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    Wer beim Anblick von „Metal Gear Solid: Ground Zeroes“ in Erwartung eines neuen Teils der Serie freudig den Geldbeutel zückt, sollte lieber nochmal innehalten, denn hier handelt es sich mitnichten um den lange erwarteten fünften Teil (der heißt nämlich Phantom Pain und kommt wohl erst 2015), sondern um dessen eigenständig spielbaren Prolog. Das Konzept wurde schon bei Gran Turismo 5: Prologue ausprobiert. Ist Ground Zeroes mehr als nur eine Demo, für die man bezahlen muss?

    mgs_groundzeroes

    (c) Konami
    Entwickler: Kojima Productions
    Systeme: PS3, PS4, X360,XOne
    seit 20.3.2014 im Handel
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    Mit Naked Snake in den Knast

    Die Ereignisse von Ground Zeroes spielen im Jahr 1975, kurz nach dem Ende des gelungenen PSP-Ablegers Peace Walker. Der legendäre Söldner Naked Snake aka Big Boss (und genetischer Vater des späteren Solid Snake) betreibt von einer Ölbohrinsel aus eine florierende Söldnerorganisation namens Militaires Sans Frontières (Militär ohne Grenzen), die auf der ganzen Welt operiert. Dank eines eigenen, mit Atomsprengkopf ausgestatteten Laufpanzers (Metal Gear ZEKE), war MSF sogar kurzzeitig selbst zur Atommacht aufgestiegen. Dann schlich sich jedoch die junge Doppelagentin Paz in die Basis ein, um Zeke zu stehlen und somit Snake zu zwingen, für die Geheimorganisation Cipher zu arbeiten. Snake konnte den Metal Gear jedoch besiegen, woraufhin dieser mit Paz ins Meer stürzte. Einige Zeit später stellt sich jedoch heraus, dass Paz überlebt hat und nun als vermeintliche Überläuferin von Cipher in einem Gefangenenlager an der Küste von Kuba verhört wird. Zudem wird auch Chico, ein junger Rekrut der sich in Paz verliebt hatte, beim Versuch sie zu befreien gefangengenommen. Just in diesem Augenblick kündigt die internationale Atomenergiebehörde auch noch eine Inspektion an, um nach illegalen Atomwaffen zu suchen – wahrscheinlich, weil Paz Cipher bereits von Metal Gear Zeke erzählt hat. Damit Paz nicht noch mehr ausplaudert und um gleichzeitig auch an die Hintermänner von Cipher heranzukommen, beschließt Snake, Chico und Paz zu retten, während die MSF eilig alle Beweise für die Existenz von Metal Gear Zeke verschwinden lässt.

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    Die Fiffis kommen nur im Intro vor und machen sich danach rar.


    Offener Vollzug

    Verwirrt? Naja, wenn man nicht gerade die wichtigsten Ableger der Metal Gear Reihe kennt, hat man es definitiv schwer bei all den Charakteren und politischen Ränkespielchen den Überblick darüber zu behalten, wer jetzt mal wieder wen verraten hat. Aber auch Nichtkenner des MGS-Universums können sich im Hauptmenü eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse nochmal durchlesen. Das primäre Ziel des Spiels ist hingegen eindeutig: Chico und Paz finden, befreien und sicher zur Extraktionszone bringen. Die Militärbasis, welche sehr an das berüchtigte Guantanamo Bay erinnert, ist geschätzt etwa einen Quadratkilometer groß und gut bewacht.
    Wie bereits bei Metal Gear Solid 4 steuert man die Spielfigur in der 3rd-Person-Ansicht. Auf Knopfdruck läuft, schleicht oder kriecht Snake, würgt Wachen von hinten bewusstlos, wirft Granaten, überklettert Hindernisse oder zieht seine Waffe. Wir haben dabei die Wahl zwischen einem Sturmgewehr mit Schalldämpfer (welcher allerdings nach einer begrenzten Anzahl an Schüssen unbrauchbar wird) und einer Lähmpistole, die Gegner ganz pazifistisch ins Land der Träume befördert. Alternativ können wir auch die Waffen erledigter Gegner einsammeln.
    Neu ist das Open-World-Design: Während bisherige Ableger der Serie eher linear angelegt waren, kann man das Camp nun komplett frei erkunden und selbst austüfteln, wie man die Rettung der beiden Gefangenen angeht: ungesehen infiltrieren wie es sich für einen Snake gehört oder doch lieber die Waffe sprechen lassen? Letzteres funktioniert zwar auch, hat aber einen Daueralarm nebst nicht enden wollender Gegnermassen zur Folge, der erst wieder abebbt, wenn man eine Zeit lang versteckt geblieben ist.

