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    Nach Django Unchained bleibt Quentin Tarantino dem Western-Genre treu, statt in den schwülen Süden geht es diesmal aber in den verschneiten Norden Amerikas, wo sich die hasserfüllten Acht (eigentlich sind es neun, aber der Kutscher zählt nicht) während eines Schneesturms an einem abgelegenen Handelsposten gegenüberstehen.

    hateful8

    (c) Universum Film
    Laufzeit: 162 Minuten
    ab 30.05.2016 im Handel
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    Kammerspiel mit Kopfgeldjägern
    Kopfgeldjäger John Ruth will die Mörderin Daisy nach Red Rock bringen, wo sie gehenkt werden soll – und er seine Belohnung einstreichen will. Doch ein Schneesturm zwingt ihn, an einem abgelegenen Handelsposten halt zu machen. Dort trifft er auf einige finstere Gestalten. Einer gibt vor, der angehende Sheriff von Red Rock zu sein, ein anderer der Henker. Dazu auch noch ein anderer Kopfgeldjäger und weitere zwielichtige Figuren. Ruth hat allen Grund, keinem von ihnen zu trauen. Schon bald kommt es in der Enge des Handelspostens zu hitzigen Wortgefechten.

    Geschliffene Dialoge und exzessive Gewalt sind seit jeher zwei Inhaltsstoffe, die sich in jedem Film von Quentin Tarantino finden. Auf diese setzt Tarantino auch hier, wobei die Dialoge in der ersten Hälfte des Films ganz klar im Vordergrund stehen. Die ersten beiden Kapitel des Films spielen noch in der Kutsche und schon hier nimmt sich der Regisseur viel Zeit, um die Figuren vorzustellen, in dem er sie einige Dialoggefechte führen lässt.

    Was folgt ist ein Kammerspiel, das man in dieser Form beinahe auch auf die Bühne eines Theaters bringen kann. Trotz der Laufzeit von über 160 Minuten schafft es der Film, stets ein Mindestmaß an Spannung aufrechtzuerhalten, obwohl vor allem in den ersten 80 Minuten außer Wortgefechten nicht viel passiert. Es sind in erster Linie die leisen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Figuren, die die Spannung des Films ausmachen. Sind die Besitzer des Handelspostens wirklich auf Besuch bei Verwandten? Ist der Engländer wirklich ein Henker? Und der Cowboy nur ein harmloser Typ, der seine Mutter besuchen will? Im Grunde weiß man nur bei John Ruth und seiner Gefangenen mit Sicherheit, woran man ist.

    Durchgehend packend ist der Film indes auch wieder nicht. Man kann sich schwerlich des Eindrucks erwehren, dass Tarantino sich seiner Dialoge allzu sicher ist und glaubt, allein durch die Wortgefechte zu unterhalten. Keine Frage, einige davon sind großartig, andere allerdings eher mau und ein paar Dinge wiederholen sich auch, weil Person A etwas zu Person B und eben zwanzig Minuten später nochmal zu Person C sagt. So ertappte ich mich dann doch dabei, ab und an auf das Zählwerk zu schauen und mich zu fragen, was denn in der verbleibenden Stunde noch passieren soll.

    Der zu erwartende Gewaltausbruch lässt lange auf sich warten, dann kommt er jedoch und wenngleich sich die Akteure auch danach noch Worte um die Ohren hauen, sprechen nun vor allem die Waffen. Tarantino-typisch spritzt hier das Blut, seine Fans müssen wegen der FSK-16-Freigabe keine Sorgen haben, sie kommen auf ihre Kosten. Fragwürdig ist allein die Entscheidung der Jugendschützer, für mich definitiv kein Film für Jugendliche.

    Da der Film fast ausschließlich von Dialogen getragen wird, kommt dem Cast eine wichtige Rolle zu. Tarantino versammelte dafür einige Schauspieler um sich, mit denen er bereits zusammengearbeitet hat, allen voran Samuel L. Jackson, der den alternden Kopfgeldjäger einmal mehr mit Bravour verkörpert. Aber auch Kurt Russell, Tim Roth, Walton Goggins und Jennifer Jason Leigh liefern bemerkenswerte Leistungen ab. Bemerkenswert ist überdies der Soundtrack von Altmeister Ennio Morricone, der zurecht mit dem Oskar prämiert wurde.

    Fazit

    Ein Kammerspiel mit intensiver Atmosphäre, bissigen Dialogen und am Ende exzessiver Gewalt. Für Tarantino-Fans ein Fest, wenngleich auch nicht sein bestes Werk. Die Story ist insgesamt etwas dünn und wird zu sehr ausgewalzt, 20-30 Minuten weniger hätten keinesfalls geschadet, so gut sind manche Wortgefechte dann auch wieder nicht.

    Wertung


    Pro

    • intensive Atmosphäre
    • einige bemerkenswerte Dialoge
    • sehr gute Darsteller
    • grandiose Musik

    Contra

    • einige weniger bemerkenswerte Dialoge
    • insgesamt zu lang

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Filme
    von Jörg Benne 24.Mai.2016 1.319 x gelesen