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    Die hilfsbereite junge Piratin Nelly Cootalot hatte ihren ersten Auftritt 2007 im Freeware-Spiel Nelly Cootalot: Spoonbeaks Ahoy!, welches der britische Stand-Up-Comedian und Filmregisseur Alasdair Beckett-King ursprünglich als Geschenk für seine Freundin entwickelte. Nachdem dieses Spiel ein Geheimtipp in der Indie-Adventure-Szene wurde, fanden sich auf Kickstarter allerlei Unterstützer für die Erschaffung des zweiten Teils The Fowl Fleet und durch die Zusammenarbeit mit Application Systems Heidelberg konnte Nellys Schöpfer das Werk nicht zuletzt hinsichtlich der Inszenierung noch deutlich erweitern. Das Ergebnis steht nun z.B. über Steam zum Download bereit.

    nellycootalot

    (c) Application Systems Heidelberg
    ab 22.03.2016 zum Download
    Bei Amazon als Steam-Code kaufen

    Wahnsinniges Wassergeflügel
    Der fiese Baron Breitbart hat die verschiedensten Wasservögel durch Hypnose zu einer willenlosen Armee geformt und macht so die Sieben Weltmeere unsicher. Gerüchten zufolge jagt er einem Schatz hinterher und Nelly soll dem gemeinen Typ mit der auffälligen Gesichtsbehaarung nun ein Schnippchen schlagen. Doch dummerweise hat sie aktuell als Hilfskraft auf einem langweiligen Postschiff angeheuert – nur das erste der zahlreichen Probleme, die unsere Heldin im Laufe der Zeit bewältigen muss…
    Die Geschichte an sich ist recht simpel, ihre Erzählung hat aber viel Charme. Während des Abenteuers treffen Spieler des ersten Teils auf einige alte Bekannte, wer Nelly zum ersten Mal begleitet, findet sich jedoch trotzdem problemlos zurecht. In guter alter Adventure-Manier bewegt sich die rothaarige Freibeuterin per Mausklick durch die Gegend, führt Gespräche mit herumstehenden Personen, betrachtet Objekte, fummelt an selbigen herum (also nur an den Objekten, nicht an den Personen natürlich…) und lässt alles mitgehen, was nicht niet- und nagelfest ist.

    Sehr vergnüglich, aber etwas zu kurz geraten
    Auf der Reise gilt es unter anderem, Teilnehmer eines seltsamen Wettrennens zu sabotieren, einem dementen Kapitän geistig wieder auf die Sprünge zu helfen oder einen Bürokraten von Nellys Heldenqualitäten zu überzeugen. Die Rätsel sind – wie die Figuren auch – teils schräg, aber bleiben logisch und lösbar, wenn man immer gut zuhört, alles absucht und sämtliche Hinweise klug kombiniert. Per Druck auf die Leertaste lassen sich komfortablerweise alle anklickbaren Elemente des derzeitigen Bildschirms markieren, so dass dem Betrachter auch kein wichtiges Detail entgeht.
    Neben den typischen Puzzles rund um die Verwendung von Gegenständen wurden auch noch ein paar andere Knobeleien eingebaut, unter anderem soll man anhand von Hinweisen aus einem Logbuch die richtige Verteilung von Schiffsnamen und Zielorten im Hafen entschlüsseln.
    Gern hätte ich die charmante Augenklappenträgerin und ihre Freunde oder Feinde noch länger beobachtet und belauscht, nach etwas mehr als sieben Stunden flimmerte jedoch der Abspann über den Bildschirm. Und in dieser Zeit sind schon ein wenig Sightseeing sowie zwei kleine „auf dem Schlauch steh“-Phasen inbegriffen, als ich jeweils nicht kapierte, dass man auch noch in einen weiteren Bereich des Ortes laufen kann.
    Zwischendurch gibt es drei eher auf Geschick bzw. Timing ausgerichtete Minigames, die zwar putzig präsentiert, aber spielerisch nicht unbedingt herausragend sind.

    Ab und zu werden Ereignisse aus dem ersten Teil erwähnt

    Hört sich gut an
    Ein Highlight des Spiels sind die professionell vertonten Dialoge. Sowohl für die englische als auch für die deutsche Fassung (ein Wechsel zwischen den Sprachen ist jederzeit möglich) wurden fähige und erfahrene Sprecher verpflichtet, die man teilweise z.B. aus Serien kennt.
    Auch der allgegenwärtige Wortwitz des Originals und humorvolle Anspielungen wurde sehr schön in die Übersetzung gerettet. Zwar ist das Ganze auf Englisch teils noch etwas runder, aber die Lokalisation schlägt sich wirklich wacker. Wenn ein Straßenmusikant Lieder zu diversen gescheiterten Piraten trällert, ein blasierter Möwenvater über die potenzielle Schulbildung seines ungeschlüpften Sprösslings redet oder die Protagonistin mal wieder jede Metapher wörtlich nimmt, muss man als Spieler häufig schmunzeln.
    Nelly ist eine sympathische Hauptfigur mit dem Herz am rechten Fleck, aber auch keiner Scheu davor, im Dienste der guten Sache mal jemanden auszutricksen oder eben als Langfinger aktiv zu werden. Und, da kann ich mich besonders gut in sie hineinversetzen, Nelly ist süchtig nach Keksen – ihre Vorliebe für die krümeligen Erzeugnisse einer bestimmten Marke wird im Spielverlauf noch nützlich sein.
    Die Optik ist handgezeichnet und erinnert bei den abwechslungsreichen Kulissen oft an Pop-up-Bilderbücher. Zwar gehört The Fowl Fleet in Sachen Charakter-Detailreichtum und -Animationen vielleicht nicht unbedingt zur Spitzengruppe des Genres, der Look ist aber auf jeden Fall sehr liebenswert.
    Nicht nur durch seine Grafik ist das Spiel übrigens durchaus auch kindgerecht, manche Gags sind rein verständnismäßig dann aber doch eher was für ausgewachsene Nerds.

    Fazit

    Nelly Cootalot: The Fowl Fleet ist ein rundherum liebenswertes Adventure im klassischen Stil mit schrägen Ideen, gelungenen Rätseln und viel Wortwitz, der noch dazu auch gut in die deutsche Fassung übertragen wurde. Bei der Präsentation wissen besonders die hübschen Kulissen und die Vertonung zu gefallen. Die Hintergrundgeschichte ist recht simpel und leider gelangt man auch allzu schnell ans Ende der Seereise, bis dahin gibt es aber auf jeden Fall viele Gelegenheiten zum Schmunzeln.

    Wertung


    Pro

    • viel Humor und Wortwitz
    • sympathische Atmosphäre mit schrägen Charakteren und lustigen Ideen
    • fantasievolle, aber trotzdem logische Rätsel
    • sehr gute Sprachausgabe in Englisch und Deutsch
    • hübscher Grafikstil

    Contra

    • leider zu schnell vorbei
    • arg simple Hintergrundgeschichte
    • Grafik teils etwas detailarm
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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 24.Mrz.2016 392 x gelesen