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    Ziemlich genau fünf Jahre ist es her seit Animation Arts als Lückenfüller zwischen Geheimakte Teil 2 und 3 eine kleine Perle im Bereich der klassischen Adventures herausbrachten. Lost Horizon war eine charmante Hommage an Indiana Jones und Konsorten, die sich vor allem durch liebevolle Charakterzeichnung und stimmungsvolle Locations auszeichnete.
    Die erste Ankündigung einer Fortsetzung der Geschichte um Fenton Paddock, Offizier im Dienst der British Army, kam dann vor gut 2 Jahren auf den Tisch. Bis Ende letzten Jahres blieb es dann aber still um den Titel.

    Der Krieg ist vorbei
    Um es vorweg zu nehmen, Lost Horizon 2 ist keine unmittelbare Fortsetzung der Geschehnisse der Vorgängers um die Suche nach Shambala. Auch wird nicht die geheimnisvolle Vergangenheit von Paddock wieder aufgegriffen, die seinerzeit bedeutungsschwanger im Dunkeln belassen wurde.
    Die Geschichte spielt vielmehr 1956, vor allem zeitlich deutlich abgesetzt. Die British Army schickt unseren mittlerweile deutlich gealterten Protagonisten weiterhin auf gefährliche Missionen ohne offizielle Rückendeckung, in deren Verlauf er erneut mit einem mythenbehafteten Projekt der Nazis konfrontiert wird. Diesmal geht es um die Suche nach Asgard, dem Sitz der nordisch-germanischen Götter und der dort verborgenen Kräfte.
    In der Folge gilt es ein neuerliches Ragnarök zu verhindern und nebenbei muss Paddock noch seine Teenager-Tochter Gwen retten, die aus ihrem deutschen Internat geflohen ist und sich noch vor ihrem Vater in eben diese Machenschaften verstrickt.
    War die Story des Vorgängers noch klischeehaft und vorhersehbar, kann man sie diesmal leider nur als wirr und lückenhaft beschreiben. Dass Gwens Mutter Kim aus dem ersten Teil als vor Jahren auf geheimnisvolle Weise verschwunden erklärt wird und dies auch keine weitere Bewandtnis für die Geschichte hat, ist nur einer der Faktoren, die mir ein Stirnrunzeln auf die Birne gezaubert haben. Paddock bleibt irgendwie charakterlos, einzig Gwen hat hier und da ihre Momente, wird aber auch irgendwie unvermittelt und ohne nähere Erklärung in den Plot eingebaut. Auch die weiteren, teils steuerbaren Charaktere bleiben blass. Die Widersacher glänzen zwar durch Kaltblütigkeit und Brutalität, aber an das Format einer Gräfin von Hagenhild aus dem Vorgänger kommen sie bei weitem nicht heran.

    deutsche Heimatfilm Romatik

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    deutsche Heimatfilm Romatik

    Geheimakte 3 lässt grüßen
    Was das Gameplay angeht gibt es keine sonderlichen Überraschungen. Wie schon bei den vergangenen Animation Arts Titeln gibt es kontextsensitive Aktionen, Betrachtungsfunktion, das klassische Inventar und eine Hotspotfunktion. Als Rätselhilfe ist diesmal die Komplettlösung in Textform im Spiel integriert.
    Des weiteren gibt es als neues Feature ein Bastelmenü, in dem man mehrere vorgegebene Gegenstände in einer bestimmten Reihenfolge kombinieren muss. Aber man sieht dort auch, dass bestimmte Gegenstände zur Kombination vorgesehen sind und wie viele Gegenstände noch nicht gefunden wurden, um diese Aufgabe zu lösen. Diese Kombination aus Minigame und in gewisser Weise auch Rätselhilfe wird aber nur selten genutzt.
    Die generell nicht sonderlich anspruchsvollen Rätsel erschließen sich in Kombinatorik und einigen Maschinenpuzzles, wobei letztere vorwiegend auf Ausprobieren ausgelegt sind und weniger auf Logik. Selbst die Komplettlösung gibt teilweise keine logische Begründung, vermutlich weil es schlichtweg keine gibt. Zu den Rätseln gesellen sich zumindest zu Beginn ein paar Sequenzen mit Zeitbeschränkung und eine völlig überflüssige und nervige Quicktime-Event-Passage.
    Zwischendurch muss man auch zwei Charaktere parallel steuern und deren Aktionen koordinieren, was aber bei weitem nicht so interessant ausfällt, wie vergleichbare Passagen im Vorgänger. Am Ende gibt es ebenfalls einen Abschnitt bei dem man die Zeitlinie verändert, aber auch das ist deutlich weniger innovativ ausgefallen und hat letztlich keinen echten Einfluss auf das Gameplay, sondern stellt nur eine der interessanteren Wendungen für den Plot dar.

    Unstimmige Aufmachung
    Auch die Präsentation liefert einen wenig schlüssigen Eindruck. Es wird wieder 2.5D Grafik mit relativ statischen, vorgerenderten Hintergründen und in Echtzeit berechneten Figuren geboten. Zum Vorgänger ist hier der wesentliche Unterschied, dass die Hintergründe eben computergeneriert und nicht mehr handgezeichnet sind. Die Qualität ist allerdings teilweise sehr unterschiedlich ausgefallen. Es gibt durchaus einige imposant gestaltete Örtlichkeiten, während andere eher lieblos und detailarm daherkommen und einige trotz Detailfülle eher an Modellbaulandschaften erinnern.
    Das Charakterdesign ist ok, aber eben auch nicht besonders beeindruckend, da die Grafikqualität kaum als zeitgemäß zu beurteilen ist.
    Dazu konnte man sich offenbar nicht entscheiden, ob man für Zwischensequenzen und Detailanimationen nun geskriptete Ingame-Sequenzen oder vorberechnete Filmchen verwendet. Auf letztere hätte man meines Erachtens besser verzichtet, denn sie fallen vor allem durch schlechte Bildqualität störend auf.
    Punkten kann das Game hingegen mit ordentlicher Synchronisation und stimmiger Musikuntermalung, was unterm Strich aber nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellt.

    Fazit

    Lost Horizon 2 ist ein sehr einsteigerfreundliches Adventure, das mit dem ersten Teil vor allem den Protagonisten und einen Plot um die Suche nach einem mythischen Ort im Kontext des Dritten Reiches gemein hat. Fans des ersten Teils werden aber wahrscheinlich enttäuscht sein, da vieles, dass dessen besonderen Charme ausmachte, einfach über Bord geworfen wurde. Für Rätselfreaks bietet das Spiel trotz ordentlicher Spielzeit kaum Anreize. Und auch die zusammengestückelte und lückenhafte Story mit wenig eingängigen Charakteren, bietet nur wenig Potenzial für echten Spielspaß. Losgelöst vom ersten Teil stellt es dennoch ein ganz passables Spiel dar, auch wenn die diversen Schwächen nicht zu übersehen sind.

    Wertung


    Pro

    • sehr einsteigerfreundlich
    • gute Vertonung
    • teilweise imposante Hintergründe

    Contra

    • kaum Bezüge zum Vorgänger
    • lückenhafter Plot
    • schwache Charaktere
    • insgesamt unschlüssiges Konzept

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Spiele
    von André Pannenbecker 6.Sep.2015 2.013 x gelesen