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    Mit dem Kurzfilm „Der Mann ohne Kopf“ machte der in Argentinien geborene, aber seit Jugendjahren in Frankreich lebende Regisseur Juan Solanas auf sich aufmerksam. Nun legt er mit Upside Down einen ebenso ungewöhnlichen Spielfilm vor, in dem ein verrückter Weltenentwurf auf kitschige Romantik trifft. Ein Volltreffer?

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    (c) Concorde
    Laufzeit: 104 Minuten
    ab 16.01.2014 als DVD/Blu-Ray
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    Wenn Welten auf dem Kopf stehen
    Adam und Eden leben in zwei unterschiedlichen Welten, die direkt übereinander liegen. Wer in der unteren Welt nach oben schaut, sieht den Boden der oberen Welt und umgekehrt. Die obere Welt ist reich und ein Unternehmen namens Transworld beutet Bodenschätze und Arbeitskraft der unteren Welt aus. Es wird streng auf eine Trennung der Menschen aus Ober- und Unterwelt geachtet.
    In beiden Welten herrscht eine eigene Schwerkraft, die aber nur auf Materie aus der eigenen Welt wirkt. Gerät Materie aus der einen Welt in die andere, wird sie zu „inverser Materie“ und ist schwerelos, beginnt aber nach einiger Zeit Feuer zu fangen – weshalb die Armen in der unteren Welt sie zum Heizen benutzen.
    Adam und Eden lernen sich in einem Gebirge kennen, wo sich die Welten beinahe berühren. Heimlich treffen sie sich, bis sie eines Tages entdeckt und gejagt werden. Es kommt zu einem Unfall, Adam hält Eden für tot. Als er sie Jahre später in einem Fernsehprogramm sieht, setzt er sich in den Kopf, sie wiederzutreffen und schleicht sich bei Transworld ein, wo auch Eden arbeitet.

    Vom (physikalisch zwar abstrusen) Weltentwurf und rein visuell ist Upside Down ein absoluter Hingucker. Solanas spielt großartig mit der Wahrnehmung des Zuschauers, wenn er z.B. in Stockwerk 0 des Transworld-Gebäudes, das beide Welten verbindet, ein Großraumbüro einrichtet, in dem sowohl am Boden als auch an der Decke (dort eben über Kopf) Leute arbeiten. Auch viele andere Ideen sind herrlich verrückt, wenngleich man Solanas vorwerfen muss, dass er das Konzept seiner Welt nicht immer schlüssig umsetzt.

    Natürlich ist das Ganze auch eine Metapher für unsere Welt, in der die reichen Länder die armen ausbeuten, ihnen für kleines Geld ihre Rohstoffe abkaufen, und ihnen dann völlig überteuerte Produkte dafür andrehen. Auch auf dieser Ebene funktioniert der Film sehr gut als Parabel, wobei Solanas allerdings allzu offensichtlich den moralischen Zeigefinger schwingt.

    Die eigentliche, märchenhafte Geschichte ist hingegen eine reichlich platt und kitschig geratene Abwandlung von Romeo & Julia, Liebende aus zwei Welten, die trotz aller Widerstände zueinanderfinden wollen. Jim Sturgess (Cloud Atlas) ist zwar ein sympathischer Hauptdarsteller und Kirsten Dunst (Spider-Man, Melancholia) spielt das Objekt seiner Begierde mit gewohntem Schlafzimmerblick, ihre Figur bleibt aber vollkommen blass und substanzlos. Warum Adam seine Eden so liebt, bleibt völlig im Dunkeln, wir lernen sie nie richtig kennen. Heimlicher Star ist indes Timothy Spall (Wurmschwanz aus Harry Potter) als rebellierender Transworld-Mitarbeiter.

    In der sehr eigenwilligen Mischung wird wohl für viele Zuschauer das Problem liegen, denn SF-Fans, die sich für die visuellen Eindrücke und die verrückte Welt begeistern, werden von der Liebesgeschichte wohl nicht so angesprochen und hätten sich eine tiefer gehende Handlung, vielleicht aus einem anderen Genre gewünscht. Hoffnungslose Romantiker, die der simplen Geschichte vielleicht noch etwas abgewinnen könnten, dürften hingegen mehrheitlich von den komplizierten physikalischen Gesetzmäßigkeiten abgeschreckt sein. Die Kinos blieben daher auch skeptisch, in Deutschland lief der Film nur kurz und spielte auch in vielen anderen Ländern (nicht zuletzt den USA) keine Rolle.

    Fazit

    Upside Down ist ein klassischer Fall von Style over Substance. Der verrückte Weltentwurf ist visuell toll umgesetzt, leider reichte der Einfallsreichtum des Regisseurs und Drehbuchautors aber nicht mehr für eine ebenso gute Geschichte. Vor allem die völlig substanzlose Figur der Eden stößt sauer auf. So bleibt ein visuell beeindruckender, inhaltlich aber allenfalls knapp durchschnittlicher Film.

    Wertung


    Pro

    • verrückter Weltentwurf
    • visuell gelungen umgesetzt
    • einige witzige Einfälle

    Contra

    • zu viel moralischer Zeigefinger
    • eigentliche Geschichte sehr kitschig
    • Figur der Eden ohne jede Substanz

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 10.Jan.2014 1.530 x gelesen