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    Besessenheit und Hexerei sind gern genommene Themen im Horror-Genre. Mit The Witch setzt Universal aber nicht auf plakativen Exorzismus-Grusel, sondern eher auf eine Mischung aus historischem Sittenbild, Drama und Mystery, wobei Hexerei natürlich eine Rolle spielt.

    thewitch

    (c) Universal Pictures
    Regie: Robert Eggers
    Laufzeit: 89 Minuten
    ab 29.09.2016 im Handel
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    Wenn der Glauben wankt…
    Amerika 1630: Wegen seiner streng religiösen Ansichten wird William mit seiner Familie aus einer Siedlung in Neu-England verstoßen. Nahe eines Waldes versuchen sie ein neues Gehöft aufzubauen, doch Gott scheint sich von der streng gläubigen Familie abgewandt zu haben. Erst verschwindet der jüngste Sohn, ein Säugling, dann ist die Ernte verdorben. Die Mutter ist dem Wahnsinn nahe und glaubt, der Teufel spiele sein Spiel mit ihnen – besonders mit der ältesten Tochter Thomasin, in deren Obhut das Baby war, als es verschwand. Ist sie eine Hexe, die Unglück über die Familie bringt?

    Wer einen klassischen Horrorfilm mit Jumpscares und Splatter erwartet, ist hier vollkommen falsch. The Witch, das laut Angaben der Macher auf Märchen, Sagen aber auch Protokollen echter Hexenprozesse aus jener Zeit basiert, ist eher ein Familiendrama, das uns zeigt, in welches Dilemma unaufgeklärte Menschen damals gerieten, wenn ihr Vertrauen in ihren Glauben ins Wanken geriet und sie sich vom Bösen verfolgt sahen. Seine Spannung bezieht der Film vor allem aus der zunehmenden Paranoia innerhalb der Familie.

    Im Grunde könnte die Geschichte nach kurzer Einleitung und dem Verschwinden des Babys recht schnell die Spannungsschraube anziehen aber man gewinnt den Eindruck, dass dabei der Schraubenzieher manchmal abrutscht. Zwar versucht die Musik uns stets Grusel vorzugaukeln, aber im Grunde dümpelt der Film die erste Hälfte vor sich hin, nimmt sich viel Zeit die Figuren und ihre Nöte vorzustellen und verschenkt vor allem einiges an Potential dadurch, dass er zwar die Familie im Dunkeln tappen lässt, was das Schicksal des Babys angeht, uns aber zeigt, wer hinter dem Verschwinden steckt. Meiner Meinung nach wäre es wesentlich spannender gewesen, wenn der Zuschauer genau wie die Familienmitglieder unterschiedliche Vermutungen über den Schuldigen und seinen Verbündeten innerhalb der Familie anstellen würde. Dass das ganze schlussendlich (nach einem mitreißenden letzten Akt) auch nur lückenhaft aufgelöst wird, verstärkt den Eindruck, dass da in Sachen Story mehr drin gewesen wäre.

    Was bedauerlich ist, denn die (weitgehend unbekannte) Schauspieler-Riege macht einen sehr guten Job. Vor allem die Jungdarsteller sind hier zu nennen, für Anya Taylor-Joy könnte die Rolle der Thomasin durchaus zum Karriere-Sprungbrett werden. Auch die Kameraarbeit ist hervorzuheben, die mit einfachen Mitteln eine dichte Atmosphäre schafft, was aber eben nur im letzten Drittel vollends zum Tragen kommt.

    Fazit

    The Witch ist ein Mystery-Drama, das uns eindrücklich zeigt, wie gefangen die Menschen seinerzeit zwischen Glauben und Unwissen wahren. Leider verspielt das Drehbuch einige Gelegenheiten und lässt sich insgesamt zu viel Zeit, die Spannungsschraube anzuziehen. Das letzte Drittel ist wirklich sehenswert, aber bis dahin werden viele Zuseher schon abgeschaltet haben - vor allem jene, die gewöhnlichen Horror erwartet haben.

    Wertung


    Pro

    • sehr gute Darstellerriege
    • gelungene Inszenierung

    Contra

    • Zuschauer weiß zu früh, was passiert ist
    • Spannungskurve hängt zu lang durch
    • Auflösung wirkt lückenhaft

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 29.Sep.2016 1.298 x gelesen