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    Sly, alter Kumpel, du hast ganz schön auf dich warten lassen. Ich hab dich vermisst! Um Zeit an der Seite von Gesetzeshüterin Carmelita Fox zu verbringen (statt bloß immer auf der Flucht vor ihr), hat der Waschbär nach seinem letzten Abenteuer einen Gedächtnisverlust vorgetäuscht. Doch nun juckt es unseren Meisterdieb wieder in den langen Fingern, noch dazu verschwinden auf mysteriöse Weise plötzlich Einträge aus seinem Erbstück, dem Kompendium „Thievius Raccoonus“. Zusammen mit seinen treuen Freunden Bentley und Murray muss Sly per Zeitmaschine in verschiedene Epochen reisen, um bei den dortigen diebischen Vorfahren nach dem Rechten zu schauen. Fünf Schauplätze wie das feudale Japan und der wilde Westen warten auf ihre Erkundung, dazu gibt es einen kurzen spielbaren Prolog sowie einen Epilog, jeweils im heutigen Paris.

    Räuberhöhlen und Klamotten

    In jeder Epoche verfügen die Freunde über einen gemütlichen Unterschlupf, von dem aus der jeweils gefragte Held (nach dem Abwarten recht langer Ladezeiten) in die frei begehbaren Oberwelten aufbricht, um dort die wechselnden Startpunkte der Missionen aufzusuchen. Unter anderem muss man zuerst Fotos wichtiger Orte schießen oder den Bösewichten unbemerkt hinterherschleichen, während sie ihre Pläne herausposaunen.
    Titelheld Sly ist natürlich die Hauptperson, vor allem sein patentierter Hakenstab leistet ihm erneut gute Dienste. Mit dem Stock kann der flinke Hüpfer nicht nur zuschlagen (möglichst bei ahnungslosen Feinden, also aus dem Hinterhalt), sondern auch Gegenstände aus den Taschen der Wächter angeln. Dank seiner überlegenen Balance findet Sly außerdem auf allen blau leuchtenden Stellen Halt, sogar auf Turmspitzen und dünnen Seilen. Runter geht’s besonders gut mit dem praktischen Gleitschirm.
    Neuerdings machen Kostüme den Ganoven noch vielseitiger. So erhält man im Spielverlauf etwa eine Samurai-Rüstung, die als Tarnung dient, aber zusätzlich auch feuerfest ist. Mit der dicken Steinkugel des Sträflings-Outfits kann man dagegen brüchige Wände einreißen und über elektrisch aufgeladene Böden rollen, als Robin Hood-Verschnitt verschießt Sly Seilpfeile. Ein bisschen schade ist nur, dass man die Kostüme meist lediglich in ihrer jeweiligen Epoche benutzt und nicht noch das restliche Spiel über.

    Die Bande im Mittelalter-Unterschlupf

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    Die Bande im Mittelalter-Unterschlupf

    Alte und neue Freunde

    Nilpferd Murray ist mal wieder fürs Grobe zuständig und vermöbelt freudig jede Menge Fieslinge, Schildkröterich Bentley hackt sich stattdessen bevorzugt in alle möglichen Computersysteme. Viele Hacks laufen erneut als 2D-Shooterlevels ab, bei denen man mit dem linken Stick ein kleines Raumschiff und mit dem rechten dessen Geschosse steuert. Zusätzlich gibt es Bereiche, in denen eine Energiekugel durchs Kippen des Controllers ans Ziel gebracht werden muss.
    Als neue spielbare Figur hat man die schießwütige Carmelita an Bord (auch wenn sie noch immer nicht gut auf den „verlogenen Ringelschwanz“ zu sprechen ist), außerdem kommen Slys Vorfahren zum Zug. So wird der fette prähistorische Waschbär z.B. durch ein Fitnessprogramm aus mehreren Minigames wieder auf Trab gebracht – Baseballübungen mit Pinguinen oder Gleichgewichtstraining inklusive. Interessanterweise kann der Eiszeit-Cooper anschließend an Wänden klettern wie God of War Kratos, sogar mit der gleichen Steuerung.
    Apropos Steuerung: Die wirkt teils ein wenig träge, man gewöhnt sich aber daran, genau wie ans häufig nötige Nachkorrigieren der Kameraperspektive und die bisweilen ungenaue Kollisionsabfrage.
    Weitere Minigame-Missionen sind unter anderem ein Rhythmusspiel oder das Ausschenken von Kaktuslimo im Saloon, fordernde Bosskämpfe dürfen ebenfalls nicht fehlen. An Abwechslung herrscht also kein Mangel, auch wenn nicht alle Aktivitäten hundertprozentig überzeugen. Manchmal kommt typisches Jump&Run-Gameplay hier meiner Meinung nach fast etwas zu kurz.

