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Der auf dem Fantasy Filmfest gezeigte „The Guest“ bekam überwiegend gute Kritiken. Ein tolles Potpourri werde einem hier geboten, urteilte man. Und auf dem Cover heißt es tatsächlich, es sei eine Mischung aus „Die Bourne Identität“, „Halloween“ und „Termintor“ im Stil von „Drive“. Wie zur Hölle soll das denn gehen, fragte ich mich.

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(c) Splendid Film
Regie: Adam Wingard
Laufzeit: 96 Minuten
seit 24.04.2015 im Handel
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Geheimnisvoller Gast
Die Familie Peterson trauert noch um den Tod des im Krieg gefallenen Sohnes, als es eines Tages an der Tür klingelt. Davor steht David, der in derselben Einheit wie der Tote gedient und ihm versprochen hat, seiner Familie zu sagen, dass er sie liebe.
Gerührt bietet die Mutter dem gerade erst aus dem Dienst entlassenen David an, einige Tage zu bleiben. Zunächst erweist er sich als hilfsbereit und freundlich, doch als Tochter Anna Nachforschungen über David anstellt, weckt sie schlafende Hunde …

Der Film ist in der Tat ein wilder Genremix. Er beginnt als klassischer Thriller. Der Zuschauer ahnt sehr schnell, dass mit David etwas nicht stimmt, so recht greifbar wird das aber in der ersten halben Stunde nicht. Doch trotz seines höflichen Auftretens haftet David etwas Bedrohliches an, was Mime Dan Stevens (Downton Abbey) ordentlich zu transportieren weiß. Die ganz große Spannung generiert der Film dabei allerdings nicht.

Nach Annas Nachforschungen kommt die Sache dann ins Rollen, der Film gerät eher in Richtung Actioner, verfehlt aber auch hier die große Wirkung. Das Geballer hat man in der Form schon zigmal gesehen, kleinere Überraschungen, als der Film noch einen Schwenk in Richtung Horror zu machen versucht, gehen in einem Wust von Genre-Klischees unter. Das ganze kann man vielleicht als Hommage an die kompromisslosen Horror- und Actionstreifen der 80er verstehen, dafür fehlt es The Guest aber an Selbstironie, die blitzt nur in ganz wenigen Szenen (z.B. am Ende) mal auf, davon ab nimmt der Film sich und seien krude Story leider zu ernst.
Übernommen hat man allerdings die in den Vorbildern nicht unüblichen, zum Teil haarsträubenden Logikmacken, die sich durch das ganze Skript ziehen. Man sollte am Ende bloß nicht anfangen, über das Gesehene nachzudenken, tut man es doch, tun sich nur noch mehr Abgründe auf.

Einzig wirklich bemerkenswert ist der Soundtrack, der mit seiner Synthi-Musik nicht nur recht außergewöhnlich ausfällt, sondern die Inszenierung auch gut unterstützt. Die erinnert in der Tat ein wenig an große Vorbilder. Allerdings bleibt mir ein Rätsel, wo in aller Welt hier Terminator-Anleihen sein sollen, und die an Halloween sind auch eher auf ein zwei Einzelszenen beschränkt, denn als Horror- oder Gruselfilm taugt The Guest nun wirklich nicht. Es ist ein als 80er-Hommage verpackter Action-Thriller, der versucht durch eine wilde Genremixtur originell zu sein, dabei aber überzieht und ein eher unausgegorenes Ergebnis abliefert.

Fazit

Ein Thriller ohne große Spannung, Action ohne große Aha-Effekte, Horror ohne Gruselfaktor und Hommage ohne ausreichend Selbstironie. The Guest versucht viel und schafft dabei wenig, was die Kritikerkollegen an dem Streifen so lobenswert finden, bleibt mir verborgen. Was bleibt, ist ein Durchschnitts-Action-Thriller der einfach zu gewollt versucht, Genregrenzen zu überwinden und deshalb am Ende wie Stückwerk wirkt und in Sachen Story keine Überraschungen zu bieten hat.

Wertung


Pro

  • toller Soundtrack
  • guter Hauptdarsteller
  • ein paar kleine Überraschungen

Contra

  • viele Genres angekratzt, keins ausgefüllt
  • einige Logikmacken
  • kaum Spannung
  • mehr Selbstironie hätte gut getan
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Kategorien: Filme
von Jörg Benne 2.Mai.2015 554 x gelesen