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    In der Welt des Jump&Runs Der Puppenspieler ist es kein Wunder, wenn Kinder Angst im Dunkeln haben – jede Nacht raubt der böse Mond-Bärenkönig die Seelen der schlafenden Kleinen, verwandelt diese in Holzpuppen und beißt ihnen den Kopf ab! So ist es auch unserem jungen Helden Kutaro passiert, aber mithilfe einiger Unterstützer und seiner Fähigkeit, vorübergehend fremde Oberstübchen auszuleihen, hat er noch eine Chance, dem fiesen Petz einen Strich durch die Rechnung zu machen.

    Vorhang auf!

    Der Puppenspieler besitzt auf den ersten Blick eine recht kindliche Geschichte, welche aber zwischendurch auch mal ein paar bissige Sprüche oder andere Gemeinheiten zu bieten hat. Etwa wenn Kutaros Begleiterin angesichts einer kitschigen Gesangseinlage kleiner Waldbewohner komplett ausrastet und putzige Häschen durch die Gegend kickt…
    Das Highlight ist sowieso die ungewöhnliche Inszenierung im Marionetten-Theater-Look. Die sieben Akte mit je drei Szenen (also Levels) führen von Hexenküchen, durch Sumpfgebiete und Wälder über Piratenschiffe und Wüsten bis zum großen Finale.
    Der besondere Stil fängt schon bei den Kulissen an. An Papierfetzen oder Stoffstücke erinnernde Elemente bilden Pflanzen, Wellen und Flammen, „gemalte“ Hintergründe geben den Szenen einen passenden Rahmen, Scheinwerfer beleuchten die Darsteller, in turbulenten Momenten wackelt die ganze Umgebung. Interessante Anblicke ergeben sich auch, wenn Teile des Bühnenbilds umzuklappen scheinen, um den Wechsel zwischen Schauplätzen zu verdeutlichen. Ähnlich wie etwa in Little Big Planet, zu dem es sowieso einige optische Parallelen gibt, wirken die Texturen der verschiedenen Materialien sehr authentisch. Besitzer von 3D-Fernsehern können übrigens durch den dazugehörigen Modus noch mehr Räumlichkeit bewundern.
    Auch die Animationen bleiben dem Grundthema treu, etwa bei den im Gespräch auf und zu klappenden Mündern der Holzschädel oder dem verwirrten Herumstolpern des armen kopflosen Kutaro.
    Um die Puppenspiel-Atmosphäre zu komplettieren, begleitet ein toller Erzähler das Geschehen und unsichtbare Zuschauer steuern eine entsprechende Geräuschkulisse bei. Da geht z.B. manchmal ein erschrockenes Raunen durchs Publikum, Heldentaten werden beklatscht oder fröhliches Gelächter ist zu hören.
    Der Held selbst ist stumm, seine Freunde und Feinde plappern dafür umso mehr. Besonders gelungen ist mal wieder die Märchenonkel-Stimme des Erzählers, aber auch die anderen Figuren bekamen überzeugende deutsche Sprecher verpasst. Die Betonungen sind zwar manchmal recht überdreht, aber das ist Absicht und Teil des speziellen Settings.

    Zig witzige Köpfe warten

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    Zig witzige Köpfe warten


