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Ein Meister tritt ab. Dreißig Jahre lang hat Hayao Miyazaki mit dem Studio Ghibli die Welt der Animes geprägt, Meisterwerke wie Mein Nachbar Totoro, Chihiros Reise ins Zauberland und Prinzessin Mononoke geschaffen. Nun hat der mittlerweile 73jährige seinen Rückzug angekündigt. Wie der Wind sich hebt soll sein letzter Film gewesen sein. Ein würdiger Abschluss einer großen Regisseur-Karriere?

wiederwindsichhebt

(c) Universum Film
Laufzeit: 122 Minuten
ab 12.12.2014 im Handel
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Der Traum vom Fliegen
Japan in den 30er Jahren: Schon als Junge träumte Jiro vom Fliegen, doch weil er stark kurzsichtig ist, konnte er nie Pilot werden. Deshalb strebte er eine Karriere als Flugzeug-Konstrukteur an und verwirklicht diesen Traum auch. Doch er muss einsehen, dass sein Heimatland der technischen Entwicklung in anderen Teilen der Welt meilenweit hinterherhinkt. Trotz diverser Rückschläge gibt er seine ehrgeizigen Ziele nicht auf und kreiert für die japanische Marine immer neue Kampfflugzeuge. Während einer Geschäftsreise verliebt er sich außerdem in die junge Nahoko. Doch ihre Beziehung steht unter keinem guten Stern.

Wer sich ein weiteres Fest überbordender Fantasie erwartet, wird von Miyazakis letztem Werk enttäuscht. Es ist ein sehr persönliches Melodram, dass seine Faszination für die Fliegerei und das Tuberkulose-Schicksal seiner Mutter thematisiert und sich um eine Person dreht, die außerhalb Japans kaum bekannt sein dürfte. Jirô Horikoshi (1903-1982) war ein begabter Flugzeugingenieur und entwarf die Kampfflugzeuge, die Japan im zweiten Weltkrieg einsetzte.

Zu bewerten, wie Miyazaki diese schwierige Geschichte angeht, fällt unheimlich schwer. Optisch bietet er uns einen Bilderreigen, der einmal mehr auf der Höhe der Animekunst ist, mit liebevollen Details besticht und vor allem in den Flugszenen zeigt, dass es keine CGI-Effekte braucht.
Erzählerisch hat das Werk allerdings seine Macken. Trotz zwei Stunden Laufzeit wirkt der Film vor allem zu Beginn sehr sprunghaft, zeigt uns Episoden aus Kindheit, Studienzeit und Berufsanfang von Jiro, wobei nur in Nebensätzen von Dialogen klar wird, wie viel Zeit vergangen ist. Auch Jiros Entwicklung ist dabei oft sprunghaft, plötzlich ist er z.B. ein Genie, auf den in der Firma große Stücke gehalten werden, oder er wird vom Staatsschutz verfolgt, ohne das aufgeklärt wird warum. Viel zu wenig Platz wird dem tragischen Aspekt seiner Arbeit eingeräumt, auch wenn das Grauen des Krieges hier und da in dräuenden Bildern heraufbeschworen wird. Mit dem Ausspruch eines Arbeitskollegen „Wir sind keine Waffenhändler, wir wollen nur schöne Flugzeuge bauen“, macht man es der Hauptfigur etwas zu einfach, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Auch die Liebesgeschichte entfaltet nicht ihr volles Potential, zumal sie auch erst spät im Film voll zum Tragen kommt. Sie setzt aber die emotionalen Höhepunkte und sorgt dafür, dass man letzten Endes doch ergriffen wird. Für Kinder ist der Film aufgrund der tragischen Thematik trotz Freigabe „ab 6“ kaum geeignet.

Fazit

Optisch ist Miyazakis letzter Film wieder ein Meisterwerk ohne Fehl und Tadel. Erzählerisch aber kann der Film nicht vollends überzeugen, gibt weder der melodramatischen Liebesgeschichte noch der Charakterstudie der Hauptfigur genügend Raum, sodass beides letztlich nicht ganz ausgereift wirkt. Persönlich war ich von dem Film eher enttäuscht. Ich liebe Miyazakis Werke vor allem für ihre fantastischen Ideen, die fehlen hier fast völlig. Auch den sonst so typischen leisen Humor habe ich schmerzlich vermisst.

Wertung


Pro

  • optisch beeindruckend und detailreich
  • ergreifende Szenen in der Liebesgeschichte

Contra

  • Erzählung zu sprunghaft
  • viele Figuren bleiben zu flach
  • nahezu humorlos erzählt
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Kategorien: Fantasy, Filme
von Jörg Benne 8.Dez.2014 2.506 x gelesen

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