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    Nach dem in 2D gehaltenen Download-Ableger Sacred: Citadel wird nun, zumindest dem Namen nach, endlich die eigentliche Reihe fortgesetzt. Allerdings haben sich viele Veränderungen ergeben, die langjährigen Fans wahrscheinlich nicht allzu gut gefallen…

    Koop-Kloppereien

    Die monströsen Legionen des schon aus dem Vorgängerspiel bekannten Fieslings Lord Zane treiben in Ancaria ihr Unwesen. Die letzte Hoffnung ist nun eine schlagkräftige Gruppe von Helden aus den verschiedenen Regionen der Spielwelt. Zur Wahl stehen ein nach Barbaren-Art muskelbepackter Safiri-Krieger, eine Lanzen-schwingende Ancarianerin, ein Khukuri-Bogenschütze sowie eine serientypische engelhafte Seraphim mit rasantem Klingen-Einsatz. In der First Edition findet sich außerdem auch noch ein Code für den eher düsteren Malakhim-Charakter. Individualisierungen der Figuren vor dem Start ins Abenteuer sind hier leider nicht drin.
    Statt einer frei begehbaren, offenen Spielwelt voller NPCs und Quests besitzt Sacred 3 lediglich abgegrenzte Gebiete für seine mehr oder weniger kurzen Missionen – das ist einer der großen Minuspunkte des Spiels. Besagte Missionen (mal etwas umfangreichere Abschnitte mit Bossgefechten am Ende, mal z.B. nur überschaubare Arenen mit mehreren aufeinander folgenden Gegnerwellen) erledigt man entweder im Alleingang oder mit Unterstützung durch menschliche Mitstreiter. Offline können dynamische Duos in die Schlacht ziehen, online sind sogar Vierer-Teams erlaubt. Der Ein- und Ausstieg ist jederzeit möglich und ganz unkompliziert. Am Ende der Levels gibt es einen kleinen Punktevergleich, um zu sehen, wer der erfolgreichste Monster-Metzler war. Während der Streifzüge kann man gefallene Kameraden wiederbeleben und die Fähigkeiten der Pappenheimer ergänzen sich ein wenig, allzu viele Teamwork-Vorteile und raffinierte Taktiken ergeben sich daraus jedoch nicht.

    Der kräftige Safiri bei der Arbeit

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    Der kräftige Safiri bei der Arbeit


    Nichts für Jäger und Sammler

    Auf den ersten Blick ist Sacred 3 ein typischer Diablo-Klon, in dem man sich wild Knöpfe drückend einen Weg durch große Gegnermassen bahnt. Zu diesem Zweck stehen dem Helden normale Waffen-Attacken, Schildbrecher, Exekutions-Manöver sowie die Spezialfähigkeiten seiner Klasse zur Verfügung, mit denen man nach dem Sammeln entsprechender Energie etwa die feindlichen Einheiten per Feuersbrunst malträtiert.
    Was dem Spiel, verglichen mit wichtigen Konkurrenztiteln, fehlt, sind interessante Beutestücke. Während sich andernorts schnell haufenweise coole Waffen und Rüstungsteile im Inventar stapeln, wird man hier hauptsächlich mit Gold abgespeist, was der Motivation nicht gerade zuträglich ist. Nur an wenigen Stellen, z.B. nach wichtigen Heldentaten, wird den Protagonisten mal eine neue Streitaxt oder ähnliches spendiert. Für diese Waffen, die Rüstung der Figuren und ihre Angriffsarten gibt es gegen Bezahlung jeweils ein paar Upgrade-Möglichkeiten, sobald die vorgegebenen Mindest-Levels erreicht sind. Aber auch in diesem Bereich fallen die Optionen recht spärlich aus.
    Durch seine Unkompliziertheit eignet sich das Spiel vielleicht ganz gut für Partien mit eher RPG-unerfahrenen Begleitern, für Veteranen ist es in vielen Bereichen aber wirklich zu simpel und anspruchslos. Manche Bosse sind zwar ein wenig knackiger und auch durch Gemeinheiten wie abstürzende Steinbrocken droht Gefahr, insgesamt kommt man aber selbst in höheren Schwierigkeitsgraden ohne Nachdenken oder geschickte Aktionen durch die stets gleichen Abläufe ans Ziel. Darüber hinaus fällt auch die Spieldauer ziemlich mickrig aus, denn nach ungefähr zehn Stunden sind bereits alle Missionen absolviert.

