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    Wenn Werwölfe auf lebensgroße Zinnsoldaten und andere mechanische Widersacher treffen, dann ist Steampunk angesagt. Genau das passiert im vorliegenden Action-RPG – ein Hilferuf führt Monsterjäger Van Helsing, den Sohn des gleichnamigen Vampir-Widersachers, in die ehemals romantisch-mittelalterliche Stadt Borgovia, wo neuerdings neben dem üblichen Fantasy-Gesocks eben auch noch besagte moderne „Errungenschaften“ für Ärger sorgen.

    Tot, aber ganz bestimmt nicht still

    „The Incredible Adventures of Van Helsing“ ist ja ein etwas sperriger Name, das grundlegende Spielprinzip zeigt sich da konventioneller. In altbekannter und beliebter Diablo-Manier durchstreift man monsterversuchte isometrische Gefilde, klickt wild mit der Maus herum und sackt haufenweise Beute ein. Neben seinem attraktiven Szenario bietet das Ganze aber ein paar andere schöne Features, die es von der namhaften Konkurrenz abheben.
    Besonders auffällig: Der Held wird von Lady Katarina, einer KI-gesteuerten geisterhaften Adligen mit eigenem Inventar, begleitet, die alles andere als auf den Mund gefallen ist. So kabbeln sich die Hauptdarsteller an vielen Stellen, Katarina bezweifelt die Kämpferqualitäten ihres männlichen Gegenstücks oder meckert, wenn er Almosen an Bettler verteilt (statt ihr neue Klamotten zu gönnen). Die Geisterdame lockert mit sarkastischen Sprüche selbst düstere Momente ein wenig auf, das ungleiche Paar versprüht von Anfang an viel Charme – die Figuren haben durch ihre launigen Kommentare deutlich mehr Persönlichkeit als im Untergenre üblich.
    Gern gibt es hier auch Anspielungen auf klassische Dracula-Geschichten und andere Fantasy-Klischees aus Filmen oder Spielen. In diesem Bereich haben sich die Entwickler wirklich einiges einfallen lassen, dazu kommt eine gelungene englische Sprachausgabe (plus wahlweise auch deutsche Texte).

    Hübsche Vegetation, unfreundliche Wölfe

    Bild 1 von 10

    Hübsche Vegetation, unfreundliche Wölfe


    Jede Menge Upgrade-Möglichkeiten

    Als gelernter Vampirjäger könnte Van Helsing im Nahkampf ja angespitzte Holzpflöcke schwingen, er verlässt sich jedoch lieber auf Schwerter, Macheten und andere Klingen. Außerdem geht auch er mit der Zeit – per Knopfdruck wechselt man zur jeweiligen Fernkampfwaffe, das bedeutet hier Pistole oder Gewehr. Natürlich bringen sämtliche Gegenstände mehr oder weniger nützliche Nebeneffekte mit, erhöhen bestimmte Angriffswerte, steigern die Abwehr oder vergrößern die Wahrscheinlichkeit für das Finden von Gold oder magischen Objekten. Außer Waffen finden allerlei Schutzausrüstungsteile in den dazugehörigen Inventarbereichen Platz, auch Katarina verfügt über (allerdings etwas abgespeckte) Umkleidemöglichkeiten.
    Das Zusammenklauben immer besserer Stücke macht genreüblich viel Spaß, auch das schnelle Vergleichen oder Verschieben der Items wurde von den Entwicklern überzeugend gelöst. Der Einfachheit halber darf man einstellen, welche Arten von Gegenständen (z.B. Heiltränke) automatisch durch die Lady aufgehoben werden sollen, was zusätzlich Arbeit spart.
    Was den Helden selbst betrifft, wird ebenfalls einiges geboten. Die Startbedingungen sind durch den vorgegebenen Charakter für alle Spieler gleich, danach hat man aber jede Menge Freiheiten bei der Entwicklung, kann nicht nur die grundlegenden Werte a la Willenskraft erhöhen, sondern z.B. einen echten Ballerkünstler oder sogar eine Art Zauberer aus ihm machen. Manche Fähigkeiten verleihen etwa den Waffen Blitzeffekte, rauben Feinden Lebensenergie, lassen Van Helsing unsichtbar werden und verdutzte Monster erschrecken und vieles mehr. Auch für passive Verstärkungen oder Heilfähigkeiten ist gesorgt. Leider lassen sich aber immer nur wenige Skills gleichzeitig auf die dazugehörigen Tasten legen, hier hätte das Spiel ruhig etwas großzügiger sein dürfen.
    Katarina verfügt über ein eigenes Fähigkeitensystem, unter anderem ist sie dann dazu in der Lage, Schaden auf sich nehmen, der ihrem lebenden Kumpel zugefügt wird. Zusätzlich kann man verschiedene einfache Taktiken für sie festlegen oder sie auf Einkaufstour in die sichere Siedlung schicken. Apropos Siedlung: In einem Dorf bzw. später im Unterschlupf des städtischen Widerstands gibt es Shopping-Möglichkeiten und man kann Gegenstände verzaubern, Artefakte schmieden oder andere Sachen mit den Items anstellen, um sie weiter zu verbessern.

