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    In unserer Zeit kann man sich gerade erst als zukünftiger Mars-Kolonist bewerben, in diesem Spiel ist die Menschheit schon viel weiter und tut auch auf dem roten Planeten genau das, was schon in früheren Jahrhunderten „zuhause“ eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen war: Krieg führen.
    Mehr als 200 Jahre nach dem Beginn der Kolonisierung kämpfen zwei große Fraktionen um die Herrschaft und nicht zuletzt die knappen Wasservorräte auf dem Mars. Der Kontakt zur Erde ist durch eine Naturkatastrophe schon vor Generationen abgebrochen, die Folgen des Unglücks haben viele ehemals blühende Siedlungen zerstört und die Überlebenden beziehungsweise deren Nachkommen zu grausig entstellten „Dust“ mutieren lassen, welche von der normalen menschlichen Bevölkerung unterdrückt werden.
    Vor diesem düsteren Hintergrund beginnt man das Spiel als Kriegsgefangener in einem feindlichen Lager.

    Erstmal raus hier, dann sehen wir weiter

    Im Gefangenenlager trifft man auf überraschend freundliche Wärter und lasche Haftbedingungen, die größte Gefahr geht dort anscheinend meistens von Mithäftlingen aus. Trotzdem hat der geheimnisvolle Veteran Roy schon wegen seiner vorerst nicht weiter geschilderten Vergangenheit keine Lust, sich einsperren zu lassen – ein Fluchtplan muss her. In mehreren Missionen bereitet man den Ausbruch vor. Gleich zu Beginn nimmt Roy den Neuzugang Innocence unter seine Fittiche, einen unerfahrenen Jungspund, dessen große Augen und sanfter Blick wunderbar zum Namen passen. Doch man sollte den Kleinen nicht unterschätzen, wenn es darauf ankommt, hat er durchaus Biss.
    Der Spieler entscheidet stellenweise selbst, ob Roy als gutes Beispiel vorangeht, oder aber den Fiesling raushängen lässt. In den Dialogen und auch den Lösungsmöglichkeiten vieler Aufträge kommt nämlich ein Gesinnungssystem zum Tragen. So beeinflusst man unter anderem die Reaktionen der NPCs und schaltet ein paar Boni frei – „gute“ Abenteurer erhalten wegen ihres sympathischen Wesens z.B. Rabatte bei Händlern.
    Wer freundlich sein will, versucht beispielsweise, Konflikte durch Gespräche zu lösen, hilft bei der Erschaffung einer Medizin für tollwütige monströse Wachhunde (die sonst alle erschossen werden) oder lässt Übeltäter nach einer kleinen Abreibung laufen. Rücksichtslose Roys entziehen ihren Gegnern, die nach Kämpfen bloß bewusstlos sind, das so genannte „Serum“ (praktisch das Zahlungsmittel des Spiels) – mit tödlichem Ausgang.
    Im dritten und letzten Kapitel spaltet sich das Spiel außerdem in zwei Handlungsstränge auf, je nachdem ob man sich einer Rebellenorganisation oder einem General anschließt. Passend zu den Entscheidungen warten dann verschiedene Enden.
    Der Umfang des Spiels gibt den eigentlich interessanten Motiven und Hintergründen aber leider nicht genug Platz zum Entfalten. Die meisten Mars-Besucher werden kaum mehr als zehn bis 15 Stunden auf dem fremden Himmelskörper verbringen – für einen Shooter wäre das eine sehr vernünftige Spielzeit, ein RPG sollte da schon etwas umfangreicher sein, um konkurrenzfähig zu werden. Ein wenig wird dieser Minuspunkt natürlich durch die Wahlmöglichkeiten und die beiden Fraktionen abgemildert. So oder so kommen Dinge wie die Persönlichkeit der Figuren jedoch etwas zu kurz, der Story-Verlauf wirkt außerdem teilweise überhastet.

    Roy und Innocence

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    Roy und Innocence

    Schon wieder…

    Sowohl die Storymissionen als auch die diversen optionalen Nebenaufgaben (darunter viele Gegenstands-Beschaffungen und Schlägereien) führen Roy und Konsorten durch arg schlauchige Levels mit sehr überschaubaren Unterbereichen, die keinen Platz für Erkundungstouren lassen. Darüber hinaus gibt es zu viel Backtracking – ständig muss man die immer gleichen Korridore und Türen durchqueren, um etwa Objekte einzusammeln und den Questgebern Erfolge zu vermelden.
    Dazu kommt die sich nur unwesentlich verändernde Kulisse, optisch unterscheiden sich die Schauplätze über weite Strecken nur geringfügig. Staubige Gefängnisräume, rotes Marsgestein, heruntergekommene Straßenzüge, armselige Blechbuden, alles erscheint verrostet und trostlos. In diesem Setting erwartet man ja kein Paradies und der Look unterstreicht die düstere Atmosphäre, aber etwas weniger Sterilität wäre trotzdem schön gewesen, zumal sich auch einzelne Deko-Elemente wie bestimmte Statisten des öfteren wiederholen.
    Begleitet wird das Geschehen von sparsam eingesetzten Soundeffekten, rockiger Musik und englischer Sprachausgabe (Untertitel und Bildschirmtexte sind deutsch). Roys kratzige Stimme gefällt mir, sie ist ungewöhnlich, aber passend. Bei den anderen Sprechern schwankt die Qualität allerdings – manche Nebencharaktere klingen unfreiwillig komisch oder zu desinteressiert. Schade ist auch, dass man nur so wenige Personen überhaupt ansprechen kann.

