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    Erinnern sie sich noch an gute Actionspiele, welche Zeitreisen thematisierten? Timeshift und Singularity sind die letzten Kandidaten die mir da einfallen. Mit der Veröffentlichung der XBox One wurde von Remedy (Max Payne-Serie) ein neues Spiel mit Zeitreisethematik namens Quantum Break als Launchtitel angekündigt. Und dann erstmal verschoben. Schon ironisch, dass ein Spiel, in dem es um Zeitreisen geht, nicht mal pünktlich kommen kann. Nun endlich kann man Quantum Break für XOne und PC käuflich erwerben. Auch wir haben ein Testmuster der Konsolenfassung erhalten und sind in die Zeitmaschine gestiegen um ihnen unsere Eindrücke zu schildern.

    quantumbreak

    (c) Microsoft Studios
    ab 05.04.2016 im Handel
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    Das Gordon-Freeman-Prinzip
    Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist ein junger Kerl namens Jack Joyce. Der kommt an die Universität seiner Heimatstadt Riverport, um dort seinen Kumpel Paul Serene zu besuchen, der zusammen mit seinem Bruder William Joyce an einem Forschungsprojekt arbeitet. Was Jack noch nicht weiß: Bei diesem Projekt geht es um eine Zeitmaschine und just am heutigen Tag soll der erste Testlauf starten, mit dem Paul endlich beweisen will, dass die Maschine wirklich funktioniert. Noch sichtlich verdutzt wird Jack sogleich eingespannt, um bei der Aktivierung zu assistieren und dafür ein paar Knöpfe zu drücken. Spätestens seit Half-Life weiß man als passionierter Spieler aber: wenn man bei einem schrägen Wissenschaftsexperiment einen Hebel umlegen oder einen Knopf drücken soll, dann geht das nie gut aus. So auch hier: Die Maschine hat eine Fehlfunktion und es bildet sich ein Riss in der Zeit, der immer größer wird und letztendlich droht, die gesamte Zeit zum Stillstand kommen zu lassen. Mit anderen Worten: Weltuntergang. Erschwerend kommt hinzu, dass auch noch die böse omnipotente Firma „Monarch Solutions“ anfängt auf Jack Jagd zu machen. Jack bekommt durch den Unfall nämlich Superkräfte mit denen er die Zeit manipulieren kann. Aber nicht nur deswegen hat der Konzern ein Interesse am Protagonisten, der fortan alle Hände voll zu tun hat, die drohende Katastrophe aufzuhalten.

    Um mich nicht zu weit ins Spoilerterritorium zu wagen, verrate ich mal nicht mehr. Die Handlung ist für einen Actiontitel ungewöhnlich komplex und bisweilen auch etwas verwirrend (was Zeitreisegeschichten aber oft so an sich haben). Im Laufe des Spiels ergeben sich so einige spannende Wendungen, die nicht nur vom Spiel selbst getragen werden, nein, man hat sogar eine eigene Liveaction-Serie inszeniert, die in ihrer Qualität ohne weiteres an echte Fernsehserien herankommt und mit namhaften Schauspielern aufwarten kann: u.a. Aidan Gillen (Lord Kleinfinger aus GoT), Lance Reddick (aus Fringe) oder Dominic Monaghan (Charlie aus Lost). Letzteren gibt es aber nur als digitales Motion-Capture-Abbild im Spiel zu sehen. Nach jedem geschafften Kapitel bekommt man eine der etwa 20 minütigen TV-Episoden zu sehen, von denen es jeweils zwei leicht unterschiedliche Varianten gibt. Das liegt daran, dass man im Spiel an bestimmten Schlüsselstellen eine Entscheidung treffen muss z.B. ob man die Zeugen des Laborunfalls beseitigen oder lieber eine PR-Kampagne starten will, um die Sache zu vertuschen. Wirklich verändern kann man den Ablauf der Story aber kaum. Die Kurven sind etwas anders, aber man kommt letztendlich immer am selben Ende an.

    Kampf gegen die Zeit
    Im Kern ist Quantum Break ein storylastiger, linearer Third-Person-Shooter. Neben den ruhigen Erzählpassagen, in denen man auch die Umgebung nach Dokumenten mit zahlreichen Hintergrundinfos durchstöbern kann, warten hier auch immer mal wieder Rätsel auf den Spieler, die aber stets sehr einfach gehalten sind und immer irgendwie mit Jacks Zeitkräften gelöst werden müssen. Mit dem Zeitblick (der ersten Fähigkeit die Jack erhält) werden Gegner, Waffen und Stellen, an denen wir die Umwelt manipulieren können, hervorgehoben. In der Regel muss man dann einfach zu dieser Stelle hinlaufen und dort die Zeit ein Stück weit zurückspulen, damit sich z.B. eine zerstörte Brücke wieder zusammensetzt, über die man dann weiterkommt.

