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    Found Footage hat sich in den letzten Jahren etwas totgelaufen. Was bei Blair Witch Project noch neu und überraschend war und Perlen wie Cloverfield oder Chronicle hervorgebracht hat, wurde nicht zuletzt durch unzählige Billigproduktionen ausgelutscht, die mit dem Format vor allem schlechte Kameraarbeit rechtfertigen wollten.
    The Good Neighbor ist angetreten, dem Found Footage-Genre mit einer Mischung aus Paranormal Activity und Hitchcock’s Das Fenster zum Hof nochmal neuen Schwung zu geben.

    (c) Koch Media
    Laufzeit: 93 Minuten
    ab 23.11.2017 im Handel
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    Grumpy Old Man
    Ethan und Sean sind zwei Teenager, die sich in irgendeiner Vorstadt Amerikas langweilen und auf die Idee verfallen, mit dem knurrigen alten Mann von Gegenüber ein Experiment zu veranstalten und so Aufmerksamkeit in den sozialen Medien zu erlangen. Ihre Idee: Sie präparieren das Haus des Mannes mit diversen Kameras und Gadgets, wobei letztere ihnen erlauben, dem alten Mann vorzugaukeln, sein Haus werde von Geistern heimgesucht. Seine Reaktionen nehmen sie auf und wollen sie dann ins Netz stellen.
    Doch der alte Mann verhält sich nicht wie erwartet und verbringt auffällig viel Zeit im Keller, dem einzigen Raum, den die Jungs nicht überwachen können. Verbirgt er dort ein finsteres Geheimnis?

    Man braucht erstmal etwas guten Willen um die ziemlich überspitzte Prämisse zu akzeptieren. Selbst noch so geltungssüchtige Jugendliche werden wohl nicht so blöd sein, Bilder aus einem fremden Haus ins Netz zu stellen, wenn offensichtlich ist, dass sie dort eingebrochen sind, um die Kameras anzubringen. Ziemlich unklar bleibt auch, wieso sie sich zwischen den Experimenten oft tagelang Zeit lassen, was dem Film einen ziemlich müden Auftakt beschert.

    Doch im weiteren Verlauf erweist sich der Film dann doch als kleine Indie-Perle. Denn während die Kids die Wahrnehmung des alten Mannes zu manipulieren versuchen, tut der Film dasselbe mit dem Zuschauer und so kommt es zu einigen unvorhergesehenen Twists, die den Film allerdings eher in Richtung Drama als in Richtung Horror-Thriller schicken.

    Dass diese Perle nicht wirklich glänzen kann, liegt an der etwas inkonsequenten Umsetzung. So wird immer wieder eine Gerichtsverhandlung eingespielt, die nach dem Experiment stattfindet und viel vorwegnimmt. Auch bleibt der Film nicht strikt in der Sicht der Jungs, sondern vermittelt zwischenzeitlich auch Bilder, die die Beobachter nicht sehen konnten. Trotz dieser Schwächen vermag das Ende den Film noch über den Durchschnitt zu heben, denn es fällt durch die Sozialkritik sehr positiv auf.

    Erwähnenswert sind übrigens die Extras. Geboten werden zwar nur Interviews, aber das mit James Caan (Der Pate, Misery) fällt dabei angenehm aus dem sonstigen Beweihräucherungsrahmen. „Was hat sie an diesem Projekt gereizt?“, fragt der Interviewer. „Na bestimmt nicht das Geld“, lacht Caan, macht sich über das Catering am Set lustig („3 Sorten Kartoffelchips“) und ledert im weiteren noch gegen die Filmindustrie, die heutzutage von Geschäftsmännern geführt werde, die genausogut Kühlschränke verkaufen könnten.

    Fazit

    The Good Neighbor ist eine interessante Mischung aus Thriller und Drama, die geschickt mit der Wahrnehmung des Zuschauers spielt. Leider hat die Inszenierung ihre Macken und die Spannungskurve ihre Hänger, aber das Ende hievt den Film dann doch noch über den Durchschnitt. Durchaus einen Blick wert.

    Wertung


    Pro

    • spielt geschickt mit der Wahrnehmung des Zuschauers
    • überraschendes, sozialkritisches Ende
    • witziges Interview mit Darsteller James Caan

    Contra

    • zwischenzeitliche Gerichtsszenen nehmen zu viel vorweg
    • Jugendliche handeln wenig glaubwürdig
    • Spannungskurve hängt gerade im ersten Drittel ziemlich durch

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 21.Nov.2017 760 x gelesen