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    Gute 17 Jahre nach seiner Veröffentlichung, einer Erweiterung und einem Nachfolger ist Homeworld nur auf dem Papier in die Jahre gekommen. Mit seiner Sci-Fi-Geschichte rund um die Flüchtlinge des Planeten Kharak und der damals neuartigen Bewegung auf allen Achsen hat es sich einen Eintrag in den Annalen gesichert. Ein absoluter Klassiker der als Remastered Collection auch in neuem, aufpolierten Gewand gespielt werden kann. Mit Deserts of Kharak gehen wir nun vor die Zeit des großen Exodus und wechseln vom Weltraumszenarion in die Wüste, wo wir mit der Kapisi, einem Wüsten-Trägerschiff, auf Expedition gehen.

    Ein Planet im Sterben
    Der Planet Kharak liegt im Sterben, immer mehr Wüste bedeckt die Oberfläche. In ihrer Verzweiflung schickt die nördliche Koalition eine Expedition tief in die unerforschte, feindliche Wüste des Südens um die “primäre Anomalie” zu finden. Der Schlüssel zur Rettung, so die Hoffnung. Sie werden dort ihr Antriebsmittel finden, mit dem sie in Homeworld aufbrechen, um ihre Heimat Hiigara zu finden.
    Auf dem Weg dorthin müssen sie mit den Gaalisien fertig werden, den Feinden der Koalition. Um die weite Entfernung zurückzulegen, setzen die Kharakianer auf riesige, mobile Kettenfahrzeuge, die wie Flugzeugträger ausgerüstet sind – die Vorläufer der Mutterschiffe aus Homeworld.

    Wüstenschiffe?!
    Statt durch den Weltraum mit einem Raumschiff zu fliegen, fahren wir nun mit einem Kettenfahrzeug durch die Wüste. Vieles ist gleich, einiges ist anders. So fällt auf jeden Fall die Z-Achse als mögliche Bewegungsrichtung weg. Dafür behalten wir Steuerung, ähnliches Interface, die typische, taktische Ansicht und diese Gefühle der Verzweiflung und der aufkeimenden Hoffnung, die mit jeder Mission gepflegt werden. 13 Missionen, die zwar sehr schnell durchgespielt sind (etwa 15 Stunden) aber Lust auf mehr machen. Da kommen nostalgische Gefühle hoch.
    Allein die Abfahrt der Kapisi, dem Mutter-wüstenschiff, mit dem Funk-Kommunikationsverkehr und dem Ausrollen aus der riesigen Wüstenbasis ziehen den Spieler in die Geschichte hinein. Die englische Vertonung ist dabei hervorragend, leider gibt es keine deutsche Synchronisierung aber immerhin Untertitel. Die Zwischensequenzen und der nahtlose Übergang in die Missionen liefern Fans von Military SF fast schon eine filmreife Inszenierung. Das weckt Erinnerungen an Zeiten, in denen man die Missionen nur wegen der Filmsequenzen um so motivierter durchgespielt hat.
    Am Spielprinzip hat sich wenig geändert, auch wenn wir durch die Wüste fahren. Mit Erntemaschinen (Dune lässt grüßen) müssen wir Rohstoffquellen abbauen, die uns Konstruktions- und Rohstoffeinheiten liefern und auf unserem mobilen HQ in neue Einheiten oder die Forschung investiert werden. Wie die einzelnen Einheiten, kann auch das Hauptschiff aufgewertet werden. Ein interessantes Energieverteilungssystem lässt uns die Energiereserven auf Reparatur-, Waffen-, Panzerungs- und Sensoriksysteme verteilen. Außerdem liefern gefundene Artefakte Boni einzelner Systeme die immer wieder der Situation entsprechend aktiviert bzw. deaktiviert werden können. So kann der Träger auch mitten im Gefecht eingesetzt werden. Und natürlich können wir auch Kampfflieger und Bomber in den Hangars unterbringen, die uns Luftunterstützung liefern.
    Die Ressourcen sind knapp und so muss man schnell vorrücken, damit die KI nicht alle Quellen bereits abgebaut hat. Das sorgt automatisch für einen Spielstil, dem die KI bereits auf normaler Schwierigkeit nicht viel entgegensetzt. Das kann man dann auch auf den wenigen Karten im Scharmützel genannten Spiel gegen die KI begutachten. Viel zu leicht konnten wir die KI zu Boden zwingen, in dem wir die Erntemaschinen aus der Luft zerstört haben.
    Fordernde Gefechte muss man sich im Mehrspielermodus suchen, wo entweder das feindliche Trägerschiff oder alle gegnerischen Einheiten vernichtet werden müssen. Etwas Abwechslung gibt es durch die Siegbedingung “sammle Artefakte”, in der man eine definierbare Anzahl von Artefakten aus verteilten Schiffswracks bergen muss. Nicht gerade prickelnd aber für den Anfang ausreichend. Bis auf eine oder zwei Ausnahmen in der Kampagne, hat man nicht viel zu tun. Wenn es dann aber haarig wird, fehlen noch bessere Instrumente um Angriffe zu koordinieren. Das merkt man vor allem beim Einsatz von Luftstreitkräften. Die sind oft etwas fummelig und manchmal würde man sich wünschen, sie würden den Weg zurück nehmen, den sie für den Angriff genommen haben. Verluste durch Luftabwehr wären damit vermeidbar.

