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    Fast sieben Jahre nach dem dritten und bislang letzten Spiel der Black Mirror-Reihe wagt das bereits an der Entwicklung von Teil zwei beteiligte Studio King Art (unter anderem The Book of Unwritten Tales) einen Neustart. Das Reboot des Gothic-Horror-Adventures entführt neben PC-Spielern nun auch Anhänger der aktuellen Konsolen ins recht ungemütliche Zuhause einer von dunklen Geheimnissen belasteten Sippe.

    (c) THQ Nordic
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    Die liebe Verwandtschaft
    Wir schreiben das Jahr 1926. Nach dem mysteriösen und gewaltsamen Ableben seines Vaters John reist der in Indien aufgewachsene David zum schottischen Familienanwesen Sgathan Dubh House. Es gibt Erbschaftsangelegenheiten zu klären und vor allem hofft der junge Mann, Licht ins Dunkel um die genauen Todesumstände von John zu bringen, der von der düsteren Vergangenheit und dem Thema Okkultismus wie besessen schien. Die Familienangehörigen und ihre wenigen Angestellten im gruseligen alten Gemäuer verhalten sich allerdings unkooperativ bis verdächtig und unheimlich. Und was hat es mit dem kleinen Jungen auf sich, welchem David in den schummrig beleuchteten Fluren begegnet?

    Gesteuert wird Black Mirror wahlweise mit Gamepad (eindeutig zu empfehlen) oder über die Tastatur plus Maus. Eine reine Maussteuerung mit Klicken zum Laufen ist also leider nicht an Bord. Erschwert wird die vernünftige Fortbewegung auch durch teils ungünstige Kameraperspektiven, so dass es z.B. manchmal nicht auf Anhieb ersichtlich ist, in welche Richtung man nun aktuell eigentlich drücken muss, um einfach geradeaus zu laufen. Es wird nach ein wenig Gewöhnung leichter, aber wirklich optimal kam zumindest ich bis zum Ende nicht mit der Steuerung und der Orientierung zurecht.
    Mehr Freude machen da die guten und logischen Rätseleien, auch wenn sie durchaus zahlreicher sein könnten. Man muss unter anderem Schlüsselteile finden und in die passenden Positionen drehen, Dokumentenschnippsel zusammensetzen, die Bedeutung von Runen anhand mathematischer Notizen enträtseln oder die Umgebungen nach Hinweisen zu einigen Vorfällen durchsuchen.
    Das Inventar ist klein und es gibt keine typischen „Item-Kombinations-Rätsel“ – wenn ein Objekt an der entsprechenden Stelle einsetzbar ist, fischt David es automatisch aus dem Gepäck. Und sowieso benötigt ein recht großer Teil der Puzzles auch gar keine zusätzlichen Gegenstände.
    Etwas störend fällt auf, dass nach Interaktionen merkliche Pausen entstehen, bevor man weitergehen kann. Auch schwarze Ladebildschirme zwischen Schauplätzen unterbrechen Spielfluss und Atmosphäre.

    Davids Mutter hält nicht viel von der Familie väterlicherseits

    Fremde Heimat – Home sweet home?
    David hat Visionen vergangener Ereignisse und zweifelt teilweise an seinem Verstand. Soll er ebenso wie John zum „Irren“ werden? Das Ringen um Fassung und seelische Gesundheit wird teils dargestellt durch ein kurzes Minigame, bei dem es gilt, den Cursor lange genug in einem markierten Kreis zu halten.
    Die rätselhaften Blicke in die Vergangenheit selbst spielen nicht nur in Cutscenes eine Rolle, sondern bilden auch ein mehrfach genutztes Gameplay-Element. David sieht nach dem Aktivieren passender Hinweise in den Umgebungen geisterhafte Schemen der handelnden Personen und muss im richtigen Moment mit aufleuchtenden Details der in Dauerschleife ablaufenden Szene interagieren. Allerdings darf er sich nicht zu lange in die Nähe der Geister wagen, die sonst nämlich handgreiflich werden. Mit tödlichen Folgen, denn Black Mirror ist ein Adventure, in dem man sterben kann! Durch automatische Savegames als Ergänzung zum fast freien Speichern muss der Spieler dann zum Glück aber nur kurze Passagen wiederholen.
    Die Idee mit den Visionen finde ich grundsätzlich spannend, die gameplaytechnische Umsetzung aber nicht berauschend – dem Ganzen fehlt es an Anspruch, die einzige Schwierigkeit ergibt sich eigentlich durch die ungenaue Steuerung beim Anvisieren der Objekte.
    Ebenfalls abseits der Rätsel des öfteren nötig ist Buttonmashing auf die Maustaste bei Anstrengungen wie einem Gerangel.

