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    Wenn man sich das Resident Evil-Franchise mal als Ganzes betrachtet, wird wohl jeder zustimmen, dass ab Teil 5 ein Bruch durch die Serie ging – weg vom eher gemächlichen Zombie-Grusel hin zur explosionslastigen Michael Bay-Mutanten-Schlachtplatte. Symptomatisch ist hier auch, dass die Filmreihe eine ganz ähnliche Entwicklung durchgemacht hat, wobei fraglich ist, wer sich hier von wem hat inspirieren lassen. Das Spin-off „Resident Evil Revelations 2“ orientiert sich vom Gameplay und der Atmosphäre her wieder an den alten Teilen und kombiniert dies mit dem Steuerungsschema der neueren. Die zwei intelligent miteinander verknüpften Handlungsstränge tun ihr übriges, um den Spieler zu fesseln und machen Revelations 2, soviel sei vorab schon mal verraten, zu einem der besseren Ableger der Serie.

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    (c) Capcom
    Systeme: PC, Konsolen
    seit 20.03.2015 im Handel
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    3 Frauen und ein Barry
    Der erste Handlungsstrang schildert die Erlebnisse von Claire Redfield, welche nach den Ereignissen in Racoon City der Organisation Terra Save beigetreten ist, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen zu helfen, die durch den um sich greifenden Bioterrorismus zu Schaden gekommen sind. Ebenfalls neu bei der humanitären Eingreiftruppe ist Moira Burton, die vorlaute Tochter von Serien-Urgestein Barry Burton. Die Handlung beginnt auf einer von Terra-Save organisierten Feier. Alles wirkt zunächst normal, als plötzlich der Strom ausfällt und die Fete von einer Truppe maskierter Söldner gestürmt wird. Claire und Moira werden betäubt und wachen einige Zeit später in heruntergekommen Gefängniszellen auf, die sich bei ihrem Erwachen ferngesteuert öffnen. Während sie sich von ihrem Kellerverlies nach oben vorarbeiten, merken die beiden, dass sie nicht allein sind. Neben diversen Zombies und Mutanten, welche sich Claire mit Pistole, Schrotflinte und Messer vom Leib halten muss, macht sich auch immer wieder eine merkwürdige Frauenstimme über Funk bemerkbar, die scheinbar die Türen und Fallen im Gebäude von einem unbekannten Ort aus fernsteuert.

    Auffallend und auch prägend für das ganze Spiel ist die strikte Aufgabenteilung der Charaktere. Im Solomodus übernimmt der Spieler die meiste Zeit die Figur mit den Schusswaffen, denn die hat schlicht am meisten zu tun. Man kann aber auch per Tastendruck jederzeit die andere Spielfigur übernehmen, die ansonsten von der CPU gesteuert wird. Da Moira Schusswaffen nicht ausstehen kann, begnügt sie sich damit, mit der Taschenlampe zu leuchten und den Zombies gegebenenfalls mit der Brechstange eins überzubraten. Außerdem kann sie Monster mit der Lampe blenden und somit kurzzeitig bewegungsunfähig machen. Mit ihrer Taschenlampe kann sie auch Items entdecken, die Claire sonst verborgen bleiben, weshalb man immer wieder zu Moira wechseln sollte, denn die KI sucht nicht für uns nach den Gegenständen.

    Im 2-Spieler-Splitscreenmodus, welchen es offiziell (für die PC-Version existiert zumindest ein Hack) nur auf Konsolen gibt, übernimmt ein zweiter Spieler die Rolle des Sidekicks. Inwiefern derjenige dann aber Spaß hat, ist Ansichtssache. Wenn mich jemand fragt, ob ich lieber Monster abballern oder mit der Taschenlampe leuchten will, dann weiß ich auf jeden Fall, was ich antworten würde. Apropos ballern: gelegentlich finden sich im Spiel verschlossene Kisten, die Moira mit ihrer Brechstange (nach Absolvierung eines ziemlich nervigen Minispiels) aufbrechen kann und die entweder spezielle Items wie Inventarerweiterungen oder Teile zum Modifizieren der Waffen preisgeben. Diese können dann mit Hilfe einer Werkbank an- und auch wieder abgebaut werden und steigern z.B. die Munitionskapazität, die Feuerrate oder den Schaden. Gerade letzteres ist sehr wichtig, da Munition genretypisch Mangelware ist. Der richtige Umgang mit den Ressourcen ist hier essentiell. Weiterhin kann man nach jeder Episode gesammelte Punkte einsetzen, um Spezialfähigkeiten freizuschalten und zu erweitern. Dazu gehört z.B. erhöhter Angriffsschaden mit dem Messer oder höherer Schaden von Schusswaffen während man in der Hocke ist. Schade ist dabei nur, dass man die Punkte immer nur am Ende einer Episode ausgeben kann. So kommt man im Laufe des Spiels nämlich nur achtmal dazu, die Punkte zu verteilen.

    Der zweite Handlungsstrang handelt von Barry Burton, der einige Zeit später, durch einen Notruf seiner Tochter alarmiert, am Ort des Geschehens eintrifft. Gleich nach seiner Ankunft läuft ihm Natalia über den Weg: ein unschuldig wirkendes, kleines Mädchen. Einerseits weiß Barry, dass sein Trip wohl gefährlich wird, andererseits will er sie aber auch nicht alleine und schutzlos zurücklassen.
    Da wäre also Barry, der als Waffenexperte anfangs deutlich besser ausgerüstet ist als Claire und mit Sturmgewehr und Revolver den Monstern ordentlich einschenkt, und zum anderen Natalia, die mehr ist als nur ein normales kleines Mädchen. Sie kann ebenso wie Moira versteckte Gegenstände finden und darüber hinaus Gegner dank eines sechsten Sinns durch Wände erspähen. Außerdem kann sie dank ihrer kleinen Hände bestimmte Schatztruhen öffnen und durch enge Öffnungen kriechen, was oft notwendig ist, um einige der Rätsel zu lösen, welche aber nicht sonderlich schwer zu durchschauen sind.

