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    Der französische Regisseur Pascal Laugier wurde Horrorfans im Jahr 2008 schlagartig ein Begriff. Der Grund dafür war der Horrorfilm Martyrs, der in dem Jahr die Hype-Hitliste mit großem Vorsprung anführte. Das brutal-schockierende Werk war auch wegen seines diskussionswürdigen Endes noch lange im Gedächtnis der Fangemeinde präsent und wird heute ohne langes Nachdenken genannt, wenn man die provozierendsten Genrebeiträge der letzten Jahre aufzählen soll. Laugiers Name wurde natürlich schnell mit namhaften Prestigeprojekten wie dem Hellraiser-Remake in Verbindung gebracht, doch der Mann nahm sich ausgesprochen viel Zeit für sein Nachfolgewerk, das gleichzeitig auch seinen ersten US-Film darstellt. Und es ist kein großer Studiofilm geworden, sondern eine Geschichte, an der er 5 Jahre bastelte. Er wird wahrscheinlich nicht die euphorischen Wellen schlagen wie Martyrs, aber bei der Qualität, die hier abgeliefert wird, darf man auf gewaltige Mundpropaganda hoffen.

    Angst hat viele Gesichter

    In der abgelegenen Bergarbeiterstadt Cold Rock, die ihre besten Zeiten längst hinter sich gelassen hat, führt die Krankenschwester Julia mit ihrem kleinen Sohn David ein ruhiges und zufriedenes Leben. Als jedoch nach und nach immer mehr Kinder aus der Stadt verschwinden, wird der Frieden der Kleinstadt rapide erschüttert. Die Einwohner vermuten, dass ein mysteriöses Wesen, von allen „The Tall Man“ genannt, dahinter steckt. Als eines Nachts auch David verschwindet, heftet sich Julia an die Fersen des „Tall Man“ und gerät in einen schrecklichen Albtraum…

    Nichts ist, wie es scheint

    Eigentlich hätte man sich an dieser Stelle die Inhaltsangabe sparen können. Auch der Trailer hilft nicht weiter. Wer The Tall Man beurteilen will, muss ihn sehen, denn alle offiziellen Infos dienen nur dem Zweck, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Und dazu bedient man sich nicht mal der heute so modernen viralen Marketingtricks, mit denen sich schon so manche Fans größerer Filme foppen ließen. Pascal Laugier brachte hier das Kunststück fertig, gleich mehrere Genres anzudeuten. Ist es ein Horrorfilm, ein Mysterythriller, ein Krimi oder doch ein Sozialdrama? Der Betrachter wird jedenfalls gekonnt gleich mehrfach hinters Licht geführt und muss sich umorientieren. Gerade, wenn man denkt, man hat Fuß gefasst in der Handlung, kommt die nächste Überraschung. Zur Verwirrung trägt da natürlich auch die Inszenierung bei, die oft von drohendem Unheil kündet, die Szenerie in die Dunkelheit verlegt und mit dem Soundtrack spielt. Wer ist Jessica Biels Charakter und was genau passiert hier eigentlich? Ist der Tall Man eine reale Person oder doch eine Art Geist?

    Das Schöne ist, dass man den Film bis zu Ende sehen will. Es fällt nicht schwer, bei der Sache zu bleiben, denn das Ganze bleibt durch die kontinuierlichen Infohappen, die das Ganze wieder in ein ganz anderes Licht rücken, stets spannend und fesselnd. Vor allem Jessica Biel besticht hier durch eine tolle darstellerische Leistung, denn auch sie muss bei dem Verwirrspiel einerseits glaubhaft bleiben und andererseits keine Hinweise geben, an denen sich der Zuschauer stören könnte. Und das gelingt dank Laugiers Drehbuch ganz hervorragend. Außergewöhnlich ist auch das Ende. Die große Mehrheit aller Filme nutzt diese Phase zumeist, um das Geschehen ausklingen zu lassen. Bei The Tall Man kommt die letzte Pointe der Geschichte erst in der letzten Minute des Films. Erneut wird einem ein Perspektivwechsel angeboten, der nachhallt, wenn man bereit ist, darüber nachzudenken, und sogar zu einer zweiten Sichtung einlädt, bei der man dann genauer auf Spurensuche gehen kann, wo man zuvor überall reingelegt wurde.

    Fazit

    The Tall Man ist nicht das geworden, was viele sich von Pascal Laugier nach seinem gehypten Horrorfilm Martyrs erwartet haben. Sollte dieser Satz Anlass zu Enttäuschung geben? Nein, keineswegs, denn The Tall Man ist ein beeindruckend starker Film, der es verdient, angesehen zu werden, auch, wenn man mit dem Trailer und der Inhaltsangabe nichts anfangen kann. Sie werden dem Film absolut nicht gerecht und sind doch gerade deshalb so wichtig, um den Masterplan hinter der wendungsreichen Geschichte zu verbergen. Wer intelligentes Kino will, hat hier einen echten Geheimtipp.

    Wertung


    Pro

    • Clevere Wendungen mit Genrespielereien
    • Bis zuletzt spannend und zum Nachdenken anregend
    • Gute Darstellerleistungen

    Contra

    • Trailer und Inhaltsangabe könnten Interesse bei manchen auch sinken lassen (Fehler!)

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 23.Apr.2013 8.214 x gelesen

    The Tall Man
    Publisher Universum
    Regie Pascal Laugier
    Genre Horror Mystery Psycho-Thriller
    Länge106 Minuten
    Altersfreigabeab 16 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    Blu-Ray10.05.2013 Kaufen
    DVD10.05.2013 Kaufen
     

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