    Rübe ab

    Im Zentrum des Gameplays steht die Verwendung der unterschiedlichsten Köpfe, von Gemüse, über Fische und Spinnen bis hin zu exotischen Exemplaren wie einem kleinen Segelschiff oder einer Angelrute. Bis zu drei Köpfe kann Kutaro gleichzeitig mitnehmen und per Steuerkreuz wechseln.Wird der Held verletzt, kullert der aktuelle Schädel davon und kann noch ein paar Sekunden gerettet, also wieder eingefangen werden. Sollten alle Köpfe verloren sein, ist ein Versuch futsch, durch das Einsammeln von hundert leuchtenden Funken in den Levels erhält man aber jeweils ein Extraleben.
    Hat man an markierten Stellen die dort benötigte Kopf-Art parat, öffnen sich – begleitet von witzigen Animationen – kurze Bonus-Level mit zahlreichen weiteren Funken.
    Ein paar Ersatzleben sind keine schlechte Idee, denn manche Stellen sind nicht ganz einfach zu bewältigen, was teils an der nicht hundertprozentig präzisen Kollisionsabfrage sowie der eher trägen Sprungsteuerung liegt. Mit etwas Übung bekommt man den Hauptdarsteller zwar gut genug unter Kontrolle, ein Mario oder Rayman hat in diesem Bereich aber doch irgendwie die Nase vorn.
    Etwas schade finde ich auch, dass sich all die vielen Köpfe bloß äußerlich unterscheiden und eigentlich nur zum Öffnen der Bonus-Abschnitte benötigt werden. Mit eigenen Bewegungen oder anderen Spezialfähigkeiten hätte man das vorhandene Potenzial besser ausgenutzt.

    Schnipp-schnapp

    Kutaros wichtigstes Utensil ist die magische Schere Calibrus. Zum einen ist diese einsetzbar als Waffe im Nahkampf gegen die so genannten Igler, in scheußlichen Körpern gefangene Kinderseelen, die man so befreit. Sonderlich abwechslungsreich sind diese Gefechte aber nicht.
    Viel besser sieht es bei den anderen Verwendungsmöglichkeiten von Calibrus aus. Mit der großen Schere kann man sich nämlich auch halsbrecherisch durch die Lüfte bewegen, indem Kutaro z.B. rasant an speziellen Schnüren entlang schnippelt oder das Material von Pflanzen, Wolken und sonstigen Umgebungselementen zerteilt.
    Gerade in den Kämpfen gegen bildschirmfüllende Zwischenbosse ist das scharfe Werkzeug sehr nützlich, vor allem in Kombination mit weiteren Fähigkeiten, die Kutaro im Laufe des Spiels erlernt. Mit einem Schutzschild wirft er Energiegeschosse auf den Angreifer zurück, Bomben zerstören Hindernisse, per Greifhaken lassen sich Widersacher in die Reichweite der Schere ziehen usw. Die spannenden Auseinandersetzungen sind schick inszeniert und erfordern gutes Timing, zum Abschluss wird oft auch noch in kleinen Quick Time Events das Reaktionsvermögen getestet.
    Ein fliegendes Katzenwesen und später eine freche Prinzessin begleiten den Helden als schwebende Helfer und schütteln auf Knopfdruck z.B. Items aus beweglichem Levelinventar. Man steuert den Kumpel mit dem rechtem Stick oder spannt alternativ einen menschlichen Mitspieler ein, der auch zum Playstation Move-Controller greifen darf. Spieler 2 übernimmt hier also lediglich Hilfstätigkeiten, kann nicht selbst als hüpfende Marionette die Bühne unsicher machen.

    Fazit

    Der Puppenspieler ist kein Jump&Run von der Stange. Die ungewöhnliche Marionetten-Theater-Präsentation zeigt sich extrem kreativ und mit einer Riesenportion Charme ausgestattet. Das Gameplay wirkt da nicht ganz so überragend, ist aber durch Dinge wie den rasanten Einsatz der magischen Schere trotzdem sehr unterhaltsam. Von ein paar Steuerungsmacken abgesehen ist das Spiel ein großer Spaß für die ganze Familie.

    Wertung


    Pro

    • abwechslungsreiche, innovative und sehr kreative Präsentation
    • interessante Scheren-Manöver
    • spektakuläre Bosskämpfe
    • großer Umfang für relativ wenig Geld

    Contra

    • Steuerung nicht hundertprozentig genau
    • Potenzial der wechselnden Köpfe nicht ganz ausgeschöpft
    • kein vollwertiger Zwei-Spieler-Modus

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 5.Okt.2013 3.005 x gelesen

    Der Puppenspieler
    Publisher Sony
    Hersteller Sony
    Genre Action-Adventure Jump&Run
    Altersfreigabeab 6 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PS311.09.2013 Kaufen