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    Während die großen Publisher seit Jahren auf Fortsetzungen altbewährter Kassenschlager setzen, kommen die frischen Ideen und gewagten Gameplayexperimente zumeist aus der Indieszene. Die alten Zeiten scheinen tatsächlich wiederzukommen, als man noch Hits mit ein paar Kumpels und einem Sixpack Bier am heimischen Rechner zusammenzimmern konnte. Auch wenn man diesen Spielen ihre Herkunft meist ansieht, so steckt doch oft eine Menge Spaß in diesen kleinen Spielen. Das Kickstarter-finanzierte und über Steam erhältliche Ring Runner: Flight of the Sages gehört definitiv in diese Kategorie, zumindest, wenn man das von Battlefield 4 verwöhnte Auge mal zudrücken kann.

    ringrunner

    Arcade Shooter
    von: Triple B Studios
    Preis: ca. 9 Euro (Steam)

    Ich hab`s im Kopf, aber ich komm nicht drauf: ah, natürlich, Vakuum!

    Der Held des Spiels, den wir nie zu Gesicht bekommen und der später nur „Hawk“ genannt wird, wacht auf einem OP-Tisch auf und kann sich partout an nichts mehr erinnern. Vor ihm steht ein Reagenzglas in dem ein recht großes Stück seines Gehirns herumschwimmt. Da wo vorher die graue Masse war, steckt jetzt eine künstliche Intelligenz namens Nero, die fortan in unserem Kopf mit uns spricht und nützliche Tipps und sarkastische Kommentare zum besten gibt. Warum wir jetzt einen Computer im Kopf haben und wer wir überhaupt sind, erfahren wir zunächst nicht, denn die Station, auf der wir uns anfangs befinden, wird angegriffen. Also schnappen wir uns den nächstbesten Raumgleiter und flüchten quasi in letzter Sekunde in einer halsbrecherischen Sequenz von der Station.
    Im weiteren Spielverlauf versuchen wir unsere geheimnisvolle Vergangenheit aufzuklären und unser Schicksal als ein sog. „Sage“ zu erfüllen. Mehr darf man hier wegen Spoilergefahr dann auch nicht verraten. Schade ist, dass diese Ereignisse nur in Form von Text und ein paar spärlich animierten Renderbildern präsentiert werden. Das ändert sich auch im weiteren Spielverlauf leider nicht. Allerdings darf man von einem Spiel, welches nicht einmal 300 MB auf der Festplatte belegt, auch keine opulenten Zwischensequenzen erwarten. Immerhin sind die Dialoge zwischen der Hauptfigur und Nero bzw. den anderen Charakteren sehr witzig geschrieben und auch der weitere Storyverlauf ist durchaus so angelegt, dass man gerne wissen will, wie es weitergeht, auch wenn die dröge Präsentation das Eintauchen ins Ring Runner-Universum nicht so recht zulassen will.

