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Werwölfe sind meist von einem alten Fluch belastet. In WER wählen die Macher einen realistischeren Ansatz und servieren uns das ganze mit Found-Footage-Einlagen, um dem Grusel einen authentischen Anstrich zu verpassen. Funktioniert der Ansatz?

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(c) Ascot Elite
Regie: William Brent Bell
Laufzeit: 93 Minuten
ab 14.10.2014 im Handel
Trailer / Bestellen bei Amazon

Tod beim Picknick
Beim nächtlichen Picknick im Wald wird eine Familie überfallen. Vater und Sohn werden bestialisch ermordet, die Mutter überlebt schwer verletzt. Sie berichtet von einem monströsen Mann, der ihren Sohn aufgefressen haben soll. Kurz darauf verhaftet die Polizei Talan Gwynek, der mit seiner üppigen Behaarung und seinem Körperbau auf die Beschreibung der Überlebenden passt.
Verteidigerin Kate glaubt aber nicht an dessen Schuld, zumal die Bisswunden an den Leichen nicht zu den Kiefern eines Menschen passen. Als Kate in einem Krankenhaus zu beweisen versucht, dass Talan noch dazu an einer Krankheit leidet, die ihm eine solche Tat unmöglich macht, kommt es zur Katastrophe.

Die erste Hälfte des Films ist eher ein Mystery-Krimi als ein Horrorfilm. Zwar werden hier und da Schockmomente gesetzt, aber eigentlich geht es die ganze Zeit darum, dass Kate versucht, die Unschuld von Talan zu beweisen. Das ist für den Film in zweierlei Hinsicht ungünstig. Zum einen wissen wir ja schon durch den Titel, was mit Talan los ist und das Kate falsch liegt, zum anderen versteigt sich die Story in eine absurde Verschwörungstheorie, bei der der ermittelnde Kommissar Talan nur deshalb auf dem Kieker haben soll, weil er auf dem Land von dessen Familie Atommüll entsorgen will – „an den Haaren herbeigezogen“ ist da noch nett ausgedrückt.
Zwar agieren die Hauptfiguren auch im weiteren Verlauf wenig nachvollziehbar und sind auf dem Klischee-Reißbrett entstanden, wenn die Action die Überhand gewinnt, spielt das aber keine so große Rolle mehr.

Ist der Wolf nämlich entfesselt, nimmt der Film endlich Fahrt auf und wird zu dem Horror-Shocker, den man sich eigentlich erwartet hat. Wenn Talan loslegt, geht es sehr blutig zur Sache, die (auch außerhalb des Found Footage Materials) nervöse Wackelkamera und der sehr hektische Schnitt sorgen allerdings dafür, dass man abgesehen vom CGI-Blut kaum etwas zu sehen bekommt. Gore-Fans werden allenfalls bei der Nahaufnahme von Leichen auf ihre Kosten kommen. Wer eine Wackelbild-Allergie hat, sollte um WER einen Bogen machen.

Trotz der Mängel in Machart, Ausstattung und Story kann man dem Film in der zweiten Hälfte aber nicht absprechen, dass er durchaus Atmosphäre hat, was nicht zuletzt an der Ausstrahlung des Darstellers von Talan liegt. Zwar leidet auch das Finale ein wenig unter dem geringen Budget des Indiefilms, aber die zweite Hälfte bietet insgesamt ausreichend Spannung und Action, um Horrorfans ordentlich zu unterhalten.

Fazit

WER leidet darunter, dass man dem Zuschauer lange weismachen will, dass der Täter doch kein Werwolf sei und sich dabei in einer abstrusen Verschwörungs-Story zu verstricken droht. Zum Glück bekommt der Film in seiner zweiten Hälfte noch die Kurve und bietet dann ordentliche Horror-Action die für das geringe Budget auch gut gemacht ist. Insgesamt zwar nicht mehr als ein Durchschnitts-Horrorfilm, Genrefans können aber mal einen Blick riskieren, sofern sie die Wackelbilder verschmerzen können.

Wertung


Pro

  • gute Atmosphäre
  • überzeugender Wolf-Darsteller

Contra

  • sehr verwackelte Kameraführung
  • extrem hektischer Schnitt
  • erste Hälfte mit absurder Geschichte
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Kategorien: Filme, Horror
von Jörg Benne 3.Okt.2014 2.503 x gelesen

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