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    Evoland führte uns auf eine interaktive Reise durch zentrale Momente der Videogames-Geschichte. Das Indiegame war zwar nicht perfekt, glänzte aber durch liebevoll designte Anspielungen und unterhaltsame Gameplay-Elemente, die Erinnerungen an die guten alten Zeiten weckten. Teil zwei verspricht nun noch viel mehr davon und das fängt schon bei der Spieldauer an. Denn, so viel sei gleich verraten, Evoland 2 ist bedeutend umfangreicher als der Erstling.

    evoland2logo

    (c) Shiro Games
    Erscheinungstermin: 25.08.2015
    verfügbar u.a. auf Steam

    Ein bisschen wie Chrono Trigger

    Während die (teils absichtlich) klisscheebehaftete Story im vorherigen Spiel eher zu vernachlässigen war und nur ein grobes Grundgerüst lieferte, haben sich die Entwickler diesmal eine überraschend komplexe Hintergrundgeschichte ausgedacht, welche sich um mehrere Zeitebenen dreht. Im Mittelpunkt steht nicht zuletzt der kriegerische Konflikt zwischen Menschen und Dämonen in Kombination mit uralten Artefakten und die damit verbundene Frage, ob man es riskieren darf, die Vergangenheit (und damit auch alle folgenden Zeiten) zum vermeintlich Besseren zu verändern, wenn man die Gelegenheit dazu hat. Der Held des Spiels, welcher standardmäßig Kuro genannt wird, wie seine drei späteren Begleiter aber auch vom Spieler selbst mit einem individuellen Namen ausgestattet werden darf, gerät ohne Vorwissen in die vertrackte Situation und muss den Wechsel zwischen den Epochen beherrschen lernen. Während die Story zuerst noch recht linear verläuft und nur an festgelegten Stellen automatisch zwischen den Zeiten wechselt, wird das Spieldesign später offener, erlaubt die Wahl des nächsten Einsatzorts und erfordert auch ein gewisses Mitdenken, um durchs Verändern früherer Epochen z.B. in der Zukunft Hindernisse zu beseitigen. Zum Beispiel sollte man Berichten über den legendären Piratenkapitän Roberts lauschen und darauf kommen, dass es sinnvoll wäre, in dessen Zeit zu reisen und dort etwas zu erledigen, um in der Gegenwart andere Seeräuber zu beeindrucken.
    Die drei hauptsächlichen Zeiten sind die NES-artige Vergangenheit, die an Super Nintendo-Klassiker erinnernde Gegenwart und die dreidimensionale Zukunft, wobei durch Abstecher in die GameBoy-ähnliche Antike und andere Sonderfälle noch mehr Abwechslung ins Geschehen kommt.

    Wer da wohl gemeint ist...

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    Wer da wohl gemeint ist...


    Eine wahre Wundertüte

    Abwechslung wird auch bei den Gameplay-Stilen groß geschrieben. Während sich Evoland 1 noch weitgehend auf verschiedene Spielarten des RPG- oder Action-Adventure-Genres beschränkte, werden diese im neuen Spiel durch Unmengen anderer Aufgaben ergänzt. Das Aufzählen aller enthaltenen Varianten würde den Rahmen sprengen, aber unter anderem gibt es Ausflüge in klassische Jump&Runs, Beat’em Ups (Street Fighter- sowie Double Dragon-Art), Vertikalshooter, Puzzlegames, Professor Layton-mäßige Knobeleien, Taktik-Rollenspiele und Rhythmusgames. Es ist immer wieder spaßig, zu entdecken was die Macher als nächste Überraschung in der Spielwelt platzieren. Noch dazu sind die meisten Aktivitäten auch recht sinnvoll in die Handlung integriert. Natürlich wird es bei vielen Spielern geschmacksbedingt einzelne Minigames geben, die weniger gut ankommen, im Großen und Ganzen ist die kunterbunte Mischung aber wirklich gut gelungen.
    Wenn Kuro gerade nicht bunte Steinchen sortiert oder Piraten verprügelt, erlebt er sein Abenteuer in einem Stil, der am ehesten mit A Link to the Past und anderen Klassiker des 16Bit-Zeitalters zu vergleichen ist. Bewaffnet mit Schwert und stellenweise auch mal Bomben kämpft er sich durch verschiedene Dungeons, besiegt fordernde Bossgegner, lässt von seinen Begleitern Hindernisse wie störende Büsche entfernen und löst zahlreiche, teils ziemlich pfiffige, Puzzles. So muss man z.B. in einer Mine die Schienenstränge eines Loren-Systems passend anordnen oder wird in einer fremden Dimension mit den Schwierigkeiten und Möglichkeiten verwirrender Perspektivenwechsel konfrontiert.

