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    Kingdom Come: Deliverance ist angetreten, das düstere Mittelalter in schönstem Realismus als Open-World-Rollenspiel zu präsentieren. Leider machte das Werk auch schon durch diverse Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam, insbesondere der unfertige Zustand zu Release sorgte für Unmut. Auf meiner PS4 Pro habe ich, nach dem massiven Day-One-Patch und dem kurz darauf folgenden weiteren Update, den Kampf gegen böse Banditen, Barbaren und allerlei verbliebene Bugs gewagt.

    (c) Deep Silver
    seit 13.02.2018 im Handel
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    Böhmen im Jahr 1403
    Heinrich ist als Sohn eines Schmieds im Dorf Skalitz aufgewachsen. Er geht seinen Eltern zur Hand und verbringt seine Freizeit mit Freunden in der Schenke oder beim heimlichen Schwert-Training. Der Jüngling träumt davon, die Welt außerhalb seiner begrenzten Heimat zu erkunden – eine Vorstellung, die schneller, allerdings auch weit tragischer, Wirklichkeit wird als erhofft. Feindliche Truppen fallen unvermittelt in Skalitz ein und Heinrich gelingt zu Pferd nur ganz knapp die Flucht. Er schwört Rache für den Tod seiner Lieben, und die örtlichen Adligen erkennen das Potenzial des selbstbewussten Nachwuchskämpfers. Der Beginn einer gefahrvollen Reise…

    Schon kurz nach den ersten Schritten öffnet sich dem Abenteurer in der Egoperspektive ein großer Teil der gigantischen Spielwelt. Grenzen sind der Erkundung meist lediglich durch noch zu übermächtige Feinde oder das vor allem zu Beginn mangelnde Budget gesetzt.
    Denn als waschechte Mittelalter-Simulation verlangt Kingdom Come unter anderem die regelmäßige Verpflegung des Protagonisten mit frischer Nahrung sowie genug Ruhepausen. Bei Hunger oder Müdigkeit lassen Heinrichs Kräfte nach, schlimmstenfalls droht ihm sogar das vorzeitige Ableben.
    Verschiedene Faktoren müssen beachtet werden, z.B. verschimmeln selbst die leckersten Brötchen nach ein paar Spieltagen und der Held verdirbt sich beim Verzehr den Magen – es sei denn, er hat eine entsprechende Spezialisierung erworben und verträgt einfach alles.
    Zum Glück befinden sich an vielen Stellen „öffentliche“ Kessel voll Eintopf, an denen man sich kostenlos bedienen darf. Auch die Übernachtung in Herbergen ist erfreulich günstig, außerdem bekommt man an einigen Orten umsonst ein Bett zur Verfügung gestellt.
    Ebenfalls gelegentlich zu empfehlen ist ein Besuch im Badehaus oder wenigstens eine Katzenwäsche an herumstehenden Zubern – abgerissene Schmutzfinken haben nämlich in Sachen Charisma schlechte Karten.

    Fußmärsche und Pferdchen
    Auch die begrenzte Ausdauer bremst den Entdecker etwas aus. Beim Rennen kommt er irgendwann aus der Puste und muss kurz verschnaufen, damit sich der Balken regeneriert. Ähnlich geht es dem glücklicherweise bald erhaltenen Pferd, wobei so ein Tierchen von Natur aus selbstverständlich mit größerem Lungenvolumen gesegnet ist. Später zum Kauf stehende oder möglicherweise auch geklaute Hottehühs weisen noch dazu oft bessere Ausdauerwerte auf, haben höhere Tragekapazität oder mehr Mut. Letzterer entscheidet z.B. darüber, wie geneigt die Tiere sind, Heinrich in Gefahrensituationen abzuschmeißen. Ein paar Ausrüstungsteile wie Hufeisen peppen die Pferde weiter auf. Gerufen werden sie ganz praktisch über einen kurzen Pfiff. Das funktioniert bei größerer Entfernung zuverlässig, lediglich falls sich das Pferd in der Nähe befindet, bleibt es gern mal irgendwo hängen.

