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Gravity hat nicht nur bei den Oscars groß abgeräumt, auch kommerziell ist der realistische Science-Fiction-Streifen enorm erfolgreich. Klar wollen da diverse Verleiher auf der Welle mitschwimmen. So wurde aus dem Indie-Streifen „Astronaut: The Last Push“ (Originaltitel) hierzulande mal eben „Zero Gravity“ gemacht. Hat er außer dem neuen Namen noch was mit dem Blockbuster gemein?

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(c) Lighthouse Home Entertainment
Regie: Eric Hayden
Laufzeit: 85 Minuten
ab 28.03.2014 im Handel
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Auf nach Europa
Auf dem Jupiter-Mond Europa wird Leben entdeckt. Riesige Wale scheinen unter dem Eispanzer des Mondes zu schwimmen. Milliardär Walter Moffitt stellt eine Mission auf, die zwei Astronauten in einem jahrelangen Flug – den sie im Kälteschlaf verbringen – zu dem Mond bringen soll. Dabei soll das Raumschiff erst die Venus und dann nochmal die Erde passieren, um Schwung zu holen.
Doch noch vor Erreichen der Venus wird das Raumschiff von einem Mikro-Meteoriten getroffen, einer der Astronauten kommt ums Leben, als die Kälteschlafkammern versagen. Der überlebende Astronaut Michael Forrest muss nun mit der Einsamkeit in dem winzigen Raumschiff zurechtkommen und die Jahre bis zur Rückkehr zur Erde überstehen.

Auf den ersten Blick erinnert die Geschichte an Europa Report, anders als dort, kommt die Menschheit aber nicht auf dem Mond an. Der Flug selbst ist das Thema, sodass der Film zu einem Kammerspiel wird, das in der winzigen, vielleicht 3-4 qm großen Raumkapsel spielt, in der Forrest sich über Jahre aufhalten muss, obwohl sie ursprünglich nur für einen Aufenthalt von einigen Tagen vor der Landung auf Europa gedacht war. Dass trotzdem Sauerstoff und Nahrungsmittel ausreichen, wird einfach als gegeben vorausgesetzt.

Abgesehen von kurzen Videobotschaften, die Michael mit großer Verzögerung von der Erde erhält, ist sein Alltag alles, was wir zu sehen bekommen. Und hier liegt dann auch die Krux des Films: Michaels Alltag ist unglaublich öde. Fitness, Essen, Videobotschaft, an der Verkabelung rumspielen, um Defekte zu reparieren, schlafen und immer so weiter. Hin und wieder wird mal eine kurze Außenansicht geboten, ein Hingucker ist der Film aber eigentlich nur beim Erreichen der Venus. Ansonsten muss Hauptdarsteller Khary Payton den Film allein tragen – was ihm nicht gelingt.

Payton ist eben nicht Sandra Bullock oder (der Vergleich zu „All is Lost“ drängt sich eigentlich noch eher auf) Robert Redford. Paytons meist steinerne Mimik lässt den Zuschauer nur marginal am Innenleben des mit dem Wahnsinn ringenden Astronauten teilhaben, die Entwicklung der Figur bleibt daher unglaubwürdig. Da der Alltag noch dazu dröge ist, macht sich beim Zuschauen gepflegte Langeweile breit, die einzig von den Tests nach den Reparaturen unterbrochen wird. Dabei ist der Film technisch durchaus ordentlich gemacht und hat mir Lance Henriksen als Milliardär auch einen namhaften Nebendarsteller zu bieten, der allerdings viel zu wenig Screentime hat, um dem Streifen seinen Stempel aufdrücken zu können. Dass alles dann noch mit einem gewaltigen Logikbock endet, lässt es schwerfallen, den Film positiv zu bewerten, auch wenn gute Ansätze zu erkennen sind.

Kritik muss sich auch der deutsche Verleih gefallen lassen. Ich kann ja verstehen, dass man irgendwie eine Namensähnlichkeit zu Gravity herstellen will, aber einen Film „Zero Gravity“ zu taufen, in dem Schwerelosigkeit gar nicht vorkommt (an Bord des Raumschiffs herrscht normale Erdanziehung), ist dann doch ziemlich daneben.

Fazit

Ambitioniertes Science-Fiction-Kammerspiel, das an seinen fehlenden Möglichkeiten, dem dröge dahinplätschernden Astronauten-Alltag und vor allem dem überforderten Hauptdarsteller scheitert. In keinerlei Hinsicht auch nur in der Nähe des Namens-Vorbildes.

Wertung


Pro

  • hübsche Außenansicht der Venus

Contra

  • dröger Astronauten-Alltag
  • Hauptdarsteller ist überfordert
  • Verlauf der Geschichte nicht glaubwürdig
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Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 18.Mrz.2014 2.119 x gelesen

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