    Die Expedition startet. Die Kapisi verlässt die Basis.

    Super Grundlage, geringer Umfang
    Unter dieser Überschrift könnte man fast das ganze Spiel sehen. Das Grundgerüst ist super aber von allem ist etwas wenig drin. Die Kampagne ist hervorragend inszeniert, aber irgendwie zu kurz geraten. Das liegt auch am zu geringen Schwierigkeitsgrad. Die Oberfläche und die Steuerung sind solide und intuitiv bedienbar aber es fehlen Formationen oder das einfach alle Einheiten mit gleicher Geschwindigkeit vorrücken. Es gibt abwechslungsreiche Karten aber zu wenige davon. Die Siegbedingungen sind ebenfalls etwas mau.
    Pluspunkte sammelt DoK wieder bei der Präsentation. Das Spiel macht mit der Unity Engine eine verdammt gute Figur und ist dabei auch noch sehr performant. Spuren im Sand, Rauch, Explosionen, übriggebliebene Wracks, Leuchtspurmuniton, all das wirkt sehr realistisch und zieht den Hobbystrategen in seinen Bann. Homeworld-Gefühle kommen zudem durch die gelungene Musikuntermalung auf.

    Fazit

    Echtzeitstrategiespiele ohne Basenbau und mit einem mobilen Hauptquartier sind in der Vergangenheit auch schon mal schiefgegangen. Doch bei bei Deserts of Kharak ist das anders. Eine spannende Geschichte, packend inszeniert und mit ansprechender Präsentation, das ist etwas, worauf vorallem Einzelspieler lange warten mussten. Kleine Kritikpunkte gibt es nur beim Umfang. Der hätte in vielen Belangen mehr hergeben können. Die Steuerung ist manchmal etwas fummelig und oft wünscht man sich drehbare Formationen, gleichschnell vorrückende Verbände oder dass man die Jäger und Bomber besser steuern könnte. Aber all das ist nur Jammern auf hohem Niveau. DoK hat die Homeworld-Stimmung eingefangen und nachvollziehbar in die Vorzeit des großen Exodus transportiert. Mission erfolgreich. Ich freue mich auf ein Addon.

    Wertung


    Pro

    • packende Geschichte
    • abwechslungsreiche Missionen
    • sehr schöne Präsentation
    • Homeworld-Atmosphäre eingefangen

    Contra

    • schnell durchgespielt (ca. 15 Stunden)
    • Der Steuerung fehlen einige wichtige Befehle
    • Scharmützel wenig fordernd, KI schwach
    • keine deutsche Synchronisierung
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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Christian Häusler 1.Feb.2016 969 x gelesen