    Beide Gruppen sind im Laufe des Spiels dabei teilweise an den selben Locations unterwegs, müssen allerdings jeweils andere Aufgabenstellungen meistern. Die Schauplätze sind dabei atmosphärisch erstklassig gestaltet und vermitteln stets ein Gefühl der Bedrohlichkeit und Beklemmung. Hier lauert das Böse noch ganz klassisch im Schatten und explodiert einem nicht ins Gesicht. Schön, dass man das im Resi-Universum auch mal wieder sehen darf. Die normale Ladenfassung bietet zudem noch zwei kleine Zusatzkampagnen, die die Hintergründe der beiden Sidekicks etwas näher beleuchten.

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    Natalia wirkt unschuldig und harmlos. Sie kann allerdings mit ihrem sechsten Sinn eine große Hilfe sein.

    Der Raid-Modus
    Neben der Kampagne steht auch wieder der bereits aus dem Vorgänger bekannte Raidmodus zur Verfügung. Hier geht es darum, mit seiner Spielfigur (zur Wahl stehen bekannte Resident Evil Charaktere wie Claire, Hunk oder auch Wesker) eine Reihe von Missionen zu erfüllen, in denen man eine bestimmte Anzahl von Gegnern in einem meist recht kleinen Areal ausschalten muss. Löblich ist hier, dass man für den Raid-Modus Szenarien und Gegner verwendet, die in der Hauptkampagne nicht vorkommen. So ballern wir uns z.B. durch ein verschneites Bergdorf, die Straßen einer zerstörten Stadt oder lassen in einem futuristischen Unterwasserlabor die Sau raus. Die so gesammelten Punkte lassen die Spielfigur im Level aufsteigen und können zum Freischalten neuer Fähigkeiten investiert werden. Wie in einem Actionrollenspiel findet man in herumstehenden Schatztruhen zudem neue Waffen, die sich in einem Shop zwischen den Einsätzen aufrüsten oder auch verkaufen lassen. Die Missionen dauern zwar jeweils nur ein paar Minuten, durch die schiere Masse an Einsätzen und den Drang, seine Figur immer weiter durch bessere Waffen und neue Fertigkeiten zu verbessern, entwickelt der Raidmodus aber eine nicht zu unterschätzende Suchtwirkung, die zwar nicht ganz so stark ist wie bei den richtig guten Action-RPGs, aber doch schon recht nahe dran kommt und gerade für eine kleine Runde zwischendurch immer bestens geeignet ist.

    Die Grafik ist ja voll Zombie!
    Der größte Kritikpunkt von Revelations 2 ist sicherlich die Technik. Zwar wirkt das Spiel durch die düsteren Umgebungen und das gelungene Spiel mit Licht und Schatten meist sehr stimmungsvoll, das kann aber nicht über die Detailarmut und die oft verwaschenen Texturen hinwegtäuschen. Man merkt halt schon, dass das Spiel auch noch auf der alten Konsolengeneration laufen muss – wir hatten hier die X360 Fassung im Test. Auf dem PC und den Next-Gen-Konsolen sieht das Spiel dank höheren Auflösungen und einigen zusätzlichen Grafikgimmicks natürlich etwas besser aus, ist aber von High-End immer noch so weit entfernt wie ein Zombie von „schön“. Immerhin: das Spiel läuft flüssig, bis auf einige heftige Ruckler, welche immer beim Laden eines neuen Gebiets in den engen Speicher der Konsole auftreten. Zudem sind die Ladezeiten generell ziemlich lang.
    Auch die KI könnte bei den Kämpfen gerne etwas aggressiver agieren. Zwar leuchtet Moira meist brav mit ihrer Funzel in unsere Blickrichtung, so dass man fast immer alles gut sieht, aber in den Kämpfen lässt sie sich lieber passiv von den Monstern vermöbeln, anstatt mit ihrer Brechstange auszuteilen. Anfangs stört das noch nicht so, aber spätestens wenn der Schwierigkeitsgrad in der zweiten Episode anzieht, wünscht man sich, dass Moira eher nach ihrem Vater käme.

    Fazit

    Resident Evil Revelations 2 ist für mich genau das, was ein modernes Resi heute sein sollte. Ich fand zwar auch Resi 6 noch irgendwie gut (ja, steinigt mich ruhig!) aber rückblickend betrachtet war dieser ganze Actionoverkill vielleicht doch etwas zu viel des Guten. Ich will aber auch nicht unbedingt Resident Evil 1 mit seinen starren Kameraperspektiven und der Panzersteuerung. Ich will eigentlich eine Mischung: die Atmosphäre von damals mit dem Komfort und der Grafik von heute. Revelations 2 passt da noch am ehesten rein und hat mir wohl auch deswegen richtig gut gefallen - abgesehen von der nicht mehr so zeitgemäßen Technik vielleicht.

    Wertung


    Pro

    • motivierender Raid Modus
    • spannende Story
    • abwechslungsreiche Schauplätze
    • atmosphärisch sehr dicht

    Contra

    • mittelmäßige Grafik
    • lange Ladezeiten
    • KI könnte etwas aktiver zu Werke gehen
     

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Horror, Spiele
    von Denny Vitzthum 31.Mrz.2015 2.116 x gelesen