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    Man stelle sich vor, der Protagonist eines Adventures wäre von seinem Charakter exakt so gepolt, wie der Spieler ihn steuert: kleptomanisch, soziopathisch und mit einer völligen Gleichgültigkeit gegenüber den Konsequenzen seines Handelns gesegnet. Zugegeben, wenn Daedalic auf der Packung steht, ist das jetzt nicht zwingend was außergewöhnliches, auch wenn sie hier nur als Publisher den spanischen Nexus Game Studios Schützenhilfe leisten. Aber was den namensgebenden Randal Hicks dem Spieler möglicherweise näher denn je bringt, ist die Tatsache, dass er eben ein ganz normaler Geek ist, der sich mit seinem Kumpel Matt Griffin regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit besäuft und dabei gerne über Nerds und Fanboys ablästert.
    Wie auch immer, eines Sonntag Abend begibt es sich, dass Matt und seine Freundin Sally mit ihm ihre Verlobungsfeier abhalten, die in ein Saufgelage ausartet. Im Verlauf landet der angeblich mystische Verlobungsring, den Matt auf abstruse Weise erworben hat, in Randals gierigen Grabschern und von dort in seinem Inventar. Am nächsten Morgen muss er feststellen, dass Matt auf bestialische Weise Selbstmord begangen hat und der Diebstahl des Rings, neben einigen weiteren Vorfällen der Nacht, an die er sich nicht mehr erinnern kann, dabei wohl eine Schlüsselrolle spielt.

    Das initiale Verlobungsbesäufnis

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    Das initiale Verlobungsbesäufnis

    Und täglich grüßt das Murmeltier
    Dass der Ring tatsächlich mystische Kräfte zu haben scheint, merkt Randal allerdings erst, als er am nächsten Tag aufwacht und feststellt, dass es immer noch (oder schon wieder) Montag ist und der Tag sich scheinbar in einer Bill Murray’esken Zeitschleife wiederholt.
    Anders als beim Murmeltiertag ändern sich hier allerdings jedes mal mehr oder minder kleine Details, denn alles was sich am laufenden Montag verändert, bleibt auch für den folgenden bestehen, nur dass es für fast alle anderen Figuren um unseren verkappten Helden entweder schon immer so gewesen zu sein scheint oder sich eben als Resultat der durchzechten Nacht darstellt. Dem gegenüber stehen allerdings gänzlich losgelöste Dinge, die sich teils drastisch ändern, offenbar bedingt durch den Butterfly-Effekt und das Bestreben des Raumzeit-Kontinuums, sich nicht via Zeitparadoxon selbst zu zerstören.
    Für den Spieler gilt es nun, Randal irgendwie aus der Zeitschleife zu befreien und dabei möglichst auch noch Matt zu retten. Aber das gestaltet sich natürlich nicht so einfach, da der Ring eigene Pläne hat und sich jeder neue Montag in eine katastrophalere Richtung entwickelt. Während die Story so die eine oder andere unerwartete Wendung nimmt, geben eigentlich erst die ganzen Nebencharaktere, die alle irgendwie durchgeknallt sind, dem Spiel die Würze. Entweder sind sie Abziehbilder mehr oder minder bekannter Film-, Fernseh- oder Comicfiguren oder pflegen einen ausgeprägten Fandom Tick in diese Richtung oder beides. Wer also nicht massiv Medien geschädigt ist, wird wohl nur einen Bruchteil der Anspielungen in diesem Spiel verstehen und zu würdigen wissen.

    unauffindbare Rätsel und banale Lösungen
    Präsentiert wird diese wirre Odyssee als klassisches Adventure im Comic Stil, der vermutlich nicht ganz zufällig an Cartoon Serien wie „Family Guy“ erinnert. Beim essentiellen Rätselspaß macht das Game allerdings deutliche Abstriche. Das Rätselniveau ist eigentlich nicht sonderlich hoch, aber einige Lösungen sind schon wieder so banal, dass man sie in der dargestellten Geek World gar nicht mehr in Betracht zieht und an anderer Stelle scheitert es einfach an übersehenen Hotspots. Letzteres liegt allerdings nicht an fehlender oder schlechter Hotspotanzeige – diese funktioniert hervorragend. Allerdings werden einige Hotspots erst im Verlauf aktiv und passenderweise verschmäht unser Kleptomane zunächst diverse potenzielle Inventargegenstände, bis diese nützlich werden, während andere bereits recht frühzeitig, ohne unmittelbaren Nutzwert ins Inventar wandern. Zusätzlich steckt man an einigen Stellen auch gerne mal fest, weil man keine sinnvollen Aufgaben mehr sieht und eigentlich alles für die nächste Montagsiteration bereit wähnt.
    Dank integrierter Komplettlösung kommt man zwar immer weiter, aber für Puristen ist es natürlich ein ziemliches Fauxpas, diese zu nutzen. Da hätte man mit etwas dezenteren Hinweisen und besserem Feedback aus dem Spielgeschehen sicherlich eine elegantere Lösung finden können. So kommt man trotz Lösung zumindest auf annähernd zwanzig Stunden Spielzeit, was im Vergleich ganz ordentlich ist.

    Kleider machen Leute
    Technisch macht das Spiel einen runden Eindruck. Die Grafiken und Animationen sind in sich stimmig. Musikalisch kommt ein angenehm unaufdringlicher Roadmovie Flair rüber. Besonders zu erwähnen ist sicherlich die gute Lokalisierung. Neben den geschriebenen Texten in sechs Sprachen, liegen drei Synchronisationen in Deutsch, Englisch und Spanisch vor, die sich alle auf qualitativ hohem Niveau bewegen. In der englischen Variante konnte man offenbar sogar den Schauspieler Jason Mewes verpflichten, um seiner Paraderolle Jay, vom Anarcho-Duo Jay und Silent Bob, welches einen kleinen Gastauftritt hat, seine Stimme zu verleihen.

    Fazit

    Randal's Monday ist ein Anarcho Trip durch eine Welt voll von Geeks und Anspielungen auf diese Subkultur. Die Story lässt sich durchaus spannend an, ist jedoch vor allem gegen Ende irgendwie mit der heißen Nadel gestrickt. Rätseltechnisch wird leider nur Mittelmaß geboten. In Sachen Präsentation herrscht hingegen hohes Niveau. Alles in allem also eher was für mediale Klugscheißer, als für reine Rätselfreaks ohne Fanboy-Allüren.

    Wertung


    Pro

    • grandiose Hommage an die Geek-Kultur
    • abgedrehte Charaktere
    • eingängige Steuerung
    • ordentliche Spieldauer

    Contra

    • viel Latscherei
    • mäßiger Rätselspaß
    • die Story wirkt gegen Ende etwas einfallslos

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von André Pannenbecker 14.Nov.2014 3.494 x gelesen

    Randal's Monday
    Publisher Daedalic
    Hersteller Nexus Game Studios
    Genre Adventure
    Altersfreigabeab 16 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PC12.11.2014 Kaufen
     

    Artikel

    Demo zu Randal’s Monday

    vom 11.Dez.2014 0 Kommentare