    Inklusive Hosentaschen-Sly

    In den Höhlen lockt der Zugang zum „Thiefnet“ für Upgrades wie Schrumpfmunition und neue Murray-Moves. Letztendlich sind die meisten Verbesserungen aber nur ganz nett und für den Spielerfolg eher unnötig. Wer durch zerstörtes Levelinventar noch nicht genug Münzen gesammelt hat, kann Taschendiebstähle starten oder jede Menge Schätze während knapper Zeitlimits in den Unterschlupf schleppen. In jeder Epoche sind des weiteren die altbekannten Flaschen versteckt. Sind alle ergattert, lässt sich der Safe des Levels öffnen, fleißige Sammler können sich an freigeschalteten Arcade-Automaten austoben. Am Umfang des Zeitreise-Abenteuers gibt es kaum etwas zu meckern, Perfektionisten dürfen auch noch in frühere Missionen zurückkehren.
    Als nettes Extra unterstützt das Spiel das Cross-Buy-Feature: Auf der Disc kann einmalig eine Funktion aktiviert und mit dem Nutzerkonto verbunden werden, um die PS Vita-Version von Sly Cooper kostenlos zum Download zu erhalten. Dank Cross-Save kann man sogar Spielstände in die Cloud laden und dann einfach an der jeweiligen Stelle in der anderen Version weiterzocken. Das Handheld lässt sich außerdem zwecks Schatzsuche zum Scannen der Umgebungen einsetzen.

    Farbenfrohe Diebestour

    Ein Markenzeichen der Reihe ist die hübsche Zeichentrickoptik, welche den System- und Entwicklerwechsel unbeschadet überstanden hat. Die humorvollen und mit überzeugenden Sprechern (mehrere Sprachen stehen zur Wahl) vertonten Zwischensequenzen erlebt man mal in der normalen Spielgrafik, das heißt Cel-Shading-Figuren vor 3D-Hintergründen, mal ganz als schicker Zeichentrick. Auch die Umgebungen wissen durchaus zu gefallen, obwohl sie kritisch betrachtet eigentlich aus recht einfachen, klobigen Formen gezimmert wurden. Aber beim Hüpfen durch liebevoll designte Gegenden wie ein stimmungsvoll beleuchtetes Mittelalter-Städtchen mit Türmen, Katapulten und Kopfsteinpflaster fällt kaum auf, dass z.B. die Texturen oft arg verwaschen sind und nur wenige verschiedene Gegnertypen in den Gassen patrouillieren.

    Fazit

    Trotz des neuen Entwicklerteams kommt hier schnell die gewohnte und geliebte Sly-Atmosphäre auf. Gleichzeitig bringen Elemente wie die spielbaren Vorfahren oder die Kostüme etwas frischen Wind ins Geschehen. Die Macher haben sich viel Mühe gegeben, das Gameplay sehr abwechslungsreich zu gestalten, was ihnen weitestgehend gelungen ist, auch wenn es mal Steuerungsmacken gibt und manche Aktivitäten nicht ganz so unterhaltsam sind wie der Rest. Mit dem (vor allem für fleißige Item-Sammler) umfangreichen Gesamtpaket werden jedenfalls sowohl Serienveteranen als auch Neulinge viel Spaß haben. Nicht zuletzt eignet sich das Spiel auch recht gut für die Kids-Fraktion.

    Wertung


    Pro

    • viel Abwechslung
    • ordentlicher Umfang
    • hübscher Zeichentricklook
    • typischer Sly-Humor
    • Vita-Version als kostenloser Download inklusive

    Contra

    • nicht alle Aufgaben überzeugen
    • gelegentliche Steuerungs-/Kamera-Schwächen
    • lange Ladezeiten

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 17.Apr.2013 2.812 x gelesen

    Sly Cooper: Jagd durch die Zeit
    Publisher Sony
    Hersteller Sanzaru
    Genre Action-Adventure Jump&Run
    Altersfreigabeab 6 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PS327.03.2013 Kaufen