• Werbung
    Aktuelle Phantastik bei Amazon:

    derzeit nur 1,99 Euro

  •  
    Anmelden

    Was wäre, wenn an einem Tag alle Verbrechen erlaubt wären? Wenn die Menschen ihren ganzen zurückgehaltenen Hass abladen und sich befreien könnten? Wäre die Welt dann besser? Diese Frage stellt „The Purge“, zu deutsch „die Säuberungsaktion“.

    thepurge

    (c) Universum Film
    Laufzeit: 82 Minuten
    ab 17.10.2013 im Handel
    Bei Amazon bestellen

    Der amerikanische Wahnsinn
    Wir befinden uns im Jahr 2022. Nach einer Wirtschaftskrise geht es in den USA wieder bergauf. Seit die neuen Gründerväter den Purge-Tag einführten, ist die Arbeitslosenrate niedrig, die Zahl der Verbrechen im Rest des Jahres ist auf ein Minimum gesunken. Die Gesellschaft feiert das Event, im Fernsehen wird live darüber berichtet, die Moderatoren stacheln die Leute im Vorfeld an, sich zu beteiligen und ihren Hass an Obdachlosen und anderen Menschen am unteren Ende der Gesellschaft auszulassen. Während der 12 Stunden sieht die Polizei weg und alles ist erlaubt und wird nicht sanktioniert, staatlich geförderter Mord & Totschlag.
    Familienvater James Sandin beteiligt sich zwar nicht an den Hetzjagden, hat sich aber auf seine Weise mit der Situation arrangiert und ist durch den Verkauf von Sicherheitssystemen für die Häuser der Oberschicht reich geworden. Den nun anstehenden Purge will er eigentlich nur hinter sich bringen. Doch sein Sohn stellt ihm nicht nur unbequeme Fragen, er hat auch noch Mitleid mit einem Stadtstreicher und gewährt im Zuflucht. Plötzlich wird das Haus der Sandins belagert, eine Meute mordlüsterner Yuppies fordert die Herausgabe des Obdachlosen – doch der versteckt sich vor den Sandins, während deren Frist abläuft. Dann wollen die Yuppies das Sicherheitssystem knacken und ins Haus eindringen.

    The Purge ist wie ein Überraschungsei und will gleich drei Wünsche auf einmal erfüllen. Zum einen ist da die Zukunftsvision. Bei einem Budget von 3 Mio $ sollte man da nicht zu viel verlangen, der Film spielt deshalb überwiegend im Haus der Sandins. Abgesehen von ein paar Gadgets sieht dort alles aus wie heutzutage. Dazu kommt, dass die Purge-Idee alles andere als durchdacht ist. Es wird so dargestellt, als würden nur die Reichen Jagd auf die Armen machen. Warum nicht umgekehrt? Warum keine Plünderungen? Und würden nicht auch viele Eheleute die Chance nutzen, den unliebsamen Partner umzunieten? Oder Erbschleicher ihre Großeltern erschießen? Gefeuerte ihren Ex-Boss? Was für ein Chaos wird am Tag darauf herrschen, wenn all die Opfer nicht zur Arbeit erscheinen? Und wer verhindert Rachefeldzüge von Angehörigen von Purgeopfern? Schwer vorstellbar, dass so ein Tag die Wirtschaft ankurbeln soll und nicht in die totale Anarchie führt. Kurz: In Sachen Zukunftsvision ist Purge eher enttäuschend, SciFi-Fans werden hier kaum bedient.
    Zum Zweiten haben wir die Gesellschaftskritik, die Autor und Regisseur deMonaco offensichtlich am Herzen liegt. Er hält der sensationsgeilen Gesellschaft einen Zerrspiegel vor, zeigt, wohin der Waffenirrsinn in den USA vielleicht mal führen könnte und was passiert, wenn man nur an sein eigenes Wohl denkt und das Leid sozial Schwächerer mit einem Schulterzucken abtut. Was hier bleibt, ist eine zynische Pseudo-Gesellschaft ohne sozialen Zusammenhalt. In diesem Punkt ist The Purge durchaus überzeugend und das undurchdachte Zukunftsszenario ist wohl schlicht Mittel zum Zweck.

    Serviert bekommt man letzten Endes aber das, was der Horror-Fan einen Home-Invasion-Film nennt. Familie ist in Haus eingesperrt, Fremde dringen ein, Familie kämpft um ihr Leben. Hier liefert deMonaco eher biedere Standardkost, das Drehbuch weist einige Wiederholungen auf und kann nur selten überraschen oder gar schocken, bietet aber solide Thriller-Unterhaltung.
    Dazu tragen auch die guten Schauspieler bei. Ethan Hawke mimt den Familienvater routiniert, Lena Headey ist mal nicht die toughe Lady, die wir aus Terminator SCC oder Judge Dredd kennen, und Rhys Wakefield überzeugt als übereifriger Säuberer und Anführer der Yuppie-Meute.

    Fazit

    The Purge liefert Gesellschaftskritik in Form eines Horror-Thrillers und bedient vor allem jene, die diese Mischung goutieren. Wer auf eine durchdachte Zukunftsvision hofft, wird jedoch genauso enttäuscht wie der Horror-Routinier, dem die Sozialkritik egal ist, denn der bekommt nur Standardkost geboten. In seiner Mischung ist The Purge aber ein leicht überdurchschnittlicher Film, der an den Kinokassen (für sein Budget) ein Riesenerfolg war. Ein Nachfolger ist bereits geplant.

    Wertung


    Pro

    • beißende Gesellschaftskritik
    • durchaus spannende Handlung

    Contra

    • Zukunftsvision wirkt undurchdacht
    • für Home Invasion-Kenner nichts Neues

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

    Klicke für mehr zum Thema , , , ,

    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 19.Okt.2013 1.910 x gelesen