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    Nach dem von der Presse gelobten Vorgänger, Sherlock Holmes: Crimes & Punishments, welches vor ca. 2 Jahren erschien, liefern die für die Spielereihe bekannten Entwickler Frogwares den nächsten Teil. Ob The Devil‘s Daughter uns genauso packen kann wie der Vorgänger, erfahrt ihr im Test.

    erschienen am 10.06.2016 (c) Bigben Interactive

    (c) Bigben Interactive
    seit 10.06.2016 im Handel
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    Der übernatürliche Meisterdetektiv
    Wir schlüpfen wahlweise in Ego- oder Third-Person-Perspektive in die Rolle von Sherlock Holmes, um im viktorianischen London schwierige Fälle aufzuklären. Neben den Fällen dreht sich die Geschichte auch noch um die Beziehung zwischen unserem Protagonisten und seiner Adoptivtochter Katelyn. Diese weiß nämlich noch nicht, dass ihr richtiger Vater Holmes‘ Gegenspieler Moriarty ist, und wird durch die Bekanntschaft mit einer okkulten Nachbarin von Holmes in die Geschehnisse dieser tragischen Vergangenheit verwickelt.

    An dieser Stelle können wir nicht wirklich weiter auf den Inhalt eingehen, ohne zu spoilern, jedoch vermischt das Spiel die Wirklichkeit mit übernatürlichen Elementen, welche parallel zu den Fällen ablaufen. An sich ein sehr interessanter Ansatz, der leider im ca. 10 Stunden langen Adventure nicht sein ganzes Potenzial entfalten kann und uns mit vielen offenen Fragen und Logiklücken zurücklässt.

    „Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache.“
    Wenn wir in einem Fall ermitteln, durchsuchen wir die betroffenen Räume auf Hinweise und Details. Diese eigentlich gut funktionierende Mechanik wird jedoch spätestens beim 2. Raum eher zur Geduldsprobe, da uns das Spiel in der Story nicht fortschreiten lässt, bis wir auch wirklich jedes kleinste Detail untersucht haben, welches sich manchmal sogar an Gegenständen befindet, die wir uns schon 2-3 Mal angesehen haben. Oftmals haben wir den Fall und die Zusammenhänge als Spieler schon lange im Kopf zusammengesetzt, werden jedoch durch die eben genannte Mechanik ausgebremst.
    Das grundlegende Gameplay von Sherlock Holmes: The Devil‘s Daughter ist jedoch an sich solide und uns werden mit den vorhandenen Fällen spannende Ausgangssituationen geboten. Sobald wir uns mit übernatürlichen Begebenheiten auseinandersetzen, gibt uns das Spiel beim Interpretieren der Hinweise und Zusammenhänge auch wieder etwas mehr Spielraum.

    Einige Situationen lassen sich von uns jedoch ohne die benötigten Hintergrundinformationen nur durch Raten lösen. Zum Beispiel besucht uns zu Beginn des Spiels ein Junge, der stark gerötete Augen hat, wir sollen uns nun dauerhaft (!) festlegen, ob er traurig oder krank ist und daraus dann weitere Schlüsse ziehen. Hierbei fühlte ich mich beim Spielen oft überfordert und fragte mich, wieso ein Sherlock Holmes mit solch einer Willkür ermittelt. Schade.

    Spannung kommt dann erst wirklich auf, wenn wir mehrere Verdächtige haben und uns die vorhandenen Beweise noch einmal genau ansehen müssen, da jeder auf irgendeine Weise als Täter infrage kommt. Hier fühlen wir uns dann wirklich wie ein Meisterdetektiv und müssen ein paar Minuten innehalten, um nicht vorschnell zu entscheiden. Diese Passagen sind aber leider die Seltenheit und ergeben so nur ein paar Highlights im ansonsten eher faden Gameplay und der verwirrenden, lückenhaften Story, welche uns in insgesamt 5 Episoden versucht zu unterhalten.
    Zusätzlich zur Detektivarbeit vermischt Sherlock Holmes The Devil‘s Daughter verschiedene Genres und bleibt keinem Stil so wirklich treu, dadurch entsteht zwischenzeitig ein durchaus abwechslungsreiches, aber auch verwirrendes und unnötig kompliziertes Gameplay, welches uns nicht wirklich das Gefühl vermittelt ein Meisterdetektiv zu sein.
    Zum Beispiel müssen wir uns in schwierige Stealth-Sequenzen begeben, die eher nach dem Trial & Error Prinzip gelöst werden, statt mit unserem scharfen Verstand. Kämpfe, welche wir bewältigen müssen, bestehen aus Quick-Time-Events, und fühlen sich eher unpassend für ein Adventure an.

    Schönes London
    Die Grafik des Spiels ist durch die sehr detaillierten und glaubwürdigen Kulissen der damaligen Zeit sehr ansehnlich. Technisch hat das Spiel zwar ab und an Framerateeinbrüche, durch das meist ruhige Gameplay, stört dies aber nicht sonderlich. Der Sound ist durch viele Feinheiten in den Umgebungsgeräuschen, sowie das gute Voice-Acting der Synchronsprecher sehr passend, und unterstreicht die Atmosphäre des viktorianischen Londons schön. Lediglich die Ladezeiten des Spiels sind arg lang, hierbei kann schon mal eine halbe Minute vergehen, weswegen ich mich oft fragte, ob sich meine Xbox nicht eventuell aufgehängt haben könnte.

    Fazit

    Nach dem soliden Vorgänger und dem interessanten Trailer waren meine Erwartungen an das Spiel hoch. Leider haben die Entwickler von Frogwares bei ihrem aktuellen Werk eher Rückschritte in sämtlichen Bereichen gemacht und erreichen nicht mehr die Qualität von Sherlock Holmes: Crimes & Punishments. Sherlock Holmes: The Devil‘s Daughter bietet ein durchschnittliches Detektiv Erlebnis, mit einer in Ansätzen sehr interessanten Story und einem zu actionlastigen Gameplay, welches sich eher an Hardcore-Fans richtet. Alle anderen sollten möglicherweise eher zum Vorgänger greifen.

    Wertung


    Pro

    • glaubwürdige Atmosphäre
    • ansehnliche Grafik
    • interessante Storyansätze …

    Contra

    • … welche nicht ihr volles Potenzial entfalten konnten
    • unpassende Genrevermischungen
    • unnötige Ermittlungsprozesse
    • wichtige Entscheidungen willkürlich
    • Storylücken und offene Fragen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Fantasy, Horror, Spiele
    von Pascal Requardt 19.Jun.2016 1.182 x gelesen