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    Graf Dracula ist schon echt ein armes Schwein, zumindest der Dracula aus dem Castlevania-Universum. Alle paar Jahre müht er sich ab, die Welt mit einer Armee von Dämonen zu erobern und kriegt doch jedesmal von den blöden Belmonts oder irgendwelchen anderen dahergelaufenen Vampirjägern den Hintern versohlt. So kennt man es zumindest von den mittlerweile mehr als 30 Ablegern der Action-Adventure-Serie. Da könnte man den Spieß doch mal umdrehen und zur Abwechslung den Fürsten der Finsternis selbst steuern. Genau das tut man in Lords of Shadow 2, welches handlungstechnisch direkt an den Vorgänger anknüpft und vieles besser, aber manches auch schlechter macht.

    Aufruf zur Blutspende

    Nach seinem Sieg über Satan in LoS 1 legte sich Dracula in einem Versteck im hintersten Winkel seines riesigen Schlosses in seinen Sarg, um eine Mütze voll Schlaf zu tanken. Viele Jahre später wird er jedoch von Zobek, seinem alten Mentor, unsanft aus dem Schlaf gerissen. Und das nicht ohne guten Grund. Satan will`s nochmal wissen und startet einen erneuten Versuch über die Welt herzufallen. Als Ort seiner Wiederkehr hat sich der Höllenfürst natürlich ausgerechnet Draculas Gruselschuppen ausgesucht. Letzterer ist allerdings kaum wiederzuerkennen, denn seitdem Dracula sich in seinen Sarg gehauen hat, sind 1000 Jahre vergangen. Wir sind mittlerweile in der Gegenwart angekommen und um die riesige Burg wurde eine Metropole errichtet, sodass aus dem Gemäuer ein merkwürdiger Hybrid aus Gothic- und moderner Architektur entstanden ist.
    Es bleibt aber kaum Zeit sich über Elektrizität, fließend Wasser oder das schlechte Fernsehprogramm aufzuregen, denn schließlich muss der Leibhaftige aufgehalten werden, wozu selbstredend nur Dracula in der Lage ist. Außerdem winkt bei Erfüllung seiner Aufgabe die Erlösung vom verhassten Vampirdasein. Genug Motivation also, um gegen den Leibhaftigen zu Felde zu ziehen. Dazu muss er verschiedene Areale der Burg erforschen, um einerseits seine alten Waffen und Fähigkeiten wiederzuerlangen und andererseits verschiedene Diener Satans aufzuspüren und zu vernichten, welche dessen Rückkehr vorbereiten.

    Ins Auge sticht zunächst, dass LoS 2 gegenüber dem ersten Teil ein offenes Spieldesign hat, welches angenehm an die älteren Castlevania-Ableger (von Fans gern liebevoll „Metroidvanias“ genannt) erinnert. Das rührt daher, dass die Spielwelt frei begehbar ist und man anfangs immer wieder auf Gegenstände oder Bereiche stößt, die man zunächst nicht erreichen kann. Erst im späteren Spielverlauf wird Dracula durch neue Fähigkeiten und Waffen in die Lage versetzt diese Problemstellen zu meistern, was wiederum ein erneutes Aufsuchen bereits besuchter Spielareale notwendig macht.
    Das Spiel wird wie der Vorgänger aus einer 3rd-Person-Sicht gespielt und setzt im Grunde auf drei Kernkomponenten: erkunden, Hüpf- und Klettereinlagen und kämpfen. Die Hüpfereien sind dabei betont einfach gehalten: ein Schwarm Fledermäuse zeigt immer den nächsten Punkt, an dem sich Dracula festhalten kann. Ein Druck in die ungefähre Richtung + Sprungtaste und schon schwingt sich Dracula wie ein Parcour-Weltmeister durch die Umgebung. Kein Problem.

    los2_3

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    Dieser gelbe Ritter ist der Endgegner des Prologs und nebenbei eine echte Nervensäge.

    Wer ist schon Kratos?

    Schwieriger wird es hingegen wenn Gegner auftauchen. Dann geht es in bester God of War Manier zur Sache. Man gibt den Gegnern mit Schwert, Peitsche und Chaos-Krallen Saures und muss je nach Gegner auch schnell zwischen verschiedenen Angriffsarten taktisch wechseln können. Das Schwert z.B. verursacht vergleichsweise wenig Schaden, lädt aber bei jedem Treffer ein Stück von Draculas Lebensleiste wieder auf. Die Chaoskrallen hingegen machen viel Schaden und können gegnerische Schilde zertrümmern an denen andere Angriffe Draculas wirkungslos abprallen. Beide Waffen verbrauchen jeweils eine spezielle Form von Magie, die man entweder an Schreinen oder durch das Töten von Gegnern wieder aufladen kann. Zusätzlich stehen noch diverse Ausweichmoves zur Verfügung und jede der Waffen hat eine spezielle Funktion: So kann Dracula z.B. mit dem Void-Sword Eisprojektile verschießen, um Wasserfälle kurzzeitig einzufrieren und erkletterbar zu machen.
    Wer sich bei all den Steuerungsfinessen am Anfang erstmal nicht alle Finger verknotet, ist echt gut. Besonders die Bosse verlangen einen gekonnten Umgang mit der Steuerung. Immerhin, und dafür danke ich den Entwicklern echt auf Knien, sind wenigstens die Quicktimeevents optional abschaltbar. Das war immer ein Nervfaktor für mich.