    Play it like Asteroids

    Fortan sind wir in einem kleinen Raumschiffchen unterwegs und müssen verschiedene, abwechslungsreich gestaltete Missionen erledigen. Ring Runner spielt sich dabei wie eine stark modernisierte Version von Asteroids. Das ganze Gameplay findet vor einer 2.5D Weltraum-Polygonkulisse statt, wobei das Geschehen stets auf einer flachen 2D-Ebene spielt. Man kann das Raumschiff stufenlos in alle Richtungen drehen, und wenn man Gas gibt, fliegt das Raumschiff, dem Gesetz der Massenträgheit folgend, solange weiter, bis man entweder auf ein Hindernis prallt oder in eine andere Richtung Schub gibt. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und es braucht schon ein wenig Übung, bis man sein Schiff sicher manövrieren kann. Spätestens wenn die ersten Gegner auftauchen, sollte man seinen Kahn aber einigermaßen im Griff haben, denn einige der Schlachten sind knallhart und erfordern eine gewisse Strategie. Es kommt z.B. darauf an, mit welchem Schiffstyp wir unterwegs sind. Es gibt wendige, aber schlecht gepanzerte Flitzer, behäbige Brummer mit dicken Schilden sowie Allrounder mit ausgewogenen Eigenschaften. Weiterhin muss man darauf achten, das besonders starke Laser die Temperatur hochtreiben und man dann warten muss, bis sich das Schiff wieder etwas abgekühlt hat. Oder man installiert sich ein System, das überschüssige Hitze in Form von Plasma ablässt, welches dann einige Zeit wie ein Minenfeld hinter dem Raumschiff zurückbleibt und so auch als Waffe eingesetzt werden kann. Manche Pötte sind wiederum weniger für den Kampf geeignet, haben aber dafür andere Stärken. In einer Mission müssen wir beispielsweise Weltraumschrott in Richtung eines Frachters befördern, damit der dort zu Rohmaterial weiterverarbeitet werden kann. Dazu bekommt man ein Schiff, welches mit einer Art Traktorstrahl ausgestattet ist, mit dem man den Schrott anziehen und wegstoßen kann. Dank Ziellinie und Minimap eine etwas hakelige, aber lösbare Aufgabe. Zur Not kann man mit diesem Schiff aber auch kämpfen, man muss eben nur wissen wie. Im späteren Spielverlauf bekommt man dann auch die Option verschiedene Schiffe zu kaufen und mit diversen Waffen und Extras aufzurüsten. Die sich ergebenden Kombinationsmöglichkeiten sind wirklich SEHR vielfältig, und da die Kampagne ziemlich umfangreich ist, hat man auch genug Gelegenheit zum Experimentieren. Leider kann man ein Schiff durch die Installation unpassender Extras auch komplett unbrauch- bzw. unspielbar machen. Hier hilft nur Trial & Error oder ein guter Onlineguide.
    Neben der Solokampagne wartet auch noch ein Multiplayermodus in dem man sich in einer Arena mit anderen Spielern und deren Raumschiffskreationen duellieren kann.

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    In dieser Arena müssen wir uns mit anderen Gladiatoren einen Schaukampf liefern.

    Das hässliche Schifflein

    Ok, machen wir uns nichts vor. Ring Runner kann grafisch nicht mit den großen Produktionen namhafter Studios mithalten. Wer prinzipiell außer Battlefield 4, Crysis und Co nichts anfasst, weil er sonst Augenkrebs bekommt, wird bei Ring Runner höchstens die Nase rümpfen. Sicher, die Planetenhintergründe sehen toll aus und die Effekte der Explosionen und diversen Waffen lassen bei einem Kampf mit mehreren Schiffen ordentlich die Post abgehen. Aber der Rest kann da leider nicht mithalten. Eintönige Umgebungen, spartanische Texturierung und ein generell eher niedriger Polgoncount erinnern an selige Sharewarezeiten der 90er. Immerhin wird das Spielgeschehen recht gut von der sphärischen Synthesizermusik getragen, wobei die Qualität hier auch etwas schwankt. Das ist bei der großen Anzahl der Tracks aber zu verschmerzen.

    Fazit

    Hinter der schlichten Fassade verbirgt sich eine durchaus interessante Arcadeballerei, für die man flinke Finger braucht. Die diversen Schiffstypen und Extras verleihen dem Spiel den heutzutage nötigen Anspruch, um bis zum Ende der umfangreichen Kampagne bei Laune zu halten. Schade, dass die an sich interessante Story und die Grafik nur so dröge präsentiert werden. Da wäre (auch im Indiesektor) mehr gegangen.

    Wertung


    Pro

    • recht umfangreich
    • viele Schiffe und jede Menge Upgrademöglichkeiten
    • witzig geschriebene Dialoge
    • abwechslungsreiches Missionsdesign

    Contra

    • Grafik ist bestenfalls zweckmäßig
    • recht starke Schwankungen beim Schwierigkeitsgrad
    • dröge präsentierte Zwischensequenzen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Denny Vitzthum 27.Dez.2013 4.919 x gelesen