    Zu bestimmten markierten Punkten auf der Landkarte kann man sich, nach deren Entdeckung, per Schnellreise bewegen. Das dürfte allerdings gern etwas flotter gehen (Heinrichs Symbol hoppelt ziemlich lahmarschig über die Karte) und während der Tour muss ebenfalls auf Sattheit und Energie geachtet werden.
    Nicht wirklich komfortabel ist auch das Speichersystem, das nur eher selten automatische Savegames anlegt. Ansonsten wird bei manchen Betten der Fortschritt gesichert oder man muss eine der, vor allem anfangs, wertvollen Schnapsflaschen opfern.

    Eine der vielen Macken, wenigstens nicht Gameplay-zerstörend

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    Eine der vielen Macken, wenigstens nicht Gameplay-zerstörend

    Gute Ideen, verbesserungswürdige Umsetzung
    Als Nachwuchsritter hat man natürlich auch jede Menge Kämpfe auf dem Programm stehen. Die Ausgangswaffe ist dabei standesgemäß das Schwert (gegebenenfalls plus Schild), zur Auswahl stehen aber auch Äxte und Streitkolben. Und wer lieber auf sichere Distanz setzt, packt den Flitzebogen aus, der noch dazu bei Jagdausflügen zum Einsatz kommt.
    Aber zurück zum Nahkampf: Mit den Schultertasten teilt Heinrich Hiebe und Stiche aus, täuscht an oder versucht Angriffe zu blocken. Wichtig ist dabei, neben dem richtigen Timing, auch die Richtung der Attacken, zu erkennen an der entsprechenden Markierung des Cursors und wählbar per Analogstick rechts. Verschiedene Combos sind möglich, weitere lassen sich bei wachsender Erfahrung freischalten.

    Jedoch sind all die feinen Kniffe leider oft nicht so umsetzbar wie beim Schwertmeister demonstriert und gelernt. Der Erfolg im Gefecht wirkt manchmal eher wie Glückssache – während der Gegner bei einem Versuch einfach alles abblockt und Heinrich nach allen Regeln der Kunst vermöbelt ohne dass der auch nur einen einzigen Schlag platzieren kann, gibt er sich beim nächsten Anlauf völlig die Blöße und ist nach ein paar Treffern auf die ungeschützte Rübe Geschichte.
    Optimalerweise hätte ich mir auch mehrere Schwierigkeitsgrade zur Auswahl gewünscht.

    Man wächst mit seinen Aufgaben
    Bei sämtlichen Werten und wichtigen Fähigkeiten lautet die Devise „learning by doing“. Zwar gibt es auch Trainer, die gegen bare Münze Skills verbessern, generell läuft das Ganze aber durch eigene Tätigkeit – wer ständig kämpft, wird stark, herumrennen und über Zäune klettern erhöht nach und nach die Agilität, Laberbacken sammeln Punkte in der Redekunst, und jeder ausgerupfte Löwenzahn macht Heinrich zu einem besseren, effektiveren Kräutersammler…
    An sich ein schönes und motivierendes System und eine Möglichkeit, die Hauptfigur an die eigene bevorzugte Spielweise anzupassen. Das kann aber stellenweise auch ein wenig nach hinten losgehen, weil plötzlich Fähigkeiten klare Vorteile bringen, die man zuvor vielleicht kein bisschen geübt hatte. So kann sich mein Heinrich etwa aus vielen Gefahren einfach herausreden, mit der Heimlichkeit oder dem Bogenschießen hat er es hingegen nicht so wirklich.

    Gar nicht ritterlich zeigt man sich bei optionalen Aktivitäten wie Taschendiebstahl und Schlösserknacken. Während ersteres bezogen auf die Steuerung noch relativ einfach zu bewerkstelligen ist, kostet das zweite Minigame ordentlich Nerven und Dietriche. Das Hantieren mit den beiden Analogsticks ist arg fummelig. Noch dazu erregt das Geräusch zerbrechender Einbruchswerkzeuge gern mal die Aufmerksamkeit der Einheimischen und großes Geschrei setzt ein – herbeieilende Wächter kassieren eine Strafgebühr oder buchten den glücklosen Langfinger für eine Weile ein, wodurch manche Werte vorübergehend sinken. Durch gute Taten sammelt man dagegen in den Ortschaften Sympathiepunkte und wird dann etwa freudig begrüßt.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 5.Mrz.2018 1.691 x gelesen