    Feindliche Übermacht – zum Glück dumm

    Science-Fiction-Hintergrund und Gesinnungssystem legen vermeintlich einen Vergleich mit Mass Effect nah, beim Kampfsystem ähnelt Mars: War Logs teilweise aber eigentlich eher The Witcher. Gekämpft wird normalerweise in Echtzeit, per Tastendruck kann man aber ein Taktikmenü aufrufen und die Aktionen in Ruhe auswählen, während das Geschehen stark verlangsamt weiterläuft. Nur Roy wird direkt gesteuert, Innocence (später auch andere Begleiter) ist KI-kontrolliert und kann lediglich rudimentäre Befehle bekommen.
    Der Fokus liegt auf Nahkampf-Attacken plus Technomantie. Letzteres stellt einen Magie-Ersatz dar, unter anderem kann man elektrische Energie auf Feinde schleudern, Schlagwerkzeuge aufladen oder einen Schutzschild aktivieren. An Schusswaffen besitzt Roy bloß ein einziges Exemplar mit recht knapper Munition, dazu kommen Fallen und Granaten. Geschickte Ausweichrollen, das Blenden der Feinde durch geworfenen Sand sowie gutes Timing beim Blocken spielen eine große Rolle in den oft schweren Gefechten.
    Wenn mehrere Feinde sich gleichzeitig auf Roy stürzen (was fast immer der Fall ist), wird es schnell brenzlig. Manchmal bleibt einem nichts anderes übrig als auszuweichen, wegzurennen und zu warten, bis die Gesundheit sich etwas regeneriert hat. Das kann dann schon ein wenig albern wirken – Roy wetzt ständig im Kreis herum, die dämliche Gegnergruppe im Pulk hinterher.
    Innocence ist dabei nur selten eine Hilfe, dient oft bloß als kurzfristige Ablenkung, bevor er ausgeknockt wird und Roy wieder alle Bösewichte allein am Hals hat.
    Mars: War Logs besitzt mehrere Schwierigkeitsgrade, die Option „einfach“ war jedoch zumindest in meiner Testversion (Steam) zwar zu sehen, aber nicht anwählbar, warum auch immer.

    Ohne Upgrades geht es nicht

    Um den Widersachern etwas besser Paroli bieten zu können, entwickelt sich Roy selbstverständlich auch weiter. Beim Aufleveln erhält man zum einen Fähigkeitspunkte, die für Skills in drei Unterbereichen verwendet werden. So lässt sich etwa die Wirkung der Technomantie-Kräfte erhöhen oder die Verzögerung bei deren Einsatz verkürzen, man vergrößert den Schaden für Attacken von hinten, verschafft dem Helden mehr Gesundheit und einen erweiterten Ausweichradius oder macht ihn zu einem leichtfüßigen Schleicher, der wenigsten den ersten Feind einer Gruppe gefahrlos erledigt.
    Mit anderen Punkten kauft man allerlei Boni wie eine vergrößerte Erfahrungsausbeute durch Kämpfe oder auch mehr Geschick in der Herstellung von Objekten. Roy darf nämlich Hilfsmittel wie Munition produzieren und an seiner Ausrüstung herumwerkeln. Je nach gewähltem Material verbessern sich unterschiedliche Werte des Zeugs, die Vorteile machen sich im Kampf deutlich bemerkbar. Leider lässt sich die Ausrüstung der Begleiter nicht beeinflussen.

    Fazit

    Mars: War Logs bietet ein interessantes Setting und gute Ansätze bei Features wie den Fähigkeiten oder Ausrüstungsverbesserungen. Auch die verschiedenen Lösungen mancher Aufträge wecken Erinnerungen an namhafte Konkurrenten und das zum kleinen Preis. Leider wurden viele Elemente aber nicht genug ausgearbeitet, schon bei der Story und den Beziehungen der Charaktere bleibt Potenzial ungenutzt. Dazu kommen Schwächen in der Gestaltung der Spielwelt. Zumindest die Science-Fiction-Fans unter den Rollenspielern dürfen ruhig mal einen Blick riskieren, mit größerem Budget und mehr Feinschliff hätte aber bestimmt ein richtiger Geheimtipp daraus werden können.

    Wertung


    Pro

    • Interessantes Zukunftsszenario
    • Wahlmöglichkeiten in Gesprächen und Quests
    • gute Ansätze bei Kampfsystem und Charakterentwicklung
    • fairer Preis

    Contra

    • Umfang für RPG-Verhältnisse zu gering
    • Charaktere und Story bleiben zu oberflächlich
    • einengendes Leveldesign mit viel Backtracking
    • Begleiter sind keine große Hilfe

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Allgemein
    von Christina Schmitt 15.Mai.2013 2.635 x gelesen

    Mars: War Logs
    Publisher Focus Home Interactive
    Hersteller Spiders
    Genre Rollenspiel
    Altersfreigabeab 16 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    X36003.05.2013
    PS303.05.2013
    PC03.05.2013 Kaufen