    Richtig zum tragen kommen die Fähigkeiten allerdings bei den Kämpfen mit den Monarch-Söldnern: mit dem Zeitstopper frieren wir einen Gegner kurzzeitig in einer Blase ein, ballern ein ganzes Magazin in seine Richtung und werden dann Zeuge, wie nach dem auflösen der Blase alle Kugeln gleichzeitig einschlagen. Zusätzlich verfügen wir über einen kurzzeitigen Schutzschild, eine Art Zeitgranate, können einen „the Flash“-mäßigen Supersprint hinlegen und „whooshen“, was in etwa einem kurzen Teleport von Punkt A nach B entspricht. Allerdings sind die Fähigkeiten nicht unbegrenzt einsetzbar, sondern haben nach ein bis zwei Einsätzen eine Cooldown-phase nötig, sodass man schon etwas taktisch vorgehen muss, da Jack nicht viele Treffer aushält und einen die KI im späteren Spielverlauf auch gern mal mit Granaten und Flankenmanövern aus der Deckung zu treiben versucht. Die Monarch-Schergen verfügen dann auch über spezielle Anzüge, die ihnen dieselben Zeitkräfte verleihen wie Jack. Zudem marschieren sie in zunehmend dickeren Rüstungen auf, die nur auf der Rückseite eine Schwachstelle haben und sich entsprechend schwierig durchdringen lassen. Wer sich genau umsieht, kann in den Levels auch immer wieder auf s.g. Chrononquellen stoßen, mit denen sich die Fähigkeiten aufleveln lassen, sodass z.B. der Zeitstopper etwas länger hält.
    Etwas schwach finde ich allerdings die Waffenauswahl: die knapp ein Dutzend Knarren entsprechen allesamt dem Shooterstandard und bieten keine Überraschungen. Nicht einmal ein Scharfschützengewehr gibt es, obwohl man auf mehrere Gegner trifft, die eines haben. Immerhin fühlen sich die Waffen gut an und erzeugen ein befriedigendes Trefferfeedback.

    Spätestens bei den Kämpfen in den Anomalien kommt dann auch die tolle Präsentation zum tragen: wie erwähnt bricht nach und nach die Zeit zusammen und man landet immer wieder in Zeitschleifen. Hier steht die Zeit nicht einfach nur still, sondern wird immer wieder ein paar Sekunden vor und zurückgespult: so kracht z.B. ein Schiffscontainer immer wieder auf den Boden, nur um sich sogleich wieder in die Luft zu erheben und wieder zurückzukrachen. Fast ein wenig so wie ein DJ, der mit seinem Plattenspieler Scratching-Kunststückchen hinlegt. Das wird von den Designern auch immer mal wieder für Geschicklichkeitseinlagen benutzt (wenn man z.B. unter dem erwähnten Container im passenden Moment „hindurchwhooshen“ muss). Am meisten Spaß machen hier jedoch die Kämpfe. Es ist unglaublich atmosphärisch in einer solchen Zeitanomalie gegen die Monarch-Soldaten zu kämpfen, während alles sonstige in einer endlosen Zeitschleife gefangen ist. Verstärkt wird der surreale Eindruck auch durch kreative Grafikeffekte: in den Anomalien wirkt die ganze Umgebung immer auch ein wenig so, als wäre sie „zerbrochen“ oder als würde man sie durch eine zerbrochene Glasscheibe betrachten. Ist schwierig zu erklären – muss man sehen. Auch die Geräusche wirken dann entsprechend verzerrt.

    quantum-break-gunfight

    Bild 1 von 6

    Remedy setzt in den Zeitanomalien sehr stylishe Partikeleffekte ein.

    Die Uhr läuft nicht perfekt
    Grafisch macht Quantum Break einen sehr guten Eindruck, allerdings gibt es hier auch ein paar Kleinigkeiten, die das Gesamtbild etwas trüben: so wird ein nicht abschaltbarer Grieselfilter verwendet, der dem ganzen einen filmischen Look verleihen soll, aber meiner Meinung nach einfach nur übel stört. Ehrlich, ich dachte erst mein HDMI-Kabel hätte einen weg. Auch wird hier offensichtlich ein leichter Verwischeffekt benutzt, der aber zum Glück sehr subtil ist. Schlimmer sind da schon die Bildartefakte die besonders bei Schattenwürfen und Spiegelungen von Licht auf reflektierenden Oberflächen auftreten. Das liegt vermutlich an Remedys Rendertechnik, die ein niedriger aufgelöstestes Bild nachbearbeitet und dann auf Full-HD hochskaliert. Wirklich nervig sind auch die Ladezeiten: selbst wenn sie nur eine Ingame-Zwischensequenz abbrechen wollen, starren sie erst mal eine Weile auf einen Ladebildschirm, und das fast so lange, wie die Zwischensequenz selbst gedauert hätte – meist natürlich vor schwierigen Kämpfen, die man nicht beim ersten Anlauf schafft.

    Die Spielzeit liegt mit etwa 10 Stunden auch „nur“ auf normalen Niveau, wobei die Serienepisoden hier schon mit eingerechnet sind. Ein Wiederspielwert ergibt sich hauptsächlich durch die verschiedenen Storystränge, die aber wie erwähnt die Episoden nur marginal beeinflussen. Einen Multiplayer hat Quantum Break leider nicht.

    Fazit

    Trotz kleinerer Probleme bei der Grafik ist Quantum Break meiner Meinung nach einer der besten Actiontitel des Jahres und kann mit tollen Zeit-Actionsequenzen und einer spannenden Handlung überzeugen. Schade, dass sich Remedy spielerisch nicht noch ein bisschen mehr getraut hat, denn für einen Award ist mir das ganze doch etwas zu linear und schlauchig. Für XBoxler trotzdem ein Must-have.

    Wertung


    Pro

    • komplexe Handlung mit Zeitreisethematik
    • coole Spezialeffekte in den Zeitanomalien

    Contra

    • recht linear. Da wäre vielleicht etwas mehr drin gewesen.
    • nicht abschaltbarer Körnungsfilter
    • Spielzeit könnte etwas länger sein

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Denny Vitzthum 7.Apr.2016 928 x gelesen