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    Im vom Film Noir inspirierten Paris der 1920er Jahre hat die neunjährige Didi eine ganz besondere Freundin – die Akrobatin Dawn ist nur für das kleine Mädchen sichtbar und besitzt die Fähigkeit, von der normalen, dreidimensionalen Umgebung in die zweidimensionale Welt von Licht und Schatten zu wechseln.
    Der Spieler steuert Dawn und lüftet, stets begleitet von der pfiffigen Didi, unter anderem ein paar Familiengeheimnisse. Didi hat zwar eigentlich liebe Eltern, wird aber aus verschiedenen Gründen oft ein wenig vernachlässigt. Mama Kat ist eine aufstrebende Kabarett-Sängerin, Papa Johnny ein charmanter Tunichtgut, der immer wieder mit vermeintlich tollen (mehr oder weniger dubiosen) Geschäftsideen scheitert und inzwischen erhebliche Schulden bei der örtlichen Unterwelt hat. Damit Daddy nicht demnächst Betonschuhe verpasst bekommt, muss sein neustes Projekt – eine Art Mischung aus Zirkus und Vergnügungspark – ein voller Erfolg werden. Was bei den reichlich maroden Attraktionen aber nicht ohne Didis und Dawns Eingreifen gelingen wird. Die Reparatur-Arbeiten sind ein Thema der gelungenen Geschichte, ansonsten gilt es z.B. auch noch, die angeschlagene Beziehung von Kat und Johnny zu retten.

    Parallelwelten

    In einer nächtlichen Szenerie zwischen Bars, Hotels, geheimnisvollen Türmen und mysteriösen Werkstatt-Räumen öffnen sich im Laufe der Handlung immer wieder neue Schauplätze, in welchen sich die drei Akte mit ihren jeweiligen kurzen Unterkapiteln abspielen.
    In den Straßen bewegt man Dawn ganz ähnlich wie andere Action-Adventure-Helden, kann per Xbox-Controller oder Maus/Tastatur laufen, springen und Objekte wie etwa Schalter manipulieren oder Barrieren durchbrechen. Richtig interessant wird es erst, wenn sich die Protagonistin in die Schattenwelt begibt. Überall, wo sich z.B. durch das Licht von Scheinwerfern hinter Umgebungselementen (Wäscheleinen, Sonnenschirmen, Statuen etc.) entsprechende Strukturen auf Wänden bilden, ist per Knopfdruck der Wechsel in diese ungewöhnliche Dimension möglich. So gelangt Dawn etwa auf den beweglichen Schatten von Karussell-Pferdchen an höher gelegene Orte, springt auf den Silhouetten zuvor in die richtige Position geschobener Strukturen herum, oder gleitet an der Wand entlang durch enge Türspalten. Häufig ist es nötig, mitten im Sprung von einer in die andere Dimension zu schalten. Später kann sie sogar Kisten mit in die Schatten-Ansicht transportieren, wodurch komplexere Rätselsituationen möglich werden.
    Ein paar Puzzles zeigen sich dann auch recht raffiniert, wobei deren Zahl ruhig größer hätte ausfallen dürfen. Überhaupt ist Contrast ein eher kurzes Spiel geworden – nach höchstens fünf Stunden ist der Schattenausflug bedauerlicherweise bereits beendet.

    Zum nächsten Ziel gibt es nur grobe Hinweise

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    Zum nächsten Ziel gibt es nur grobe Hinweise