    Es vergehen dann etwa 20 Spielstunden, bis man Satan wieder eins auf die Hörner gibt. Zwar sind die Umgebungen im Vergleich zu LoS 1 thematisch weniger abwechslungsgreich, das wird aber dadurch kompensiert, dass LoS 2 in zwei verschiedenen Zeitebenen spielt. Relativ früh im Spiel bekommt man die Möglichkeit an bestimmten Stellen in die „Vergangenheit“ zu wechseln. Und diese Abschnitte sind atmosphärisch und von den Schauwerten her (Architektur) echt ein Hammer. Leider wirkt die Storyführung hier etwas konfus, ob es sich bei den Abschnitten in der Vergangenheit um eine echte Zeitreise oder nur um eine Art metaphysische Traumerfahrung handelt, wird nie erklärt. Ebenso wenig warum eigentlich im Vorgänger vernichtete Antagonisten plötzlich wieder unter den Untoten weilen. Obwohl im Prolog die ganze Vorgeschichte (und die haarsträubenden Verwandtschaftsverhältnisse Draculas) nochmal aufgerollt werden, sitzt man bei der einen oder anderen Zwischensequenz mit einem riesen Fragezeichen vor dem Bildschirm.

    Die Ratte in mir

    Etwas aufgesetzt wirken auch die Schleicheinlagen: an einer Stelle müssen wir z.B. einen Wissenschaftler übernehmen, um durch eine Sicherheitsschleuse zu kommen und dürfen uns dabei nicht von tumben Hulk-Verschnitten in roter Rüstung erwischen lassen. Die sprengen uns beim kleinsten Fehler nämlich ansonsten ohne Möglichkeit der Gegenwehr mit ihren überdimensionalen Granatwerfern den blassen Arsch weg. Immerhin kann man in den Schleichpassagen Gegner eine Zeit lang mit einem Fledermausschwarm irritieren (ich bin Batman!) und relativ gefahrlos vorbeihuschen. Trotzdem bleibt die Frage, warum Dracula zwar riesige Bossmonster verhauen kann, aber keinerlei Chance gegen diese vergleichsweise kleinen Gesellen hat. Klar, man muss den Spieler ja auch eine Begründung geben, warum er an besagter Stelle schleichen muss, aber die wirkt eben inkonsistent. Ganz witzig finde ich hingegen die Stellen, wo sich Dracula in eine Ratte verwandeln und mit einem ganzen Rudel Nagerkollegen im Schlepptau durch Lüftungsschächte huschen, über Flammen hüpfen und unter Strom stehenden Pfützen ausweichen muss. Endlich kann ich meine wahre Natur ausleben!

    Aus technischer Sicht ist LoS 2 ein weitgehend gelungener Titel. Gerade die Abschnitte im „alten“ Schloss sehen schick aus – bis auf die allgegenwärtigen Wasserfälle. Glaubwürdige Flüssigkeiten sind aber seit jeher schwierig umzusetzen. Die Animationen sind ansonsten aber sehr flüssig. Die Texturen gehen auch in Ordnung, vor allem weil alles wie aus einem Guss wirkt und mit schönen Spiegelungs- und Beleuchtungseffekten versehen ist. Die Gegenwartsszenarien wirken dagegen leider etwas langweilig.
    Negativ ist hingegen, dass LoS 2 nur englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln bietet. Dafür bekommt man immerhin bekannte Sprecher wie Patrick Stewart (als Zobek) und einen wirklich hörenswerten Orchestersoundtrack geboten. Die zum Test vorliegende PS3-Version, läuft standardmäßig nur mit 720p, was zur bekannten Treppchenbildung führt. Wer damit nicht leben kann, sollte lieber zur PC-Version greifen, die relativ niedrige Hardwareanforderungen hat, sodass Full-HD nebst Anti-Aliasing auf Mittelklasse-Grafikkarten kein Problem sein dürfte.

    Fazit

    Mal abgesehen davon, dass ich mich mit der Steuerung recht schwer tue und die Story stellenweise konfus erzählt wird finde ich LoS 2 richtig gut. Kein Jahrhundertspiel - aber eben gut. Mich stören auch die Schleicheinlagen nicht so sehr, weil sie eben Abwechslung ins ansonsten sehr Hack&Slay-lastige Gameplay bringen. Besonders gefallen mir aber die superdichte Atmosphäre in den Vergangenheitsabschnitten und das "Metroidvania"-artige Leveldesign, das Erinnerungen an Symphony of the Night oder auch Circle of the Moon aufkommen lässt. Kurz: LoS 2 ist ein würdiger Nachfolger, der ein paar Sachen nicht ganz so gut aber eben doch vieles richtig macht. Ich hatte eine gute Zeit mit dem Spiel und empfehle es guten Gewissens Genrefans und Liebhabern des ersten Teils.

    Wertung


    Pro

    • umfangreiche, offene Spielwelt
    • viele freischaltbare Fähigkeiten
    • enorm dichte Atmosphäre
    • toller Soundtrack
    • abwechslungsreiches Leveldesign

    Contra

    • Steuerung verlangt einiges an Einarbeitungszeit
    • teilweise konfuse, unlogische Story
    • etwas aufgesetzt wirkende Schleicheinlagen
    • nur englische (wenn auch gute) Sprachausgabe
    • Abschnitte in der Gegenwart wirken oft etwas trist

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Horror, Spiele
    von Denny Vitzthum 11.Mrz.2014 3.330 x gelesen

    Castlevania: Lords of Shadow 2
    Publisher Konami
    Hersteller Mercury Steam
    Genre Action-Adventure
    Altersfreigabeab 16 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PC/PS3/X36027.02.2014 Kaufen
     

    Artikel

    Demo zu Castlevania: Lords of Shadow 2

    vom 13.Feb.2014 0 Kommentare