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    Die Protagonistin von Remember Me erwacht ohne jede Erinnerung auf dem kalten Fußboden einer Gefängniszelle und hat keinen Schimmer was eigentlich los ist. Nur ihren Namen weiß sie noch: Nilin. Was zuerst nach dem Ergebnis einer aus dem Ruder gelaufenen Disconacht klingt, entpuppt sich schnell als dystopischer Alptraum. Nilin ist den Schergen des Megakonzerns Memorize in die Hände gefallen, welche gerade ihr Gedächtnis gelöscht haben. Im Neo-Paris des Jahres 2083 ist das nichts Ungewöhnliches. Die Firma hat eine Technologie entwickelt, mit der sich Erinnerungen auslesen, löschen, manipulieren und am wichtigsten – wie Drogen handeln lassen. Viele Menschen sind inzwischen regelrecht abhängig, manche sogar aufgrund des exzessiven Konsums zu gollumhaften Zombies mutiert, die wahllos Leute angreifen.
    Bevor Nilins Gedächtnis jedoch vollständig gelöscht werden kann, wird sie von Edge, dem ominösen Führer der Widerstandsbewegung der Erroristen befreit und aus der morbiden Forschungsanstalt herausgelotst. Fortan folgen wir in dem rund 8-10 Stunden dauernden Spiel dem stets nur über Funk in Erscheinung tretenden Revoluzzer, um Memorize zu bekämpfen und die eigene Erinnerung wiederzufinden, die noch irgendwo gespeichert sein muss.

    Wenn die Erinnerungslücke zur Gewohnheit wird

    Dontnods Debuttitel wirkt auf den ersten Blick wirklich sehr vielversprechend. Remember Me mixt verschiedene Spielprinzipien erfolgreicher Spiele und erweitert diese mit ein paar netten Ideen in einem ebenso reizvollen wie befremdlichen Zukunftsszenario. Unter der Oberfläche ist das Spiel jedoch ähnlich dünn wie die Heldin selbst.
    Remember Me unterteilt sich im Kern in drei spielerische Elemente. Da wären zum einen die Klettereinlagen, die ein wenig an Prince of Persia erinnern. Nilin muss in ihrem früheren Leben wohl Parkourprofi gewesen sein und turnt mit Leichtigkeit an Hausfassaden, Rohren und Kanten herum, während unter ihr die Abgründe gähnen. Dumm nur, dass uns das Spiel mittels Markierungen immer haargenau vorkaut, wo wir als nächstes hinspringen müssen. Bis auf ein paar timingkritische Stellen verkommt die Kletterei so leider zu einer total anspruchslosen Sightseeingtour, in der man bloß die richtige Richtung und die Aktionstaste für Sprünge drücken muss. Dank der starken Linearität gibt es meist nur genau einen Weg. Lediglich hier und da sind etwas abseits ein paar Extras versteckt, die bei fünf gefundenen Exemplaren die Lebensenergie oder den Focus (dazu später mehr) dauerhaft erhöhen. Etwas Abwechslung bringen immerhin die s.g. Reminiszenen ins Spiel. Dabei handelt es sich um Erinnerungen anderer Charaktere, die vor uns in die Wirklichkeit projiziert werden und uns z.B. helfen ein Minenfeld zu durchqueren, indem wir einfach dem Weg der geisterhaften Projektion folgen.

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    Bild 1 von 10

    In der Zukunft erledigen Roboter lästige Aufgaben wie das reinigen von Toiletten :)

