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    Die beeindruckende Unterstützung für Pillars of Eternity auf Kickstarter hat einmal mehr bewiesen, dass es für „altmodische“ Rollenspiele im Stil von Baldur’s Gate noch eine nicht zu unterschätzende Nachfrage gibt. Konnte das Entwicklerteam Obsidian den Vorschusslorbeeren gerecht werden und wie versprochen die Wünsche der Fans umsetzen?

    Geheimnisse und Gefahren in Hülle und Fülle
    Anders als seine beliebten Ahnen nutzt Pillars of Eternity kein lizenziertes Universum, sondern entführt den Spieler in eine ganz eigene, ausgesprochen komplex aufgebaute und von den unterschiedlichsten Kulturen geprägte Welt namens Eora. Neben klassischen Fantasy-Elementen und mittelalterlich wirkenden Gefilden kommen dort auch einige modernere Errungenschaften wie etwa Gewehre vor.
    Ein großes Problem und wichtiges Thema der Hintergrundgeschichte ist die zunehmende Zahl an so genannten Hohlgeborenen – Kindern, welche ohne Seele auf die Welt kommen. So zum Beispiel der Nachwuchs eines Fürsten im Startgebiet, dessen verzweifelte Suche nach einem Gegenmittel schon so manchem armen Heilkundigen zu einem unwürdigen, baumelnden Ende am örtlichen Hinrichtungsbaum verholfen hat. Mitten in die schwierige Situation gerät unser Held, anfangs noch als Mitglied einer Gruppe von Siedlern, die sich in der Gegend niederlassen möchten. Nach einem mysteriösen Zwischenfall ist der Hauptcharakter plötzlich in der Lage, mit Verstorbenen zu sprechen oder auch einen Blick in die vergangenen Leben seiner Zeitgenossen zu werfen. Der Beginn einer spannenden Reise voller Geheimnisse und neuer Erkenntnisse.
    Auch in anderen Städten und Dörfern der Welt spielen die Hohlgeborenen und das Thema Seelen immer wieder eine wichtige Rolle. Vom Magiern, über Politiker bis zu Wissenschaftlern rätseln alle über die Gründe für das unliebsame Phänomen und suchen nach Mitteln zur Heilung bzw. Vorbeugung. Auch sonst ist durch die Fülle an unterschiedlichen Weltanschauungen, Völkern, Gottheiten und Vermögensverhältnissen für ein abwechslungsreiches und stellenweise ganz schön düsteres Setting gesorgt, in das vor allem eifrige Leser durch entsprechende Texte besonders tief eintauchen können.

    Gottähnliche können schon etwas gewöhnungsbedürftig aussehen

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    Gottähnliche können schon etwas gewöhnungsbedürftig aussehen

    Alte Bekannte, neue Alternativen
    Bevor man in den ganzen Schlamassel hineingerät, wird nach alter Tradition aber erst mal die Hauptfigur erstellt. Der Held oder die Heldin stammt aus einer von sechs Rassen (mit jeweils auch noch Unterformen), außer den Klassikern Mensch, Elf und Zwerg stehen mutiert aussehende Gottähnliche, blauhäutige kräftige Aumaua sowie die spitzohrigen und ziemlich behaarten kleinen Orlaner zu Wahl. Das Aussehen lässt sich durch diverse vorgefertigte Gesichter und Frisuren samt Haut- und Haarfarben etwas anpassen. Außerdem muss man sich für kulturelle Ursprünge (Herkunftsregion und Hintergrund, z.B. Gelehrter oder Landstreicher) entscheiden, was mit speziellen Boni verbunden ist und etwa auch im Tagebuch des Helden festgehalten wird. Durch Antworten in bestimmten Gesprächen wird diese Herkunftsgeschichte später noch ein wenig ausgestaltet.
    Wichtig ist natürlich auch die Klasse, hier stehen elf verschiedene, weitgehend klassische Berufe zur Verfügung, vom Barbaren, über Zauberer oder Waldläufer bis zum etwas ungewöhnlicheren Sänger, der mit seinen Balladen für interessante, nützliche Effekte im Kampf sorgt. Durchs Aufleveln im Spielverlauf können sich die Pappenheimer aber auch ziemlich stark von den ursprünglichen Stärken ihrer anfangs gewählten Klasse wegentwickeln.
    Ebenfalls genretypisch sind außerdem Punkte auf diverse Charakterwerte zu verteilen: Macht, Verfassung, Gewandtheit, Wahrnehmung, Intelligenz und Entschlossenheit mit ihren jeweiligen Auswirkungen auf Faktoren wie Gesundheit oder Abwehr wollen sinnvoll gesteigert werden.

