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Da haben wir mal wieder einen dieser Indie-Fantasystreifen, die die Nische besetzen, die die großen Studios (vom Hobbit mal abgesehen) kaum zu interessieren scheint. Wegen der harten Worte, die gleich folgen, möchte ich nochmal darauf hinzuweisen: Ich habe nichts gegen Indie-Produktionen. Begeisterte Filmfans, die ihre Werke kostenlos auf YouTube veröffentlichen, erreichen oft mit Mini-Budget sehenswerte Dinge. Aber wer seinen Film zum Vollpreis in die Läden stellt, muss sich auch mit anderen Filmen messen lassen, die dort zum gleichen Preis angeboten werden. Soviel vorweg: The Legend of the Red Reaper scheitert daran krachend.

redreaper_cover

(c) Ascot Elite
Laufzeit: 99 Minuten
seit 04.03.2014 erhältlich
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Wenn die Inhaltsangabe zum Problem wird
Selten fiel es mir so schwer, einen Film zusammenzufassen, denn das Drehbuch ist derart verworren, dass man sich als Zuschauer bei vielen Details nicht ganz sicher ist, wie sie nun gemeint sind. Aber ich versuche es mal:
Ella (oder auch Red) ist ein Reaper, das Produkt einer Vergewaltigung durch einen Dämon. Als sie sechs Jahre alt ist, verkauft ihre Mutter sie an ihren Vater, den Dämon Ganesh. Der quält und missbraucht sie, bis sie von anderen Reapern befreit wird. Seither wird sie ausgebildet, um eines Tages Ganesh die Stirn bieten zu können.
Als die Reaper die Macht im Königreich an die Menschen übergeben wollen, sieht der Dämon die Zeit gekommen, seine Tochter zu dem Werkzeug zu machen, zudem er sie einst erkoren hat, aber sie wehrt sich.

Tja, so weit, was ich von der Story verstanden habe. Gut, man könnte noch erwähnen, dass Red in den kommenden König verliebt ist, der sich nicht zwischen ihr und einer anderen Braut entscheiden kann, aber das ist nur ein Nebenschauplatz. Soweit klingt das ja auch alles noch nach einer halbwegs brauchbaren Vorgabe für einen Fantasy-Film, aber die Umsetzung scheitert in allen Bereichen. Auch daran, dass die Story völlig verworren erzählt wird, manche Szene unglaublich lang ausgewalzt wirkt und das große Ganze nie so richtig verständlich erklärt wird.

Dass man mit wenig Geld ordentliche Fantasy produzieren kann, bewies letztes Jahr z.B. „Schattenkrieger“. Red Reaper soll ungefähr 3,8 Mio $ gekostet haben, schätzt die IMDB, wofür die gebraucht wurden, ist mir schleierhaft. Jedenfalls nicht für die Masken. Reds aufgeklebte Dämonenschuppen auf dem Rückgrat sehen reichlich billig aus, die Dämonen, die wie blasse Menschen aussehen, deren Augenbrauen mit einer Art Naht überzogen sind, haben auch nichts Beeindruckendes an sich – wegen der Ähnlichkeit taufte meine Frau sie „Baseballs“.
Also für die Schauspieler? Wohl kaum. Tara Cardinal spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern schrieb auch das Drehbuch und führte Regie, kein anderer der Darsteller ist mir bekannt. Viele sind offensichtlich Laien, die dermaßen hölzern spielen, dass es zwischen grauen- und lachhaft schwankt.

Damit nicht genug, ist die Arbeit hinter der Kamera auch absolut hobbymäßig. Seine 99 Minuten Laufzeit erreicht der Film nur durch ständige Wiederverwendung von Szenen, sei es in Träumen oder einfach nur so, um Geld zu sparen. Besonders peinlich wird es, wenn uns die Macher eine bei Tag gedrehte Szene als nächtlich weismachen wollen. Dann legen sie kurzerhand einen seltsamen Farbfilter auf das Bild, der einen an der Bildqualität des eigenen Bildschirms zweifeln lässt, sieht absolut grauenhaft aus. Die „epischen“ Schlachten sind lächerlich, weil nie mehr als zehn oder fünfzehn Leute zu sehen sind, die noch dazu mehr schlecht als recht mit ihren Waffen umgehen. Besonders negativ tun sich da in einer Szene die Bogenschützen hervor.

Unwillkürlich fragte ich mich, wer solchen Leuten eigentlich 3,8 Mio $ in die Hand drückt. Als im Abspann dann der Name „Uwe Boll“ (Alone in the Dark, Far Cry, Blood Rayne) bei den ausführenden Produzenten auftauchte, wurde mir einiges klar.

Fazit

Will man irgendwas Positives über den Film sagen, könnte man die ganz netten Kostüme oder die eine oder andere Location nennen. Ansonsten ist Red Reaper in jeder Hinsicht Schrott, der selbst verglichen mit vielen No Budget-YouTube-Fanfilmen einfach nur grauenhaft schlecht ist. Für dieses stümperhafte Machwerk Geld zu verlangen, ist eine Frechheit.

Wertung


Pro

  • ein paar hübsche Kostüme

Contra

  • völlig verworrene Geschichte
  • peinlich hölzerne (Laien-)Darsteller
  • lächerliche Kampfszenen
  • billige Masken
  • ständige Wiederverwendung von Szenen
  • grauenhafter Farbfilter-Einsatz
Kategorien: Fantasy, Filme
von Jörg Benne 7.Mrz.2014 1.383 x gelesen

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