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Die Spook-Serie von James Delaney ist bereits seit 2004 auf dem Markt und mittlerweile auf mehr als ein Dutzend Bände angewachsen (von denen es aber nur fünf auf den deutschen Markt schafften). Eine Verfilmung des Fantasy-Grusel-Mixes war lange geplant, doch es brauchte mehrere Regisseure (u.a. war Tim Burton im Gespräch), Drehbuchautoren und sogar Verleihe, bis Seventh Son endlich in die Kinos kam – wo er mit 110 Mio $ Einspiel bei 95 Mio $ Budget zum Flop wurde. Nun ist der Film für’s Heimkino erhältlich.

seventhson

(c) Universal Pictures
Regie: Sergey Bodrov
Laufzeit: 98 Minuten
ab 16.07.2015 im Handel
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Hexenjäger in Ausbildung
Als der Blutmond aufgeht, befreit sich Oberhexe Mutter Malkin aus ihrem Gefängnis und schart ihre Anhänger um sich. Ihr Widersacher, der „Spook“ genannte Hexenjäger Gregory, ist zugleich auf der Suche nach einem neuen Schüler. Dafür kommt nur der siebte Sohn eines siebten Sohnes in Frage und so fällt seine Wahl auf den jungen Tom. Für dessen Ausbildung bleibt dem Spook aber kaum Zeit, binnen einer Woche wird der Blutmond voll am Himmel stehen und die Oberhexe in Drachengestalt die Welt unterjochen, wenn die beiden sie nicht aufhalten.

Seventh Son ist ein Lehrstück darüber, was bleibt, wenn zu viele Köche an einer Buchvorlage herumdoktern, jeder neu engagierte Drehbuchautor hier und da noch etwas weglässt und hinzufügt und im Hintergrund die Big Bosse für ihr Geld eine Effektorgie sehen wollen. So muss man diesen Film quasi aus zwei Blickwinkeln betrachten.

Wer sich den Film ohne Kenntnis der Romanvorlage anschaut, bekommt eine etwas gehetzt wirkende Variante der altbekannten Geschichte vom unbedarften jungen Mann, der (wider Willen) auszieht, die Welt zu retten. Für die Entwicklung der Figuren und ihrer Beziehungen ist in den 100 Minuten wenig Platz, stattdessen reiht sich eine Actionszene an die nächste, das ganze erinnert zeitweise ein wenig an „Kampf der Titanen“. Ähnlich wie dort bekommt man auch hier die CGI-Effekte nur so um die Ohren geschlagen, frei nach dem Motto „viel hilft viel“, was indes nicht wirklich aufgeht. Natürlich dürfen die seit Der Herr der Ringe obligatorischen großartigen Landschaftspanoramen nicht fehlen.
Immerhin, die Schauspieler machen ihre Sache gut, insbesondere der aufstrebende Jungstar Alicia Vikander wird einem im Gedächtnis bleiben. Jeff Bridges gibt dem Spook auch einen besonderen Charakter, mimt allerdings wieder einmal den nuschelnden Griesgram, den man spätestens seit True Grit zu genüge kennt. Alles in allem bleibt ein leidlich unterhaltsamer Fantasy-Streifen, dem weniger Effektgewitter und mehr Tiefe bei den Figuren allerdings gut getan hätten.

Wer die Buchserie hingegen kennt, der wird sich pausenlos verwundert die Augen reiben. Drachen? Wieso sind Boggarts plötzlich riesige Ungetüme? Und war Tom im Buch nicht gerade mal 13 Jahre alt? Wer zur Hölle ist Tusk? Wer sind all die Super-Hexer, die da neben Mutter Malkin auftauchen und in Bosskämpfen besiegt werden wollen? Man könnte die Reihe noch lange fortsetzen oder man macht es kurz: Abgesehen von der Figurenkonstellation ist von der Buchvorlage so gut wie nichts geblieben. Wer also eine möglichst werkgetreue Umsetzung erwartet, sollte um Seventh Son einen großen Bogen machen.

Fazit

Seventh Son entfernt sich sehr weit von seiner Buchvorlage und setzt mehr auf Eyecandy als auf Inhalt. So bekommt man ein ziemlich substanzloses Effektgewitter serviert, das dank guter Schauspieler und technisch sauberer Umsetzung leidlich unterhält. Fans der Buchvorlage werden allerdings enttäuscht.

Wertung


Pro

  • überzeugende Darsteller
  • technisch saubere Umsetzung

Contra

  • CGI-Effekte gehen vor Figurenentwicklung
  • Plot recht simpel gestrickt
  • Grusel aus der Buchvorlage nur in Ansätzen vorhanden
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Kategorien: Fantasy, Filme
von Jörg Benne 19.Jul.2015 1.811 x gelesen