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    Mit The Book of Unwritten Tales 2 (im folgenden TBoUT2) schicken King Art aus Bremen nun den lang erwarteten zweiten Teil ihres beliebten Adventures aus 2009 ins Rennen. Dabei sah es zwischenzeitlich gar gut um eine Fortsetzung aus, da der erst der damalige Publisher HMH Interactive bankrott ging und kurz darauf dessen Nachfolger JoWood das gleiche Schicksal ereilte. Damit stand seinerzeit selbst das Prequel Spin-Off Die Vieh Chroniken kurz vor dem Aus.
    Bei TboUT2 scheint es diesmal zumindest besser zu laufen, zumal neben der regulären Publisher getriebenen Finanzierung, ein Kickstarter Crowd Funding für Zusatzfeatures lief, das man als recht erfolgreich bezeichnen kann. Nachdem das erste Goal von 65000 Dollar innerhalb von 30 Stunden geknackt wurde, konnten mit über 170000 Dollar in Endeffekt 2 von 3 Stretch Goals und erreicht werden.

    Aventasien wie es leibt und lebt
    Aber nun endlich zum Spiel. Wir betreten wieder die Fantasywelt Aventasiens, in der seit dem ersten Teil ein gutes Jahr vergangen ist: Das damalige Heldenquartett, bestehend aus dem Gnom Wilbur Wetterquarz, der Elfenprinzessin Ivodora (Ivo) Eleonora Clarissa, sowie dem verhinterten Luftschiffskapitän und Abenteurer Nathaniel (Nate) Bonnet und seinem stetigen haarigen Begleiter dem Vieh, geht nach dem Sieg über die Erzhexe Mortroga und ihre Schattenarmee getrennte Wege.
    Wilbur muss sich als Professor an der Magierakademie beweisen. Ivo fristet wieder ihr Leben als behütete Elfenprinzessin, unter der Fuchtel ihrer strengen Mutter, abseits von Abenteuern und Kontakt mit stinkenden menschlichen Abenteurern und ihrer Gefährten. Und der egozentrische Nate und das Vieh haben es zielstrebig geschafft, sich wieder einmal aufs neue in Probleme mit Kopfgeldjägern und Piraten zu verstricken.
    Diese scheinbar voneinander losgelösten Handlungsstränge, werden letztlich im Rahmen einer neuerlichen Bedrohung für die Welt Aventasiens zusammen geführt. Die verwandelt sich nämlich Stück für Stück in einen rosafarbenen Mädchen(alb)traum, wobei zunächst unklar ist, wer oder was dahinter steckt und ob nicht einer unserer Helden sogar schuld daran ist.

    Bild 1 von 7

    Das Buch wird aufgeschlagen

    Bewährtes Rezept
    Wie schon der Vorgänger ist das ganze mit jeder Menge skurrilem Humor und Homagen an diverse zeitgenössische Subkulturen gespickt. Man spielt in Episoden artigen Abschnitten jeweils einzelne der Helden, im Verlauf gibt es aber auch Passagen in den sie gemeinsam auftreten und wo man interaktiv zwischen ihnen wechseln kann bzw. muss, um bestimmte Rätsel kooperativ zu lösen.
    Der Rätselanspruch ist, wie gehabt in der Reihe, relativ moderat ausgefallen. Größtes Problem ist oftmals, dass einige Hotspots erst im Verlauf des Spiels aktiv werden und man sie nicht mehr in Betracht zieht, weil man die Szene zuvor schon gründlichst abgesucht hatte. Typischerweise stehen Kombinations- und Dialogrätsel im Vordergrund. Maschinenpuzzles sind eher selten, oder so in die Szene integriert, das kaum als solche auffallen.
    Hier und da gestaltet sich das Spiel recht dialoglastig, was aber dank der gut aufgelegten Sprecher gut zu verkraften ist. Das gilt im übrigen sowohl für die deutsche, als auch für die mit ausgelieferte englische Fassung.
    Mit schätzungsweise an die 30 Stunden Spieldauer kommt des Game ausgesprochen üppig daher, wodurch auch unterforderte Rätselfreaks auf ihre Kosten kommen dürften.

    Altbekanntes mit leichten Tuning
    Spielerisch haben wir es mit einem klassischen Adventure zu tun, bei dem man die Figuren per Mausklick durch die Gegend scheucht und so auch mit einzelnen Hotspots interagieren kann.
    Optisch beschreitet BoUT2 einen interessanten Weg. Dank innovativer Projektion Mapping Technik, werden die Vorteile von Echtzeit 3D Grafik und vorgerenderten Hintergründen konsequent vereint. Ich wil nicht zu sehr in technische Details abdriften, aber auf den ersten Blick sieht es halt nach altbekannter 2.5D Grafik aus bei der nur die Figuren und einzelne Gegenstände in Echtzeit berechnet werden. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man jedoch leichte Kameraschwenks und ähnliches, sowie Fokussierung mit begrenzter Schärfentiefe, die mit traditioneller Technik kaum machbar wären. Vom Stil ist das Ganze natürlich gewohnt comicmäßig überzeichnet. Fans der Reihe würden aber wahrscheinlich auch gar keinen angeren Look haben wollen.
    Musikalisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern, was auch nicht erstaunt, da der Komponist für den ersten Teil bereits Meriten einsammeln durfte und auch diesmal wieder einen soliden fast filmreifen Soundtrack abgeliefert hat, auch wenn mangels Erreichen des letzten Crowdfunding Goals nur ein Teil vom Orchester eingespielt wurde.
    Leider musste ich auch ein paar Bugs und Hänger erleben, wobei ich das jetzt mal auf die vorab bereitgestellte Presseversion schiebe, bzw. davon ausgehe, dass die bereits erschienenen Bugfixes das schon ausmerzen.

    Fazit

    Für Fans der Reihe wird wohl kein Weg an diesem Adventure vorbei führen, aber auch für Einsteiger bietet TBoUT2 ein ordentliches Adventureerlebnis ohne große Frustmomente. Natürlich wäre es besser den ersten Teil zu kennen, was aber nicht zwingend notwendig ist. Wer jedoch mit der skurrilen Parodie auf gängige Fantasy-Rollenspielklischees, gepaart mit Steampunkeinlagen und jeder Menge Homagen an die Geek Kultur nichts anfangen kann, der sollte vielleicht Abstand nehmen. Mir persönlich hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen, wieder mit Wilbur, Ivo, Nate, dem Vieh und vielen anderen alten und neuen Bekannten auf die Reise zu gehen. Für einen Award gibts aber zu wenige echte Neuerungen und zu viel Recyling von Inhalten aus den Vorgängern.

    Wertung


    Pro

    • stimmige Umsetzung
    • klasse Humor
    • Fanbonus

    Contra

    • teilweise dialoglastig
    • wenig fordernde Rätsel
    • nicht ganz bugfrei

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Fantasy, Spiele
    von André Pannenbecker 26.Feb.2015 1.785 x gelesen