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    Früher bestach Horror zumeist durch subtilen Grusel, der sich bedächtig aufbaute und immer intensiver seinem Höhepunkt zuging. Nicht ohne Grund sind noch heute Klassiker wie Der Exorzist oder Shining ganz oben auf den Hitlisten, wenn es um die Vorzeigewerke des Genres geht. Nach der Tortureporn-Welle, einem Haufen Parodien und den üblichen aufgewärmten Massenproduktionen in Form von unnötigen Sequels oder noch unnötigeren Remakes, die nur wiederkäuen, was früher mal populär war, werden neue Impulse händeringend gesucht. Wenn was mal verhältnismäßig frisch war, sprangen Filmemacher so exzessiv auf den Zug auf, dass man über neues Material nur noch müde stöhnen möchte. Nur, woher sollen sie kommen, die abwechslungsreicheren Werke? Nun, vielleicht von Guillermo del Toro (Pan’s Labyrinth), der bei Mama zwar nur als Produzent tätig war, aber das Projekt maßgebend mit anschob. Kann er das Horrorgenre entschleunigen?

    Mama – Fantasie oder Wirklichkeit?

    Die zwei jungen Schwestern Victoria (Megan Charpentier) und Lilly (Isabelle Nélisse) verschwinden nach dem Tod ihrer Eltern spurlos. Erst Jahre später werden sie in einer abgelegenen Hütte scheinbar unversehrt gefunden. Doch nachdem ihr Onkel Lucas (Nikolaj Coster-Waldau) und seine Freundin Annabel (Jessica Chastain) sie zu sich nehmen, zeigen die Schwestern beängstigend bizarres Verhalten. Während Victoria vor ihrem mysteriösen Exil in der Wildnis bereits sprechen konnte und ihren neuen Eltern einen kleinen Einblick ermöglicht, benimmt sich die kleine Lilly fast schon animalisch. Der Umgang mit den beiden Kindern, die so lange auf sich gestellt waren, gestaltet sich für Lucas und Annabel äußerst schwierig. Haben sich Isolation und post-traumatischer Stress in ihre Psyche gegraben? Oder lauert in den Schatten tatsächlich jene unheimliche Gestalt, die sie „Mama“ nennen?

    Starke Darsteller, Ende mit Fragezeichen

    Schaut man sich die Namen der Besetzung von Mama an, wird einem vor allem Jessica Chastain auffallen, die in dem Bin Laden-Drama Zero Dark Thirty eine beeindruckende Performance ablieferte. In Mama hingegen ist ihre lange, rote Mähne verschwunden, stattdessen verkörpert sie hier eine Punkrockerin mit kurzen, schwarzen Haaren, die nicht so recht mit Kindern umzugehen weiß. Chastain spielt das ohne Frage ordentlich, verblasst jedoch neben den beiden jungen Darstellerinnen von Victoria und Lilly. Die beiden Mädchen wirken so überzeugend, dass man wirklich meinen könnte, man hätte sie im Wald gefunden und auf das Filmset verfrachtet. Das ist neben ihrem Alter auch deswegen beeindruckend, weil sie nicht nur mit anderen Schauspielern interagieren müssen, sondern auch mit einer imaginären Geistergestalt aus dem Computer. Hut ab.

    Mama lässt sich Zeit, um die Geschichte zu erzählen. Zwar sind die Kinder relativ früh gefunden, aber damit geht das Ganze erst so richtig los. Als Zuschauer wird man schon zu Beginn eingeweiht, dass der Geist, den die Mädchen nur „Mama“ nennen, durchaus real ist, aber man weiß neben seinem liebevollen Umgang mit den Kids nicht wirklich, was er will. Man wartet also einerseits darauf, dass auch Annabel und Lucas auf seine Spur kommen, andererseits will man dann aber auch endlich wissen, welche Mysterien sich hinter der Existenz der Gestalt verbergen. Der Zuschauer bleibt also am Ball, ohne dass dafür im Minutentakt Schreckeffekte nötig wären (hin und wieder gibt es sie aber trotzdem). Die wenigen CGI-Effekte beziehen sich natürlich auf den Geist und der wurde ansprechend umgesetzt. Ansonsten sorgt die ruhige Kameraführung und das dunkel gehaltene Setting für die nötige Atmosphäre.
    Der größte Kritikpunkt dürfte aber das Ende sein. An ihm werden sich die Geister scheiden (haha), denn die Geschichte stellt all die vorher nötigen Weichen, um zu einem plausiblen Schluss zu kommen. Darauf wird Zeit verwendet und man wähnt sich auf einem guten Weg, doch dann wird das Ende unerwartet umgeworfen. Ob man das jetzt als sogenannten „red herring“ oder als verunglückte Arbeit des Drehbuchautoren werten möchte, bleibt wohl Geschmacksache.

    Fazit

    Mama ist ein Horrorfilm, der von der Story her frisch wirkt und eine dichte Atmosphäre aufweist. Dazu wartet er mit zwei hervorragenden Jungdarstellerinnen auf, die die beiden Kinder beeindruckend verkörpern. Manche Zuschauer könnten sich jedoch durch den Wissensvorsprung gegenüber den anderen Figuren erst mal etwas gelangweilt fühlen und später dann möglicherweise über das Ende ärgern. Immerhin bietet es wohl verschiedene Interpretationsansätze und das ist ja auch schon mehr, als die sonstige Horrorware derzeit bieten kann.

    Wertung


    Pro

    • Überragende Kinderdarsteller
    • Eigenständige Story
    • dichte Atmosphäre

    Contra

    • unbefriedigendes Ende

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 18.Apr.2013 1.480 x gelesen

    Mama
    Publisher Universal
    Regie Andres Muschietti
    Genre Grusel
    Länge100 Minuten
    Altersfreigabeab 16 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    Kino18.04.2013