    Kein Appetithappen mehr, sondern ein „richtiges“ Spiel

    Wie schon oben erwähnt, hat Evoland 2 deutlich an Umfang zugelegt. Die meisten Spieler werden wahrscheinlich mindestens zwanzig Stunden fürs Beenden der Story benötigen, dazu kommen wieder viele versteckte Sterne und andere verborgene Schätze wie zu erspielende Sammelkarten oder Erz-Stücke für besonders nützliche Ausrüstungsteile. Inventar und Charakterentwicklung sind zwar nicht allzu aufwendig, man kann aber immerhin ein paar verschiedene Schwerter oder Rüstungen ergattern und levelt durch gesammelte Erfahrung auf (wodurch sich unter anderem automatisch die maximale Lebenspunktzahl ändert).
    Durch drei jederzeit wechselbare Schwierigkeitsgrade kann man den Grad der Herausforderung anpassen, manche Abschnitte sind aber auch auf der leichtesten Stufe kein Spaziergang, falls man nicht schon seit der Blütezeit der zitierten Spiele mit dem Controller hantiert. Apropos Controller – mit dem Gamepad spielt sich Evoland 2 meiner Meinung nach am komfortabelsten, denn vor allem in Szenen wie der Street Fighter-Kopie oder manchen Bosskämpfen ist die Tastatursteuerung schon eher was für echte Profis dieser Kontrollmethode.

    Kleine Patzer

    Optisch haben es mir vor allem die Abschnitte im SNES-Stil angetan, die sich nicht vor den Highlights dieser Zeit verstecken müssen und eine passende Musikuntermalung von bedrohlichen Kampfmelodien bis zu fröhlichem Gedudel mitbringen. Auch in den „altmodischeren“ Landschaften hat Evoland 2 viel Charme, überall unterstrichen durch die vielen eingestreuten Anspielungen. Die dreidimensionalen Gegenden können da in meinen Augen nur bedingt mithalten, zumal dort oft die Framerate übertrieben einbricht. Mein PC ist zwar nicht mehr der neuste, aber das Gebotene müsste eigentlich noch schön flüssig über den Bildschirm flimmern. Anscheinend treten solche Probleme bei relativ vielen Spielern auf, genau wie auch einige Fehlermeldungen beim Betreten neuer Gebiete oder das Hängenbleiben in einer Wand. Schon in den letzten Tagen gab es aber immer wieder kleine Updates, so dass die meisten Ärgernisse hoffentlich bald der Vergangenheit angehören sollten.

    Fazit

    Wie schon sein Vorgänger ist Evoland 2 ein sympathisches Spiel mit viel Retro-Charme, diesmal aber erfreulicherweise mit viel komplexerer Geschichte, deutlich mehr Umfang und vor allem zahlreichen zusätzlichen Genres im Mix. Auch wenn nicht alle Elemente gleich ausgereift wirken und es auch noch ein paar technische Problemchen gibt, hatte ich sehr viel Spaß mit dem extrem abwechlungsreichen Spiel. Eine klare Empfehlung für Fans klassischer Spieleperlen.

    Wertung


    Pro

    • sehr viel Abwechslung
    • viele humorvolle Anspielungen
    • sympathische Präsentation
    • überzeugender Umfang
    • teils clevere Zeitreise-Mechanik und andere Rätsel

    Contra

    • ein paar technische Probleme
    • nicht alle Elemente sind optimal umgesetzt

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 1.Sep.2015 2.741 x gelesen