Werbung

Registrieren Anmelden

Wally Pfister, langjähriger (und für „Inception“ oscarprämierter) Kameramann von Christopher Nolan (u.a.) gibt mit diesem Film sein Regiedebüt. Seine Herkunft kann er dabei nicht verleugnen, optisch ist Transcendence für einige Hingucker gut. Leider erweist sich allerdings, das Pfister in anderen Bereichen noch viel zu lernen hat.

transcendence

(c) Universal Pictures
Laufzeit: 115 Minuten
ab 28.08.2014 erhältlich
Bei Amazon bestellen

Ein neuer Gott?
Computergenie Will Caster arbeitet mit anderen zusammen an einer künstlichen Intelligenz, die auch Emotionen zeigen kann, quasi der Verschmelzung von Mensch und Maschine. Er sieht darin die Zukunft der Menschheit, wäre eine solche Singularität, er nennt sie Transzendenz, doch dem gesamten Intellekt der Menschheit weit überlegen.
Bei einem Anschlag durch technikfeindliche Terroristen wird Caster mit einer kontaminierten Kugel verletzt und hat nur noch Wochen zu leben. Als seine Frau Evelyn erfährt, dass bereits versucht wurde, den Geist eines Affen in die künstliche Intelligenz hochzuladen, versucht sie dies mit Will. Doch die Terroristen sind ihr noch immer auf der Spur und wollen die Erschaffung der künstlichen Intelligenz unbedingt verhindern.

Die nahe Zukunft: Smartphones die im Staub liegen, eine Tastatur, die als Türstopper missbraucht wird. Max Waters (Paul Bettany) stapft durch eine Welt ohne Strom und ohne Computer, sinniert über die wohl unausweichliche Konfrontation zwischen Mensch und Technologie, die – wie die Bilder zeigen – wohl zu Gunsten des Menschen ausgegangen ist. Was ist geschehen?

So beginnt Transcendence – und begeht damit gleich zu Beginn einen elementaren Fehler für einen Thriller, denn Thrill geht nun einmal von Spannung aus. So mag die Szene zwar Interesse wecken und sehenswerte Einstellungen bieten, gleichzeitig lässt sie aber auch einen Großteil der Luft aus den folgenden zwei Filmstunden.

Viel Luft ist da aber sowieso nicht drin, denn Pfisters größte Schwäche ist die Handlungsführung. Das wird schon in der ersten halben Stunde offenbar, in der der Anschlag passiert und Evelyn darum kämpft, ihren Mann wenigstens virtuell am Leben zu halten und dabei mit Waters aneinander gerät, der den Mahner gibt. Schon das würde Stoff für Spannung und auch Drama bieten, aber Pfister macht fast nichts daraus. Und das zieht sich durch den ganzen Film.

Das Drehbuch bietet dabei so gute Ansätze. Die Verquickung von Frankensteins Monster und Kreatur, die Caster quasi in einem wird, der innere Konflikt von Waters, der erkennt, dass die Terroristen sich auf seine Veröffentlichungen berufen – auch Terroristenchefin Bree (Kate Mara), die zum Schutze der Menschheit über Leichen geht, hätte eine nähere Beleuchtung ihres Charakters verdient. Aber bei allen wird nur an der Oberfläche gekratzt, höchstens mal halbherzig gezeigt, was sie gerade tun und damit die Handlung zerstückelt. Morgan Freeman und Cillian Murphy werden gar vollends zu Randfiguren degradiert, ein Großteil des namhaften Casts kann sein Talent gar nicht zeigen.

Und auch der zentrale Konflikt von Evelyn Caster, zunächst glücklich, ihren Mann wiederzuhaben, dann zunehmend befremdet, als dessen virtuelle Kopie sich weiterzuentwickeln beginnt, und schließlich im goldenen Käfig sitzend, wird nicht ausgereizt. Irgendwann guckt Evelyn eben nur noch unglücklich, ausgetragen wird der Konflikt zwischen den beiden kaum.

Ein paar schöne Bilder und einige philosophische Ansätze machen noch keinen guten Film. Die Handlung von Transcendence wird zunehmend wirr und unlogisch und durch die Eröffnung ist jedwede Spannung von Beginn an dahin. Wenn dann in der Schlussszene der Anfang noch um eine verbrämte Einstellung erweitert wird, ist das nur der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass spätestens zum Überlaufen bringt und viele Zuschauer kopfschüttelnd zurücklassen wird.

Fazit

Transcendence ist zurecht an den Kinokassen gefloppt. Regisseur Pfister mag sich auf tolle Bilder verstehen, aber seinen Figuren und der Handlung widmet er nicht genug Aufmerksamkeit. Herausgekommen ist ein langweiliger SF-Thriller, der sich den Großteil des Thrills mit der Eröffnungsszene selber nimmt, und durch zunehmend unlogische Handlung und unzureichend ausgearbeitete Figuren das Potential seiner topaktuellen Thematik verspielt. Sehr enttäuschend.

Wertung


Pro

  • topaktuelle Thematik
  • schöne Bilder

Contra

  • Anfang nimmt Ende vorweg
  • viele der Topschauspieler nur Stichwortgeber
  • Handlung zunehmend wirr und unlogisch
  • Figuren und deren Konflikte unzureichend ausgearbeitet
Weitere Artikel zu den Tags: ,

 

Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 25.Aug.2014 2.292 x gelesen

Kommentar hinterlassen

You must be logged in to post a comment.