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    Hach, ich hätte so Lust, mal wieder ein Grab zu plündern. Dabei sagt sich das so einfach: auf dem örtlichen Friedhof sollte man sich des Nachts nicht vom Friedhofswärter oder rabiaten Gothic-Fans erwischen lassen und selbst in Ägypten macht man sich beim Rumbuddeln in den Pyramiden bei den örtlichen Behörden eher unbeliebt. Da kommt ein neues Lara Croft-Spiel wie gerufen. Also den Hut und die Peitsche an den Nagel gehängt und die Maus gegrapscht. Lara Croft and the Temple of Osiris (kurz ToO) ist zwar „nur“ der Nachfolger von „Guardian of Light“ und damit kein echtes Tomb Raider, was aber dem Spielspaß keinen Abbruch tut. Im Gegenteil.

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    (c) Square Enix
    seit 09.12.14 erhältlich
    auf PC, PS4, Xbox One
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    Die Götter sind mit uns
    Die Handlung des Spiels ist mal wieder ganz typisch für ein Lara-Abenteuer: auf einem ihrer Streifzüge hat sie in Ägypten den geheimen Eingang zum lange verschollenen Tempel des Osiris entdeckt und macht sich nun daran die Schätze zu plü… also die wertvollen Artefakte dort ganz fachmännisch für die Wissenschaft zu bergen. Leider hat der übereifrige Konkurrenzschatzjäger Carter Bell die selbe Idee und schnappt sich den Stab des Osiris, noch bevor Lara eingreifen kann. Das hätte er aber besser gelassen, denn so beschwört er unfreiwillig Seth, den Gott des Chaos herauf, welcher sich natürlich ganz bösewichtsmäßig anschickt, die Welt zu unterwerfen. Glück im Unglück: mit Seth tauchen auch Osiris Frau Isis und Sohnemann Horus aus der Unterwelt auf und erklären uns, wie wir Seth wieder loswerden können. Lara muss nur einfach in den zahlreichen Grabstätten, welche um den Tempel herum angelegt sind, die mumifizierten Überreste von Osiris einsammeln und beim zentralen Schrein wieder zusammensetzen und schon wird der große Osiris auferstehen und Seth ordentlich eins auf die Mütze geben. Ok, nichts einfacher als das.

    ToO ähnelt seinem Vorgänger spielerisch sehr stark, wurde aber in diversen Aspekten erweitert. Die isometrische Ansicht wurde beibehalten, ebenso das Steuerungsschema. Wobei man festhalten kann, dass sowohl die Steuerung über das Gamepad als auch über die Tastatur immer noch tadellos von der Hand gehen. Lediglich das Abspringen von Kanten oder Leitern gestaltet sich mitunter hakelig. Nach wie vor laufen, hüpfen, ballern und rätseln wir uns durch ausladende Grabkammern. Erfreulich mal wieder, wie gut die Jungs von Crystal Dynamics den Spielfluss hinbekommen haben. Die Balance aus grübeln, kämpfen und adrenalintreibenden Fluchtsequenzen ist sehr ausgewogen. ToO ist eines dieser Spiele, bei denen man sagt „ach, nur noch dieses eine Level!“ und ehe man sich versieht sind schon wieder zwei Stunden vergangen.
    Das hat das Spiel auch einigen Neuerungen zu verdanken, die sich wirklich gut in das Spiel einfügen. Auffällig ist hier vor allem der vermehrte Einsatz von Laras fernzündbaren Bomben: so gibt es z.B. viele Rätsel bei denen mit Hilfe der Bomben Sprengminen auf eine höhere Ebene katapultiert werden müssen. Ein weiteres neues Feature ist der Stab des Osiris selbst, der eine Art Laserstrahl verschießt, mit dem man von Seth beschworene Dimensionsrisse verschließen kann, was oft notwendig ist, damit sich an anderer Stelle zuvor versperrte Wege auftun. Oft müssen sogar mehrere, räumlich getrennte Risse gleichzeitig geschlossen werden, was nur funktioniert indem man den Strahl über Spiegel umleitet, die man vorher oft auch noch ausrichten muss. Aber keine Sorge: sämtliche Knobeleien sind nie so schwer, dass man sich das Gehirn verrenken muss. Mit etwas nachdenken und rumprobieren sind alle Rätsel relativ einfach zu lösen.

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    Let`s roll!

