenfalls ein Schulterzucken. Weder an die Vielschichtigkeit eines Lynch noch an die atmosphärische Dichte eines Amer reicht der Film heran und schert sich nicht um seinen Unterhaltungswert. Ob einen das Gezeigte trifft oder nicht, hängt daher ganz stark von den Sehgewohnheiten und den (vor allem inhaltlichen) Erwartungen ab, daher verzichten wir auch auf eine Wertung.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 19.Aug.2017 753 x gelesen