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    Dass man im trauten Heim keineswegs vor Ungemach geschützt ist, ist das zentrale Thema im Home Invasion-Genre. Eine oder mehrere Personen werden in ihrem Haus von Eindringlingen mit böser Absicht eingekesselt und schließlich ziehen die Bösen die Schlinge immer enger zu und brechen ein. Vor ein paar Jahren nutzte The Strangers mit Liv Tyler diese Situation und erst kürzlich war mit The Purge – Die Säuberung ein ähnlicher Vertreter in den Kinos zu sehen. Schon 2011 entstand der hier besprochene You’re Next, bei dem es erstaunlich lange dauerte, bis er letztendlich veröffentlicht wurde, denn schon nach den ersten Festivalaufführungen war die Resonanz des Publikums so positiv, dass man von einem echten Geheimtipp ausgehen durfte.

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    (c) Splendid Film
    Regie: Adam Wingard
    Laufzeit: 90 Minuten
    ab 28.03.2014 erhältlich
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    Ein blutiges Familientreffen

    Um die Familie wieder enger zusammenzubringen, laden Aubrey und Paul Davison alle vier Kinder nebst Anhang in ihren einsam gelegenen und etwas heruntergekommenen Wochenendlandsitz ein. Doch der traute Familienabend bekommt schnell eine blutige Wendung, als eine Bande blutrünstiger Angreifer mit Tiermasken das einsame Haus der Davisons überfällt. Die Familie hat keine Ahnung, wer sie bedroht, warum die gnadenlosen Maskenmänner ausgerechnet sie ausgesucht haben und ob die Feinde sich innerhalb oder außerhalb des riesigen alten Hauses befinden. Sie wissen nur eins: Keiner von ihnen ist sicher.

    MacGyver allein zuhaus

    Von Anfang an merkt man, dass die Stimmung zwischen den einzelnen Parteien nicht geprägt ist von purer Freude über das gegenseitige Wiedersehen. Es ist in der Tat eine angespannte Situation, schon ohne die Bedrohung von außen. Die Figuren wirken distanziert, kalt und kaum charakterlich ausgearbeitet. Was man bis dahin von der Familie Davison zu Gesicht bekommt, weckt nicht gerade Sympathien für einen Großteil der Mitglieder. Insbesondere, wenn diese dann von draußen lauernden Unbekannten brutal angegriffen werden, ist das ein ziemliches Problem. Das ist der zentrale Fehler, den You’re Next begeht. Bis auf Erin (Sharni Vinson), die Freundin eines Familienmitglieds, die als Kind mit ihren Eltern in einem Survivalcamp aufwuchs und daher über sehr nützliche Überlebens- und Kampfstrategien verfügt, sind einem im Prinzip alle anderen egal. Wenn man es aber schafft, seine gesamten Sympathien auf Erin zu konzentrieren, kann der Film größtenteils trotzdem funktionieren.

    Die Zutaten von You’re Next sind ansonsten nämlich grundsolide. Die Motive der mysteriös maskierten Eindringlinge, die nach kurzer Zeit auch ins Innere des Hauses eindringen und die Familie immer weiter dezimieren, sind lange unklar. Ihr Vorgehen ist stellenweise sehr brutal, Messer und Axt sind die beliebtesten Mordwerkzeuge und das Blut der Opfer muss schon mal als Tinte für eine Mitteilung an der Wand für die noch lebenden Verwandten herhalten. Es könnte also eigentlich eine bedrohliche Kulisse aufgebaut werden, vor allem, weil das Haus recht weitläufig ist und es somit viele Gelegenheiten für Überraschungsangriffe gibt. Doch es ist eben nur halb so spannend, wenn der Zuschauer zu distanziert ist, um wirklich mitzufiebern. Bis auf Erin natürlich, die erfreulicherweise dem ansonsten fast reflexartig eingesetzten Klischee der schockierten, ständig den Tränen nahen Zwangs-Heldin widerspricht und von Anfang an ein tougher Haudrauf ist, der man zu jeder Zeit abnimmt, dass sie es mit allen Gegnern aufnehmen kann.
    Das Ende ist dann wieder diskussionswürdig, denn als die Motivation der Killer bekannt ist, wird sich der eine oder andere Zuschauer womöglich an den Kopf fassen und fragen, ob man das jetzt wirklich abkaufen soll. Aber zum Glück ist da ja noch Erin, die auch da genau weiß, was zu tun ist.

    Fazit

    You're Next ist kein innovativer Vertreter des Home Invasion-Genres, hat jedoch einen geradlinigen Verlauf ohne viele Schnörkel. Leider kostet die mangelnde Charakterzeichnung der Familienmitglieder Punkte, denn so verpasst man es, den Zuschauer so richtig in die verzweifelte Situation der Familie hineinzuziehen. Glücklicherweise bietet man mit Erin noch eine wortwörtlich schlagfertige Heroine auf, die sich in dem brutal inszenierten Treiben behaupten kann. Ein Geheimtipp wird daraus zwar insgesamt nicht, aber ein kurzweiliger Zeitvertreib bleibt es allemal.

    Wertung


    Pro

    • toughe Heldin
    • kompromisslos brutal

    Contra

    • Familie ist einem eigentlich egal
    • fragwürdige Auflösung

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 10.Mrz.2014 1.761 x gelesen