    Bonbonfarben und dumme Sprüche

    In Sachen Optik sticht vor allem die häufig sehr bunte Gestaltung ins Auge. Die farbenfrohen Schauplätze sind, was ihre Thematik betrifft, durchaus abwechslungsreich. Unter anderem führt uns der Weg durch magische Wälder, über heiß umkämpfte Schlachtfelder oder in von Untoten heimgesuchte Dörfer. Auch einige ganz nette Kreaturen und Effekte gibt es dort zu sehen. Wirklich beeindruckend wird das Gebotene aber zu keiner Zeit und auch das Fehlen von Bewohnern oder anderen lebendigen Details in den Gebieten lässt die Ausflüge unnötig langweilig werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Angriffsmuster, Hindernisse und Umgebungsbausteine oft mehrfach verwurstet werden – gerade angesichts der niedrigen Spieldauer hätte das nicht sein dürfen. Nebenbei bemerkt: Die weiblichen Charaktere tragen so hässliche freizügige Outfits, dass sie schon wieder lustig sind.
    Die vor Klischees triefende Story beginnt mit einem fulminanten Render-Video vor dem Spielstart, ansonsten gibt es aber zwischendurch nur hübsche Gemälde mit Sprachausgabe. Die deutschen Stimmen wurden eigentlich passend gewählt, ihre Texte sind jedoch manchmal hart an der Schmerzgrenze. Der Humor des Spiels hat mich vereinzelt kurz zum Grinsen gebracht, ist aber echt extrem albern. So bekommt man von einem Bösewicht z.B. ständig beknackte Versprecher zu hören („Wir werden nicht kaputtilieren!“…). Während des eigentlichen Spiels werden außerdem manche Kommentare alle paar Meter wiederholt, das nervt total.

    Fazit

    Sacred 3 ist bunt, leicht zugänglich und manchmal ziemlich albern. Es wird bestimmt Spieler geben, die – gerade in kurzen Koop-Ausflügen zwischendurch – ihre Freude an der unkomplizierten Schnetzelei haben. Aber das werden wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen die treuen Anhänger der Reihe sein. Letztendlich hat das Spiel mit seinen Vorgängern fast nur noch den Titel und den Schauplatz gemein. Mich persönlich hat am meisten das Fehlen einer ordentlichen Spielwelt sowie der Verzicht auf interessante Beutestücke gestört, denn dadurch mangelt es hier stark an Langzeitmotivation. Für fast alle Fans des Untergenres dürfte Diablo 3 wohl eher zu empfehlen sein, schon allein in Sachen Umfang kann das neue Sacred da einfach nicht mithalten.

    Wertung


    Pro

    • unkompliziertes, actionreiches Gameplay
    • Koop-Modus
    • ein paar interessante Bossgefechte
    • ganz hübsche Grafik

    Contra

    • keine große Welt, sondern nur zerstückelte Gebiete
    • fast keine Beute
    • stark eingeschränkte Charakterentwicklung
    • kurze Spieldauer
    • lineares Umgebungsdesign ohne Überraschungen
    • kindische Dialoge

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 6.Sep.2014 3.130 x gelesen

    Sacred 3
    Publisher Deep Silver
    Hersteller Keen Games
    Genre Action-Rollenspiel Hack&Slay
    Altersfreigabeab 12 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PC01.08.2014 Kaufen
    PS301.08.2014 Kaufen
    Xbox 36001.08.2014 Kaufen