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    Eure Reaktionszeiten würden Kampfpiloten gut zu Gesicht stehen? Ihr habt Spaß daran, euch an gemeinen Hindernissen so richtig schön die Zähne auszubeißen? Die Lost Levels von Super Mario Bros. waren eigentlich viel zu leicht? Dann hereinspaziert, Cloudberry Kingdom ist genau euer Spiel.

    Der Controller lebt gefährlich

    Hüpfheld Bob ist schon ein wenig in die Jahre gekommen, doch als mal wieder eine Prinzessin entführt wird, macht sich der bärtige Protagonist trotz Bäuchlein auf die Socken, um die holde Maid (mit hier aber durchaus losem Mundwerk) zu befreien.
    So weit die genretypische Hintergrundgeschichte zum Spiel, und auch das Grundkonzept zeigt sich sehr klassisch. Von links nach rechts sprintet und springt man durch zweidimensionale Areale, benötigt werden dazu lediglich der linke Analogstick (alternativ das Steuerkreuz) und der A-Button, welcher je nach Dauer des Drückens unterschiedlich weite und hohe Hüpfer liefert.
    Was die Entwickler aus dem simplen Gerüst fabriziert haben, stellt jedoch selbst Jump&Run-Veteranen, und letztendlich vor allem genau diese, mehr als zufrieden. Während der Abenteuermodus noch recht geruhsam beginnt, wirft einem das Spiel dort schon bald tonnenweise knifflige Hindernisse in den Weg. Schmale, abstürzende oder mit ausfahrbaren Stacheln gespickte Plattformen, Trampoline, Laserstrahlen, tödliche Pendel, Kreissägen – in den kurzen, dafür knackigen Levels wird alles geboten, um Bob tausend Tode sterben zu lassen. Oder noch viel mehr…
    So weit, so bekannt? Durchaus, aber die Kombination der Herausforderungen lässt das Ganze nie langweilig werden. Zumal mit der Zeit allerlei Sonder-Zustände des Helden mit eigenen Bewegungsmustern und Sprungverhalten weitere Abwechslung ins Geschehen bringen. So wird die Hauptfigur z.B. zwischendurch an ein Rad geschnallt, schwerelos gemacht (unvorsichtige Helden zischen dann ruckzuck durch Lücken in die Lüfte), mit Flügeln für Doppelsprünge ausgestattet oder in den abwechselnd schrumpfenden und wachsenden „Phasen-Bob“ verwandelt – als kleiner, wendiger Hüpfer sind auch weite Sätze kein Problem, doch der Sekundenbruchteile später gesteuerte Riese lässt sich bloß zu kürzesten Sprüngen bewegen. Auch interessant wird es als „Meister der Zeit“ – dort läuft das Spiel nur weiter, während sich Bob selbst bewegt.

    Ein einfacher Abschnitt zum Aufwärmen

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    Ein einfacher Abschnitt zum Aufwärmen


    Levels ohne Ende

    Nach dem kniffligen Storymode ist die Hüpferei aber noch lange nicht vorbei. Fürs freie Spiel stellt Cloudberry Kingdom dem Nutzer einen gelungenen Levelgenerator zu Verfügung, der je nach Vorgaben immer neue Herausforderungen in mehreren wählbaren Schwierigkeitsgraden erschafft. Neben den gewünschten Schauplätzen, Level-Längen und vorkommenden Hindernis-Typen kann man unter anderem bestimmen, welche Bob-Varianten zum Einsatz kommen, wie schnell sich der Held bewegt, wie sein Sprungvermögen ausfällt und vieles mehr.
    Der Baukasten sorgt stets dafür, dass alle Levels wirklich lösbar bleiben – auch wenn das Bewältigen dem Nutzer teils übermenschliche Reflexe abverlangen mag. Die optimale Vorgehensweise lautet oft: Rennen was die Beine hergeben, am besten nicht anhalten und groß überlegen. So sehr man das Spiel manchmal verflucht, in solchen Momenten entwickelt es eine gewaltige Sogwirkung und das berüchtigte „Nur noch ein Versuch“-Syndrom tritt auf, Stolz auf elegant gemeisterte Passagen macht sich breit.
    Trotz der arg simplen Optik mit karger Kulisse und minimalistischer Animation besitzt Cloudberry Kingdom dann sogar eine gewisse rasante Ästhetik. Bevor man den Controller ins Korn wirft, kommt oft doch noch der erhoffte Durchbruch, notfalls durch die drei vorhandenen Hilfsmittel. Mit gesammelten Edelsteinen kauft man nämlich eine gezeichnete Ideallinie durchs Gebiet, lässt einen KI-gesteuerten Bob die richtigen Kniffe zeigen oder aktiviert die nützliche Zeitlupe.

    Highscore-Jagd

    Neben dem freien Spiel gibt es diverse Minigame-Modes mit ebenfalls zufallsgenerierten Abschnitten. So muss man etwa mit begrenzten Leben möglichst weit kommen oder extrem knappe Zeitlimits einhalten. Die besten Ergebnisse landen in den Online-Ranglisten.
    Überall wird auch eine Multiplayer-Unterstützung für bis zu vier Teilnehmer angeboten, allerdings nur lokal an einer Konsole. Wobei auf dem Bildschirm sowieso schon so viel los ist – da will man sich die Sicht vielleicht am besten nicht auch noch von Kumpels versperren lassen. So ist das gemeinsame Hüpfen zwar kurzzeitig ganz witzig, als Einzelspieler macht Cloudberry Kingdom auf Dauer aber mehr Spaß.
    Und unterhaltsam ist das Spiel auf jeden Fall, wie so oft bei zufallsgenerierten Umgebungen vermisse ich aber etwas die Detailverliebtheit handgemachter, durchdacht dekorierter Levels im Stil von Mario-Games oder Rayman Origins. Manchmal ist weniger (Umfang) halt doch mehr (Charme).

    Fazit

    Cloudberry Kingdom ist genau das Richtige für Fans kniffliger Jump&Runs. Wer schon Super Meat Boy und Konsorten mochte, macht mit dem Kauf nichts verkehrt. Durch den raffinierten Levelgenerator geht einem das Hüpf-Futter auch nach dem umfangreichen Storymode nicht aus, hier wird selbst absoluten Geschicklichkeits-Veteranen viel Timing und Geduld abverlangt. Dank der präzisen Steuerung ist aber nie das Spiel Schuld am Versagen – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg... Bedenken muss man allerdings, dass auch Hunderte Levels und wahnwitzige Hindernis-Ansammlungen kein vollwertiger Ersatz für die individuellen Schauplätze und fantasievollen Welten der echten Genregrößen sein können.

    Wertung


    Pro

    • extrem knifflige, doch nie unfaire Herausforderungen
    • vielseitiger Levelgenerator für langen Hüpfspaß
    • witzige Verwandlungen des Helden
    • tadellose, sehr genaue Steuerung

    Contra

    • zufallsgenerierte Levels können handgemachten nicht das Wasser reichen
    • veraltete Grafik
    • Multiplayer nur offline (und sehr unübersichtlich)

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 1.Aug.2013 2.252 x gelesen

    Cloudberry Kingdom
    Publisher Ubisoft
    Hersteller Pwnee Studios
    Genre Jump&Run
    Weitere Infos
    Termine
    PS330.07.2013
    PC31.07.2013
    Xbox 36031.07.2013
     

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