    Giftspritzen sind fies

    In den Gassen von Borgovia, den hübsch anzusehenden Wäldern und Sümpfen vor der Stadt oder diversen unterirdischen Bereichen lauern osteuropäische oder aus Märchen bekannte Monstergestalten, aber auch ein paar fantasievolle Eigenkreationen. Dazu dann eben noch technisch aufgemotzte Figuren im Stil von kleinen Bombenlegern und Mutanten. Eine recht interessante Menagerie. Bisweilen trifft man aber auf zu große, stumpfsinnige Gegnergruppen – weniger, aber dafür raffiniertere Feinde wären an manchen Stellen vielleicht besser gewesen.
    Manche Kreaturen kamen mir auch etwas schlecht ausbalanciert vor. Da metzelt sich Van Helsing munter durch Reihen von brutalen Klopsen und sobald ein bisschen Gift ins Spiel kommt (ich hasse die garstigen „Igors“ mit ihren entsprechenden Apparaturen), haut es ihn innerhalb von Sekunden aus den Latschen.
    In solchen Fällen kann man sich schon mal wünschen, einen niedrigeren der vier Schwierigkeitsgrade gewählt zu haben. Zum Glück lässt sich Van Helsing ruckzuck wiederbeleben (außer der Spieler hat sich für einen „Hardcore“-Charakter entschieden), je nach bezahlter Gebühr gleich an Ort und Stelle des Ablebens, am letzten Checkpoint oder im Lager. Die erreichten Erfolge bleiben in jedem Fall erhalten und alle zuvor erlegten Kreaturen tot.
    Sowieso gibt es keinen Respawn – sind die Viecher einmal erledigt, kommen an diesem Ort also keine neuen mehr nach, was absoluten Beute-Jägern unter anderem das Vervollständigen von wertvollen Sets erschwert oder auch ein Hochzüchten des Helden ausbremst. Aber für mich hausen in den Arealen eigentlich genug Untiere, auch der restliche Umfang geht mit ca. 15-20 Stunden (wenn man fleißig Nebenaufträge abarbeitet) völlig in Ordnung. So kann man beispielsweise kleine Eskorten absolvieren, Sumpfblumen für ein Ritual beschaffen oder besonders fiese Gestalten zur Strecke bringen – gewohnte Kost also, aber schon durch nett geschriebene Dialoge trotzdem unterhaltsam.
    Multiplayer-Fans können sich auch kooperativ mit Freunden online durch die Kampagne kämpfen, im Moment sind allerdings noch relativ wenige potenzielle Unterstützer aufzuspüren. Bis zu vier Van Helsings machen das erst schon turbulente Geschehen auf dem Bildschirm außerdem nicht gerade übersichtlicher…

    Fazit

    Van Helsings Monsterjagd hatte ich ehrlich gesagt bis kurz vor dem Erscheinen gar nicht auf dem Radar, das Endprodukt hat mich nun sehr positiv überrascht. Die geisterhafte Begleiterin mit ihren treffenden Kommentaren ist mein Lieblingsfeature des Spiels, die Möglichkeiten beim Aufleveln oder die hübschen Schauplätze und Monster sind aber auch nicht zu verachten. Ein paar Dinge wie Schwankungen im Schwierigkeitsgrad, teils simples Missionsdesign oder wenig Abwechslung bei der Hintergrundmusik stören den guten Gesamteindruck, vor allem zu diesem fairen Preis macht aber kein Genre-Anhänger einen Fehler mit dem Kauf. Während meiner Testphase hat das Entwicklerteam zudem gleich mehrere Updates geliefert, unter anderem wurde wohl die Stabilität verbessert, denn (anders als zu Beginn) traten in meinem Spiel keine Abstürze mehr auf. Und ein kostenloser DLC bietet neuerdings zusätzliche Szenarien mit richtig fiesen Monsterbrocken als Tummelplatz für hochgelevelte Charaktere. Auch in Zukunft wollen die eifrigen Macher wohl noch einige Verbesserungen nachliefern, außerdem scheint das Spiel lediglich der erste Teil einer geplanten Trilogie zu sein. Man darf sich also auf weitere unglaubliche Abenteuer von Van Helsing (und natürlich Katarina) freuen.

    Wertung


    Pro

    • unterhaltsame Kommentare der Hauptfiguren
    • Geisterlady als nützliche Begleiterin
    • viele Upgrade-Möglichkeiten
    • schönes Szenario mit interessanten Gegnern

    Contra

    • teils unausgewogen scheinender Schwierigkeitsgrad
    • Quests meist etwas uninspiriert
    • keine neuen Monster an "gesäuberten" Stellen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 4.Jun.2013 3.770 x gelesen

    The Incredible Adventures of Van Helsing
    Publisher NeocoreGames
    Hersteller NeocoreGames
    Genre Action-Rollenspiel Hack&Slay
    Weitere Infos
    Termine
    PC (Steam)22.05.2013
     

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