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    Die Macher von Nerve wollen hier wohl Zombiegrusel für Jugendliche bieten, indem sie uns den Ausbruch einer Seuche aus Sicht zweier Teenager miterleben lassen. Eine gelungene Variante?

    viral

    (c) Capelight Pictures
    Laufzeit: 82 Minuten
    ab 21.07.2017 im Handel
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    Teenager auf sich allein gestellt
    Die beiden Teenager-Schwestern Emma und Stacey sind gerade in das abgelegene Shadow Valley gezogen und noch neu an der Schule. Gleichzeitig kursieren Meldungen über einen Virus, der in China schon viele Tote gefordert hat. Ausgerechnet als der Vater der Schwestern auf dem Weg zum Flughafen ist, um die Mutter abzuholen, bricht die Krankheit auch in Shadow Valley aus. Der Ort wird unter Quarantäne gestellt und die beiden Schwestern müssen allein mit der Situation klarkommen, die mehr und mehr außer Kontrolle gerät.

    Der Film erinnert von der Dramaturgie stark an den weitgehend unbekannten dänischen Film What we become, der im letzten Herbst erschien. Hier wie da erleben wir den Ausbruch einer Seuche, die drakonischen Quarantäne-Maßnahmen der Regierung und den verzweifelten Kampf ums Überleben. In Viral wird allerdings allein auf die jugendliche Sicht der Dinge gesetzt und Jugendliche scheinen auch die primäre Zielgruppe des Films zu sein. Bevor das Unheil seinen Lauf nimmt, wird der Film mit typischen Teenie-Themen wie erster Liebe, Stress mit den Eltern, Problemen an der neuen Schule gefüllt und auch so präsentiert (incl. Textnachrichten, die in Handys eingetippt und vom Zuschauer mitgelesen werden können).

    Während der Film durchaus atmosphärische Passagen hat und wegen der Parasiten, die sich als Ursache der Krankheit erweisen (warum der Film trotzdem Viral heißt, bleibt mir ein Rätsel) auch einige Ekelszenen auffährt, die Horrorfans ansprechen dürften, sind es die handelnden Personen und deren oft grenzdebile Gespräche und Handlungen, die erwachsene Zuschauer mit den Augen rollen lassen. Eine hoch ansteckende Krankheit kursiert, was liegt da näher, als sich aus dem Haus zu schleichen und mit anderen Teenagern eine große Party zu feiern? Und wenn man am Morgen nach einem Angriff durch einen Infizierten aufwacht, ist die Frage, ob Schwesterherz mit dem Angebeteten ins Bett gegangen ist, selbstverständlich das erste, was einem in den Sinn kommt.
    Hinzu kommt noch, dass der Film allzu viele Klischees des Genres bedient. Ein Mann hämmert an die Tür, dann ist Ruhe. „Ist er weg?“, fragt eine der Schwestern und starrt durch den Türspion. Na, was kommt jetzt?

    In Deutschland kommt hinzu, dass die junge Zielgruppe, die über derlei Mängel wohl noch hinwegsehen könnte, durch die zurecht vergebene FSK-16-Einstufung zum Teil ausgeschlossen ist. So hat der Film zwar gute Ansätze und immer wieder Passagen, die zu packen wissen, aber neben den genannten Mängeln bei Handlung und Dialogen kommt noch hinzu, dass einige der Jungmimen nicht zu überzeugen wissen und der 28jährigen Analeigh Tipton nimmt man die Highschool-Schülerin auch nicht mehr recht ab.

    Fazit

    Viral hat gute Ansätze, macht diese aber durch schwache Dialoge und Schauspielerleistungen zum Teil zu Nichte. Für jugendliche Zuschauer, die im Genre noch unerfahren sind, könnte der Film dennoch recht spannend sein, die Ekelszenen mit den Parasiten rechtfertigen allerdings die 16er-Freigabe, sodass diese Zielgruppe zum Teil ausgesperrt bleibt. Letztlich ein unausgegorenes Werk.

    Wertung


    Pro

    • einige packende Szenen
    • Parasitenszenen gut umgesetzt

    Contra

    • Dialoge zum Teil grenzdebil
    • Hauptpersonen handeln zeitweise sehr dämlich
    • einige Schauspieler nicht überzeugend
    • viele altbekannte Klischees

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 14.Jul.2017 1.132 x gelesen