    Black Mirror hat viel von einem interaktiven Film, in dem Gespräche und cineastisch angehauchte Zwischensequenzen eine große Rolle spielen. Die erzählte Story ist die meiste Zeit über spannend und bietet einige schöne Gruselmomente. Zum filmischen Drumherum tragen nicht zuletzt schaurige Soundeffekte und der orchestrale Soundtrack einiges bei.
    Die professionellen deutschen Sprecher können überzeugen, durch Feinheiten wie den schottischen Akzent wirkt die Atmosphäre bei der ebenfalls zur Auswahl stehenden englischen Synchronfassung aber noch ein Eckchen stimmiger. Lippensynchron sind die Dialoge jedoch in keiner der beiden Versionen vertont, so dass die Mundbewegungen manchmal ein wenig seltsam erscheinen. Auch andere Elemente der Mimik und der sonstigen Animationen wirken ein wenig zu roboterhaft.
    Die Umgebungsgrafik ist stimmungsvoll, mit einigen hübschen Details wie Spiegelungen und sehr schicker Beleuchtung, jedoch nicht hundertprozentig auf dem aktuellsten Stand der Technik – manches sieht dann doch ziemlich karg und eintönig aus.
    Und trotz der teils verwirrenden Architektur erkundet man letztendlich bloß eine überschaubare Zahl von Räumen bzw. Orten mit auch nur relativ wenigen Interaktionsmöglichkeiten.
    Schon daraus ergibt sich ein für viele potenzielle Käufer sicherlich wichtiger Kritikpunkt: Die Spieldauer betrug bei mir kaum mehr als sechs Stunden, obwohl ich bei Adventures sonst ganz gern mal länger auf dem Schlauch stehe und bestimmt nicht gerade Speedrun-fähig bin.
    In der getesteten Fassung kam es außerdem zu mehreren technischen Patzern. Einmal brach eine Zwischensequenz z.B. an der falschen Stelle ab und David konnte sich nicht mehr vom Fleck rühren.

    Fazit

    Das Black Mirror-Reboot ist atmosphärisch gelungen, vor allem akustisch ansprechend präsentiert und bietet eine fesselnde Gruselstory sowie interessante Ideen rund um seelische Belastungen und so manchen Knacks, den Menschen bekommen können. Der spielerische Anspruch und Puzzle-Anzahl sowie -Schwierigkeit fallen trotz einiger schöner Knobeleien insgesamt aber zu niedrig aus. Steuerung und Orientierung machen häufig mehr Probleme als die eigentlichen Rätsel und sonstigen Gameplay-Elemente. Neue Spielmechaniken rund um die geisterhaften Visionen sind vom Ansatz her durchaus vielversprechend, aber leider nicht genug ausgearbeitet. Entsprechend ergibt sich auch eine suboptimale Spieldauer.

    Wertung


    Pro

    • düstere Grusel-Atmosphäre
    • die meiste Zeit über fesselnde Geschichte
    • stimmungsvolle Schauplätze
    • diverse gelungene Rätsel
    • gute Ansätze rund um mysteriöse Visionen
    • überzeugende Vertonung

    Contra

    • verbesserungswürdige Steuerung
    • zu wenige Rätsel
    • geringer Anspruch bei den meisten Aufgaben
    • zu kurze Spieldauer
    • ein paar technische Probleme

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Horror, Spiele
    von Christina Schmitt 27.Nov.2017 460 x gelesen