    Lara und der Action-RPG Tempel
    Ebenfalls neu: Lara hat in ihrem Inventarbildschirm jetzt auch Slots für zwei Ringe, ein Amulett und Outfits. So kann sie mit gefundenen Klunkern ihren Waffen Statuseffekte wie Eis- oder Feuerschaden hinzufügen oder u.a. ihre Verteidigungswerte verbessern. Damit geht ToO zwar ein wenig in Richtung Action-RPG, aber ohne dabei in die typische loot- und auflevel-Tretmühle zu geraten. Generell gibt es in den einzelnen Grabkammern und auf der kleinen Oberwelt viel zu entdecken: an unwegsamen Punkten deponierte Sammelobjekte wollen ebenso gefunden werden wie Bonushöhlen und verschlossene Schatzkisten. Letztere lassen sich nur öffnen, wenn man zuvor genug Diamanten eingesackt hat mit denen man quasi die Öffnung „bezahlen“ muss. Während die Kisten ihren Inhalt relativ schmerzfrei preisgeben, müssen in den Bonushöhlen immer irgendwelche Geschicklichkeits- oder Knobelaufgaben gemeistert werden. Dafür ist die Belohnung aber auch größer: oft wartet am Ende eine neue Waffe oder ein Upgrade für Munitionskapazität oder Lebensenergie auf den Spieler. Auf echte Schatzjäger warten zudem noch zahlreiche Challenges in den Grabkammern selbst: die reichen von „sammle mindestens 100 Diamanten“ bis hin zu „erlege Klopatris, den Gott der Kloake in weniger als drei Minuten!“. Auch für das Erfüllen der Challenges bekommt man mal mehr, mal weniger nützliche Upgrades. Wer alle diese Challenges schaffen will, für den kann sich die reguläre Spielzeit von sechs bis acht Stunden durchaus nochmal verdoppeln.

    Heimliches Highlight des Spiels sind übrigens die Endgegner: so müssen wir z.B. einen riesigen Mistkäfer bekämpfen, während wir auf seiner gigantischen Dungkugel balancieren, die dabei eine Schräge herunterrollt oder eine Riesenschlange mittels umgelenkter Laserstrahlen zur Strecke bringen. Jeder Endboss erfordert dabei eine bestimmte Taktik und den gekonnten Einsatz der Spezialfähigkeiten.

    Ein flotter Vierer
    Ok, ToO ist also solo schon ein sehr rundes Spielerlebnis. Sein volles Potenzial entfaltet das Spiel aber erst im kooperativen Multiplayer. Man kann dabei entweder lokal zu zweit an einem Rechner oder mit bis zu drei weiteren Mitspielern übers Internet die Kampagne spielen. Während Lara im Solospiel über alle Fähigkeiten verfügt, werden diese im Koop auf die verschiedenen Charaktere aufgeteilt. So können z.B. nur Isis und Horus den Stab des Osiris nutzen, während Lara z.B. als einzige die Sprengladungen legen kann. Diese gegenseitige Abhängigkeit sorgt in Verbindung mit der flüssigen Spielmechanik für extrem spaßige Spielsessions, sofern man halbwegs kompetente Mitspieler an seiner Seite hat.

    Grafisch gibt es am neuesten Isoabenteuer von Frollein Croft ebenfalls kaum etwas auszusetzen. Die Grabanlagen sind hübsch texturiert und entsprechend ihrer Thematik stimmungsvoll gestaltet. Auch die Effektfront kann mit hübschen Licht-, Wasser- und Partikeleffekten überzeugen. Gestört hat mich nur, dass die Kamera oft sehr weit hinauszoomt, sodass Charaktere und Gegenstände oft arg fitzelig werden. Auch die Zwischensequenzen in In-Game-Grafik sind eher spartanisch gehalten, aber damit kann man leben. Schade auch, dass Lara nicht ihre Originalsprecherin hat. Aber der Ersatz macht seinen Job auch ganz zufriedenstellend, ebenso wie der Rest der Sprecherriege.

    Ein Wort noch zum Schluss: auf dem PC herrscht bei ToO Steampflicht. Wer also Valves Onlinevertriebsplattform aus dem einen oder anderen Grund nicht mag, sollte sich besser die Konsolenversion besorgen.

    Fazit

    Bereits im Solomodus ist Lara Croft and the Temple of Osiris ein klar empfehlenswertes Action-Adventure. Im Koop legt das Spiel sogar noch eine Schippe drauf, weshalb ich die Wertung im Multiplayermodus sogar noch ein halbes Sternchen höher ansetzen würde. Wer schon den Vorgänger mochte, kann hier bedenkenlos zuschlagen, besonders, wenn man noch ein paar Kumpels zum Mitzocken am Start hat.

    Wertung


    Pro

    • spaßiger Koop-Modus
    • schicke Isografik
    • viel nebenher zu entdecken

    Contra

    • spartanisch inszenierte Zwischensequenzen
    • nicht sehr umfangreich

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Fantasy, Spiele
    von Denny Vitzthum 15.Dez.2014 3.637 x gelesen