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Von Regissuer Jonathan Glazer (Birth, Sexy Beast) hat man viele Jahre nichts mehr im Kino gesehen. Nun kehrt er mit einer Verfilmung des SF-Romans „Under the Skin“ von Michel Faber (erschienen 2000) zurück, in dem er uns unsere Welt aus den Augen eines Aliens zu zeigen versucht.

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(c) Senator Fim
Laufzeit: 105 Minuten
ab 10.10.2014 im Handel
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Alien auf Männersuche
Laura, ein Alien in Menschengestalt, fährt mit einem Lieferwagen durch Schottland und spricht wahllos Männer an. Vorgebend, sich verfahren zu haben, lockt sie sie in ihren Wagen und nimmt sie mit nach Hause. Statt Sex erwartet die Männer dort jedoch ein anderes Schicksal. Doch nach und nach beginnt Laura an ihrem Tun zu zweifeln und in sich selbst einen Menschen zu sehen.

Die offizielle Inhaltsangabe – die ich hier bewusst nicht wiedergegeben habe – klingt beinahe nach einem Remake von „Species“, nur dass das Alien hier keinen Nachwuchs zeugen will. Dieser Inhalt bezieht sich aber mehr auf das Buch als auf den Film, denn was Laura tut und vor allem warum bleibt sehr nebulös. Tatsächlich gibt es lange eigentlich gar keine Handlung, den ersten Dialog erst nach einer Viertelstunde. Wer sich diesen Film unter der Prämisse anschaut, einen herkömmlichen SF-Film zu sehen zu bekommen, womöglich noch mit Action, der könnte hier falscher kaum sein.

Glazer erzählt in den Extras, dass die ursprüngliche Drehbuchversion eine deutlich ausführlichere Handlung und mehr Figuren beinhaltete. Für deren Umsetzung mangelte es aber an Geld und so verdichtete man das Geschehen voll auf Laura (Scarlett Johansson) – womit nur noch eine sehr vage Umsetzung der Romanvorlage geblieben ist.

Herausgekommen ist ein Film, der in seiner Machart mehr an eine Kunstinstallation als an einen Kinofilm erinnert. Lange streifen wir mit Laura durch Schottland, beobachten Menschen und sehen, wie Laura darauf reagiert und sich allmählich verändert. Die Bilder und die dazu passende Musik schaffen eine dichte Atmosphäre, die durchaus packt, eine echte Handlung fehlt indes. Stattdessen kann man in viele Szenen einiges hineininterpretieren.

Ich könnte natürlich nun in feuilletonistische Töne abschweifen, den Film als filmisches Meisterwerk preisen, als Kunst, die profane Dinge wie Handlung und Logik abgestreift hat. Sicher gibt es genug Cineasten, die den Film so sehen und ihn dafür lieben werden. Der „normale“ SF-Fan bekommt hier allerdings ziemlich schwere Kost geboten und auch wenn man der audio-visuellen Ausgestaltung und der Atmosphäre viel abgewinnen und Johanssons Spiel bewundern kann, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass der Film auch erhebliche Längen hat. Es sind eher einzelne Szenen, die im Gedächtnis haften bleiben und nachhallen als der Film als Gesamtwerk.

Fazit:
Diesen Film objektiv zu bewerten ist eigentlich unmöglich. Er ist wie ein Kunstwerk in der Galerie. Während die einen sich stundenlang darin verlieren können, betrachten andere es nur einen Augenblick, zucken dann die Schultern und wenden sich ab. Stilistisch ist der Film ohne Frage sehenswert, die eigentliche Handlung ist aber dünn, bleibt nebulös und hat ihre Längen. Wer sowas hasst, wird keine 10 Minuten durchhalten, Cineasten hingegen mögen hierin ein Meisterwerk sehen.

Folglich verzichte ich in diesem Fall auf eine Wertung und ein Pro&Contra.

Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 22.Sep.2014 1.350 x gelesen

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