    Scherenschnitt-Geschichten

    Besonders liebevoll wurde eine Puppenspiel-Sequenz umgesetzt, in der Schatten-Dawn die Rolle einer abenteuerlustigen Prinzessin übernimmt, während Johnnys Sprecher, unterbrochen von Zwischenrufen der fantasievollen Didi, die dazugehörige Geschichte erzählt. Mit dem richtigen Timing muss dort z.B. vor heranrollenden Felsbrocken geflüchtet und ein fieser Drache ausgetrickst werden. Leider machen sich hier, wie auch an anderen Stellen des Spiels, ein paar Steuerungsmacken bemerkbar – die Kollisionsabfrage ist nicht perfekt und auch sonst wirken die Bewegungen der Heldin etwas ungenau. Zum Glück kann Dawn nicht sterben, sondern wird nach Fehlversuchen wieder direkt am Ort des Geschehens abgesetzt.
    Größere Passagen müssen lediglich erneut abgeklappert werden, falls man zuvor an ungünstigen Stellen das Spiel verlassen hat. Contrast verfügt nämlich nicht über ein freies Speichersystem, sondern sichert nur an wichtigen Punkten den Fortschritt. Das sorgte während meiner Testphase auch mal für eine unnötige Wiederholung, nachdem sich Dawn unrettbar in einem Levelobjekt verkeilt hatte und so ein Neustart vom letzten Speicherpunkt nötig wurde. Das Spiel ist also noch nicht gänzlich frei von Bugs.

    Individuelle Präsentation mit kleinen Patzern

    Die Präsentation von Contrast besitzt einen ganz besonderen Charme, der sich natürlich nicht zuletzt durch das stimmungsvolle Spiel mit Licht und Schatten ergibt. So sieht man etwa die Nebencharaktere stets nur als Schattenversionen im Hintergrund, lediglich Dawn und Didi werden „normal“ dargestellt. Dazu kommen die dezent surrealistischen Charaktermodelle sowie einige schicke Effekte wie das Glänzen nasser Pflastersteine.
    Herumliegende Dokumente wie Zeitungsausschnitte, Briefe und alte Fotos liefern Hintergrundinformationen zur Situation von Didis Familie und auch wer z.B. die Umgebungen selbst genauer betrachtet, kann noch einiges an Details entdecken.
    Allerdings wirken die Schauplätze dann doch arg statisch und leer, schon weil sich dort außer dem Abenteurerduo und den Schatten keine anderen Figuren tummeln. Außerdem erscheinen die Animationen teils ziemlich abgehackt.
    Nichts zu meckern gibt es dafür an der professionellen englischen Sprachausgabe, bei der unter anderem die schlagfertige Didi und Johnnys angenehme Stimme zu gefallen wissen (bloß Dawn bleibt stumm). Der Jazz-Soundtrack, der sich übrigens auch im MP3-Format auf der Disc befindet, unterstreicht ebenfalls sehr schön die altmodische Atmosphäre der Geschichte, hier stechen vor allem Kats Gesangseinlagen positiv hervor.

    Fazit

    Die besondere Atmosphäre von Contrast, der ungewöhnliche Schauplatz, das Spiel mit Licht und Schatten und auch die liebenswerte kleine Didi haben mir sehr gut gefallen und hätten eine etwas höhere Wertung verdient. Allerdings trüben ein paar Schwächen in Handhabung und, abseits des gelungenen Stils, auch Grafik den Gesamteindruck, noch dazu bleibt ein Teil des großen Potenzials (schon wegen der geringen Spieldauer) leider ungenutzt. So ist das Abenteuer in der träumerischen Welt des Varietés für Fans künstlerisch wertvoller Games auf jeden Fall eine lohnende Investition, hätte aber noch Luft nach oben.

    Wertung


    Pro

    • interessante Atmosphäre und Story
    • ungewöhnliches Szenario
    • einige pfiffige Puzzles
    • sehr gute englische Sprachausgabe
    • hübscher Grafikstil...

    Contra

    • ...aber mit technischen Mängeln
    • zu kurz
    • kleine Steuerungsmängel
    • gelegentliche Bugs

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 9.Dez.2013 3.261 x gelesen

    Contrast
    Publisher Koch Media
    Hersteller Compulsion
    Genre Action-Adventure
    Altersfreigabeab 12 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PC 15.11.2013 Kaufen