    Etwas gehaltvoller sind da schon die Kämpfe. Trotz aller Kletterkünste lassen sich Begegnungen mit den Firmensöldnern oder den „Leaper“ genannten Gedächtnismutanten nicht vermeiden. Die Kämpfe laufen dann ganz ähnlich ab wie in Batman Arkham Asylum/City. Mittels Bewegungs-, Sprung-, und Aktionstasten fegen wir durch die gegnerischen Reihen. Das sieht dank der flüssigen Animationstechnik fast genauso cool aus wie bei der Fledermaus. Dazu kommt noch, dass wir nach und nach neue Schlagtechniken freischalten, die wir in einem Editor zu Kombos zusammenstellen können. Die Angriffe unterteilen sich in drei Kategorien: eine verursacht viel Schaden, eine lädt Lebensenergie wieder auf und die dritte die Focusanzeige. Ist Letztere gefüllt, kann Nilin eine der fünf Spezialfähigkeiten ausführen, die sie ebenfalls nach und nach im Spiel freischaltet, durch die etwas Taktik in die Kloppereien kommt.
    Abgesehen davon geht es bei den Kämpfen aber nur darum, sich die Finger an den beiden Maustasten plattzudrücken, rechtzeitig auszuweichen, wenn ein Gegner zu einer Attacke ansetzt, und im geeigneten Moment eine der Spezialfähigkeiten einzusetzen. Wirklich anspruchsvoll sind nur die cool inszenierten Bosskämpfe. Mehr als Prügeln werdet ihr in Remember Me auch nicht, denn Schusswaffen scheinen (zumindest für Menschen) in Neo-Paris tabu zu sein. Lediglich eine Art Datenhandschuh, den man relativ früh im Spiel bekommt, kann mittels Fernangriff kurzzeitig Gegner lähmen und Objekte in der Umgebung manipulieren, was oft für irgendwelche Verschieberätsel genutzt wird. Das sind dann auch die wenigen Stellen, an denen mitunter etwas Hinschmalz gefordert ist.

    Wir (s)pulen in der Vergangenheit

    Als Letztes wäre da noch das Element der Erinnerungsmanipulation. Nilin hat die Fähigkeit in die Erinnerungen von Menschen einzudringen und diese zu manipulieren, meist damit diese uns danach wohlgesonnen sind. Dazu wird uns die entsprechende Erinnerung in Form einer Zwischensequenz präsentiert. Nach dem diese einmal durchgelaufen ist, können wir in ihr wie in einem Videoband herumspulen und sie immer wieder ablaufen lassen, mit dem Unterschied, dass wir nun Objekte in der Erinnerung manipulieren können. Dazu muss man im Grunde nur auf eine charakteristische Bildstörung achten, den „Film“ an der entsprechenden Stelle anhalten und die Aktionstaste drücken. Meist muss man einfach nur alle verfügbaren Objekte manipulieren (eine Narkosemaske lockern, einen Tisch ein Stück weit verschieben u.s.w.) um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Wirklich anspruchsvoll ist auch das nicht, auch wenn es interessant ist, die möglichen Kombinationen alle mal durchzuprobieren, um zu sehen was passiert. Leider sind diese Sequenzen aber auch recht selten im Spiel zu finden.

    Grafisch indes ist das Spiel wirklich nur als gelungen zu bezeichnen. Das Artdesign und die Kulissen sind ein echter Hingucker. Warum allerdings die weiblichen Charaktere allesamt solche Streichholzgliedmaße haben, wird wohl ein Geheimnis der Entwickler bleiben. Etwas negativ aufgefallen ist auch die ansonsten gute, aber halt oft nicht lippensynchrone deutsche Sprachausgabe.

    Fazit

    Unter der schönen Kulisse steckt ein leider ein sehr lineares Actionspiel mit ein paar kleineren Rätseleinlagen. Remember Me richtet sich allerdings mehr an Einsteiger, die eine schöne Kulisse und interessante Story zu schätzen wissen und denen Prince of Persia immer zu schwer war oder die sich in Arkham City nach den Prügeleien immer verlaufen haben.

    Wertung


    Pro

    • schöne Optik und Artdesign
    • interessantes Szenario und Story
    • coole Bosskämpfe
    • man kann sich Combos zusammenstellen

    Contra

    • sehr linear
    • Gameplay über weite Strecken eher anspruchslos
    • Sprachausgabe oft nicht lippensychron

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Denny Vitzthum 11.Jun.2013 3.955 x gelesen

    Remember Me
    Publisher Capcom
    Hersteller Capcom
    Genre Action-Adventure
    Weitere Infos
    Termine
    X36007.06.2013 Kaufen
    PS307.06.2013 Kaufen
    PC07.06.2013 Kaufen
     

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