    Ground Zeroes ist auch deshalb etwas anspruchsvoller, weil das altbekannte Radar inklusive der Sichtkegel von Gegnern gestrichen wurde. Dafür kann Snake nun mit seinem Fernglas erspähte Gegner markieren, welche fortan sogar durch Wände sichtbar sind. Außerdem gibt es nun eine Art Bullettime, die immer dann automatisch aktiviert wird, wenn wir von einer Wache erspäht werden. Dann hat man ein paar Sekunden Zeitlupenzeit um den Gegner aus den Latschen zu pusten, sonst ruft er Verstärkung herbei. Schleichpuristen, denen das zu viel „an die Hand nehmen“ ist, können nach einmaligem Durchspielen auch den „extrem“-Schwierigkeitsgrad anwählen, in dem die Bullettime und das Markieren der Gegner dann wegfallen.

    Der Hauptkritikpunkt dieses ansonsten gelungenen Schleichabenteuers liegt bei der Spielzeit: Nach knapp anderthalb Stunden hat man die beiden Zielpersonen spätestens(!) aus der Gefangenschaft befreit (im Internet kursieren sogar Lets Plays von 12 Minuten!). Immerhin entschädigt eine sehr aufwühlende Endsequenz und stimmt passend mit einem fiesen Cliffhanger auf das „richtige“ neue Metal Gear ein. Danach kann man zwar noch eine Handvoll optionaler und recht abwechslungsreicher Nebenmissionen absolvieren (Flugabwehrgeschütze mit C4 sprengen, zwei Zielpersonen ausschalten, einem Agenten vom Hubschrauber aus Deckung geben etc), aber das täuscht eben nicht darüber hinweg, dass die Hauptmission wirklich extrem kurz ist. Immerhin spielen die Nebenmissionen auch mal bei anderen Tageszeiten und Wetterverhältnissen und es gibt in der Anlage einiges zu entdecken und auch herumstehende Fahrzeuge lassen sich benutzen. Schade nur, dass die auf dem Gelände befindlichen Gebäude fast allesamt unbegehbar sind und auch die im Vorspann zu sehenden Wachhunde im eigentlichen Spiel nicht mehr auftauchen.

    Du bist ja ein Fuchs!

    Technisch zeigt sich die eigens für die neuen Metal Gear Teile entwickelte Fox-Engine in einem guten Licht: Regen prasselt auf den klatschnassen Boden, während der Wind Planen, Flaggen und die Regenumhänge der Wachen realistisch im Wind flattern lässt und die Umgebung von diversen Scheinwerfern in diffuses Licht getaucht wird. Sieht fast ein wenig aus wie in Battlefield. Die Weitsicht ist ebenfalls nicht schlecht, auch wenn hier und da mal ein Schatten ins Bild ploppt oder ein Felsen beim Näherkommen sichtbar seine Form verändert, wenn die Polygonzahl durch das LoD-System angepasst wird. Wir hatten zum Testen die PS3 Version hier – die Versionen für die Next-Gen-Konsolen sehen natürlich sichtbar besser aus, wobei die PS4-Version hier die Nase einen Tick vorn hat. Vor allem gefallen hier die Gesichtsanimationen, die natürlich besonders bei den Zwischensequenzen zum Tragen kommen, von denen es bei Ground Zeroes aber nicht allzu viele gibt. Die Sprachausgabe ist in Englisch. Lediglich die Untertitel wurden eingedeutscht.

    Fazit

    Ground Zeroes ist nicht mehr und nicht weniger als ein Appetitmacher für Metal-Gear Fans oder (und ja, ich sage das ganz bewusst) eine, wenn auch sehr umfangreiche Demo, die Geld kostet. Auch eine Demo kann natürlich Spaß machen, aber es ist eben kein richtiges neues Metal Gear, sondern eher ein Schleichhäppchen zum Reinschnuppern. Wer Fan der Serie ist und kein Problem damit hat, dieselben Missionen immer und immer wieder zu spielen, bis man irgendwann den einen, perfekten Lauf hinlegt, um die beste Wertung einzukassieren - für den ist Ground Zeroes eine Überlegung wert. Wer jedoch auf Umfang und eine komplexe Story hofft, wie sie bei Metal Gear üblich ist, sollte lieber auf Phantom Pain warten.

    Wertung


    Pro

    • offenes Spieldesign mit Unmengen an Handlunsgoptionen
    • gute Steuerung
    • technisch gute Umsetzung
    • gut designte optionale Nebenmissionen

    Contra

    • extrem kurze Hauptmission
    • nur ein einziges Areal in dem das komplette Spiel stattfindet
    • wenige Waffen oder "Agentenspielzeug"
    • so gut wie keine begehbaren Gebäude auf dem Areal

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Denny Vitzthum 26.Mrz.2014 3.146 x gelesen