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    Wenn man eine Top-Ten der unwirtlichsten Planeten in Spielen aufstellen müsste, wäre E.D.N. III mit Sicherheit dabei: arschkalt, von blutrünstigen Aliens (Akriden) bevölkert und auch die Wetterverhältnisse sind dank heftiger Stürme alles andere als einladend. Im dritten Teil der Lost Planet-Reihe lockt die Aussicht auf einen fetten Gehaltsscheck unser Alter Ego Jim Peyton, einen gestandenen Ingenieur, auf den Kühlschrankplaneten. Aber Moment, war E.D.N. III im zweiten Teil nicht schon eine terraformierte Dschungelwelt? Ja, allerdings ist Lost Planet 3 auch ein Prequel, welches zeitlich vor dem ersten Teil spielt, als die Konstruktionsfirma NEVEC gerade anfängt, den Planeten bewohnbar zu machen und erste Versuche unternimmt, die wertvolle T-Energie abzubauen.

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    (c) Capcom
    3rd-Person-Shooter
    Für PC, PS3, X360
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    NEVEC Überlebenstipp: Essen sie keinen Schnee. Vor allem keinen gelben!

    Lost Planet 3 ist ein typischer Vertreter der 3rd-Person-Shooter, außer, wenn wir in einem Mech unterwegs sind. Dann blicken wir per Egoperspektive aus dem Cockpit auf das Geschehen. Nach einem stimmungsvollen Einführungslevel finden wir uns zunächst in der NEVEC-Basis wieder, wo wir auch gleich ein paar typische Ingenieursjobs aufs Auge gedrückt kriegen, sprich, den Laden am Laufen halten, indem wir irgendwelche Maschinen reparieren, die mal wieder wegen Kälte ausgefallen sind. Das Reparieren an sich ist dabei leider etwas einfallslos umgesetzt worden. Anstatt dieses Gameplayelement mit einigen netten Minispielen zu würzen, muss hier einfach nur eine Taste so lange gehalten werden, bis sich eine Anzeige gefüllt hat.

    Das klingt jetzt erst mal reichlich unspannend und ja, auch die Story braucht tatsächlich recht lange, um in Fahrt zu kommen. Immerhin ist Peyton ein sympathischer Charakter, was auch in den liebenswert-banalen Videobotschaften zum Ausdruck kommt, welche Peyton und seine Frau immer wieder austauschen. Recht schnell wird dann aber auch klar, dass auf E.D.N. III nicht alles mit rechten Dingen zugeht und die Arbeitsaufträge sich stets als mehr oder weniger lebensgefährliche Abenteuer entpuppen. Um sich auf dem Planeten fortzubewegen, steht uns ein Mech zur Verfügung, der, anders als die Vital-Suits aus den Vorgängern, nicht bewaffnet ist, da es sich hier um reine Bergbaumaschinen handelt. Folglich haben die Mechs dafür nur einen Greifarm und einen Bohrer. Trotzdem kommt es auch in den Stahlkolossen gelegentlich zu Kämpfen mit übergroßen Akriden, wobei diese eher wie eine Mischung aus Boxkampf und Quicktime-event ablaufen. Ansonsten dient der Mech halt meist als Transportmittel und um große Apparaturen zu bedienen. Eine offene Spielwelt bietet Lost Planet 3 übrigens nicht, auch wenn man am Anfang vielleicht diesen Eindruck hat. Vielmehr gehen von dem Hauptquartier einfach nur ein paar größere Korridore ab, die in die „Einsatzgebiete“ führen. Meist kommt man dann auch schnell an Stellen, wo man seinen Mech parken und zu Fuß weitergehen muss. Blöd ist dabei, dass Minimap und Munitionsanzeige nur in der Nähe des Mechs funktionieren. Ist man weiter weg, hat man nur noch eine Balkenanzeige um das Fadenkreuz, mit der man die Restmunition im Clip schätzen kann, aber keine für die Gesamtmenge an Munition. Immerhin hat man neben den maximal zwei Hauptwaffen auch noch eine Pistole mit unendlich Munition, welche im Prinzip auch reicht, da die Kämpfe gegen die Akriden längst nicht mehr so nervtötend ausfallen wie im zweiten Teil.

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    Diese kleinen Vertreter der Akriden sind nur Kanonenfutter.