    Zusammen ist man weniger allein
    Dem Hauptcharakter schließen sich schnell einige Mitstreiter an, die Party besteht aus bis zu sechs steuerbaren Gefährten gleichzeitig. Neben „richtigen“ Charakteren mit eigener Geschichte und komplexen Hintergründen können gegen Bezahlung ergänzend auch simple Söldner angeheuert werden.
    Die diversen Nebenfiguren sind durch ihre Eigenheiten aber wesentlich interessantere Begleiter, durch die man einen schönen Einblick in verschiedene Kulturen erhält und auch ab und an zum Lächeln gebracht wird. Unter anderem trifft man auf einen übellaunigen Priester oder die „Schneezwergin“ Sagani, welche in Begleitung ihres Polarfuchses schon seit Jahren auf der Suche nach einem wiedergeborenen Dorfältesten die ihr fremden Landschaften fern der verschneiten Heimat durchstreift. Auch die anderen Figuren haben eigene Missionen und Ziele, bei deren Erfüllung man ihnen unter die Arme greifen kann.
    Beim Herumlaufen gibt es gelegentlich kurze nachdenkliche oder lustige Wortwechsel zwischen den Freunden, diese Dialoge könnten aber ruhig zahlreicher sein. Geredet wird sonst allerdings ziemlich viel – Questgeber und andere Personen lassen sich in teils ausufernde Gespräche verwickeln, von denen leider nur manche vertont sind (mit sehr guter englischer Sprachausgabe). Den großen Rest muss man also selber lesen, darf hier aber immerhin auch auf eingedeutschte Texte zurückgreifen. Die Übersetzung ist jedoch nicht makellos – es gibt gelegentliche Grammatikfehler oder fehlende Wörter, bei mehreren Übersetzungsmöglichkeiten wird manchmal die ungünstigere gewählt oder ab und zu meine Heldin als „er“ tituliert. Angesichts der wirklich riesigen Textmenge, abseits der Dialoge z.B. in teils gruselig-brutalen Seelen-Geschichten oder allerlei Schriftstücken, fallen die Patzer aber etwas weniger ins Gewicht.
    Die Handlung wird teilweise durch schicke Buchseiten (plus Geräusche) vorangetrieben, die auch immer wieder Entscheidungen zum weiteren Vorgehen enthalten. In Gesprächen machen ergänzende Textzeilen zu Details wie den aktuellen Gesichtsausdrücken der Sprechenden oder ihrem Aussehen die Personen lebendiger, so dass der verwaschene, grobe Look der Gesichter ein wenig ausgeglichen wird.
    Ein nettes kosmetisches Extra ohne spielerischen Nutzen sind verschiedene tierische Begleiter von Hunden bis zu exotischeren Viechern wie Minidrachen, die man hinter den Protagonisten hermarschieren oder -flattern lassen kann. Vollwertige, ins Kampfgeschehen eingreifende Kumpels sind dagegen Waldläufer-Gefährten wie der erwähnte Polarfuchs.

    Ein echter Zeitfresser
    In der isometrischen, aus einem festen Blickwinkel gezeigten (aber heranzoombaren) Spielwelt warten Ummengen an Quests und Zusatzaufgaben, von denen man einige leicht verpassen kann, wenn nicht geflissentlich jede Ecke der Schauplätze abgeklappert und jeder potenzielle Auftraggeber angequatscht wird. Die Spielzeit hängt hier natürlich sehr stark von der eigenen Herangehensweise ab, sicher ist aber, dass Pillars of Eternity einen großen Umfang bietet und nicht nur absolute Perfektionisten lange Zeit beschäftigen und gut unterhalten wird.
    Für die gern mal mehrteiligen Quests stehen oft mehrere Lösungsvarianten zur Verfügung und auch in Dialogen sind manche Antwortmöglichkeiten von den Charakterwerten abhängig, so dass redegewandte Helden z.B. mancher Auseinandersetzung entgehen (ohne auf eine Belohnung verzichten zu müssen) oder gebildete Reisende ihr Insider-Wissen einsetzen können, um das Gespräch in ganz neue Richtungen zu lenken. Außerdem kann man z.B. Hinterbliebenen das traurige Ende ihrer Lieben verschweigen bzw. an anderen Stellen schwindeln oder immer bei der, teils harten, Wahrheit bleiben.
    Abhängig von der Hilfsbereitschaft, der Skrupellosigkeit oder dem Gerechtigkeitssinn des Helden erwirbt sich dieser in den verschiedenen Regionen sowie bei bestimmten Fraktionen einen eigenen Ruf und verändert manche Elemente der Geschichte, bis hin zu unterschiedlichen Enden.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 17.Apr.2015 3.766 x gelesen

    Pillars of Eternity
    Publisher Koch Media
    Hersteller Obsidian Entertainment
    Genre Rollenspiel
    Altersfreigabeab 16 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PC26.03.2015 Kaufen