    Ein Mann für alle Fälle

    Abseits der Storymissionen bekommen wir auch immer wieder kleinere Nebenaufträge angeboten, mit denen wir ein paar Extracredits verdienen können, um neue Waffen oder Erweiterungen zu kaufen, mit denen sich der Mech oder die vorhandenen Schießprügel verbessern lassen. Die Aufträge erinnern dabei schon etwas an typische MMORPG-Quests: mal möchte ein Wissenschaftler, dass wir 20 Exemplare einer bestimmten Akriden-Art töten, dann sollen wir eine T-Station leeren oder zugefrorene Pumpen von Eis befreien. Dumm nur, dass uns das Spiel dafür immer wieder in bereits besuchte Gebiete schickt, in denen uns immer wieder dieselben Gegner vor die Flinte hüpfen. Zudem quält einen das Spiel stellenweise mit elend langen Laufwegen. Um z.B. in das Forschungslabor zu gelangen und die Belohnung für unsere Akridenjagd abzuholen, müssen wir erst mal minutenlang durch Eiskorridore latschen.

    Der blaue Planet

    Grafisch gehört Lost Planet 3 sicherlich zu den ansehnlicheren Spielen der letzten Zeit, auch wenn szenariobedingt eine gewisse Monotonie nicht abzustreiten ist. Das Lost Planet 3 in mancher Hinsicht sogar etwas schwächer als der zweite Teil abschneidet (Stichwort Animationen) ist wohl dem Entwicklerwechsel geschuldet, denn LP3 wurde nicht mehr von Capcom, sondern von Spark Unlimited mit der Unreal 3-Engine entwickelt. Dafür punktet das Spiel oft mit stimmungsvollen Ausblicken in imposante Landschaften, schönen Lichteffekten und der für Spieleverhältnisse gelungenen Mimik der Charaktere. „Weltraumtrucker“-Feeling kommt auch durch die Musikauswahl zustande, die aus diversen Countryrock-Stücken besteht, die man sich in seinem Mech anhören kann, während man zum nächsten Einsatz stapft.

    Neben der Einzelspielerkampagne wartet auch noch ein Multiplayer, der durchaus den einen oder anderen netten Modus zu bieten hat. U.a. eine Abwandlung des altbekannten Hordemode, wo man zunächst anrückende Gegnerwellen und zum Schluss die verbliebenen Mitspieler eliminieren muss oder objektbasierte Modi, wo das eine Team ein Gerät zerstören muss, während das andere es zu verteidigen hat. Ist sicherlich ganz spaßig, zumal hier auch Mechs mitmischen können, die im Gegensatz zur Kampagne auch Bewaffnung haben.

    Fazit

    Lost Planet 3 ist ein durchweg ordentlicher Shooter mit einigen Ecken und Kanten. Klingt abgedroschen, passt aber in diesem Fall einfach. Das Szenario ist interessant, der Hauptcharakter sympathisch und die Hauptmissionen durchaus unterhaltsam. Dafür nervt das Backtracking bei den Nebenmissionen, unnötig lange Laufwege und der auf Dauer etwas monotone Spielablauf, der sich meist aufs Ballern beschränkt und die anderen, im Ansatz vorhandenen Spielelemente zu stiefmütterlich behandelt. Wenn ich schon ständig Zeug reparieren muss, wieso kann man das dann spielerisch nicht etwas "aufregender" gestalten? Wer allerdings schon immer das "Ich bin einer der ersten Weltraumpioniere auf einem fremden Planeten"-Feeling haben wollte, der wird mit dem Spiel trotzdem sicherlich Spaß haben können.

    Wertung


    Pro

    • interessant umgesetztes Setting
    • sympathische Hauptfigur
    • zahlreiche Nebenaufträge
    • stimmungsvolle, wenn auch technisch nicht mehr wegweisende Grafik

    Contra

    • Story braucht lange, um in Fahrt zu kommen und plätschert bis zum Ende ohne große Höhen vor sich hin
    • oft unnötig lange Laufwege
    • Für Nebenaufträge muss man immer wieder in bereits besuchte Gebiete zurück
    • Auf Dauer spielerisch monotoner als es hätte sein müssen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Denny Vitzthum 9.Sep.2013 4.859 x gelesen