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    Wenn in einer Spielbeschreibung etwas von großen Ähnlichkeiten zu Jak & Daxter, Banjo-Kazooie oder auch Zelda steht, werde ich ganz schnell hellhörig – so zuletzt geschehen bei The Last Tinker. Dazu noch allerlei farbenfrohe Screenshots und ebensolche Trailer und schon war´s um mich geschehen.

    Früher war alles besser

    In der Stadt der Farben herrschte einst ein kreatives Miteinander. Aus einfachen Materialien wie Papier, Klebstoff und vor allem den passenden Färbemitteln entstanden fantasievolle Landschaften und Wesen. Doch seit einer Weile herrschen Streit und Misstrauen unter den Bewohnern, die einzelnen Gruppen schotten sich ab. Die rote Fraktion steckt nun voller Streithähne, bei den ängstlichen grünen Einwohnern spielen die umfangreichen Sicherheitssysteme verrückt, die blauen sind völlig resigniert und lethargisch geworden.
    Koru, ein Junge mit einem Gemisch aus menschlichen und affenähnlichen Zügen, erfährt, dass in ihm die Macht der legendären „Tinker“ schlummert. Der frischgebackene Held muss nun die Tempel der Farbgeister aufsuchen, um mit vereinten Kräften wieder freundschaftliche Verhältnisse einkehren zu lassen.

    Der freche Tap ist ein echter Sympathieträger

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    Der freche Tap ist ein echter Sympathieträger


    Apessassin’s Creed

    Auf dem Weg durch verschiedene Stadtteile, Höhlen, Küstenregionen und andere farbenfrohe Schauplätze kann man den Protagonisten auch mit Tastatur und Maus kontrollieren, optimal abgestimmt wurde die Steuerung aber auf den Xbox-Controller. Allerdings lässt sich die Tastenbelegung nicht verändern. Alle Bewegungen und Tricks werden gut erklärt, wodurch auch Einsteiger gut für kommende Aufgaben gerüstet sind. Durch mehrere (auch zwischendurch zu wechselnde) Schwierigkeitseinstellungen von „für Kinder“ bis „Soforttod“ kann man das Maß der Herausforderung individualisieren.
    Was das Springen betrifft, ist der Held eher ein Zelda-Link als ein Jak. Bei gedrückter Sprint-Taste hüpft Koru an den entsprechenden Stellen automatisch über Lücken, klettert oder schwingt an Stangen herum. Das System ähnelt also etwa der Freerunning-Mechanik aus Assassin’s Creed-Spielen. Zielgenauigkeit bei den Sprüngen ist dadurch nicht gefragt, wohl aber eine Portion Timing, um z.B. im richtigen Moment über versinkende Kraken-Tentakel zu manövrieren und während der rasanten Grinds auf den so genannten Transportschienen rechtzeitig die Bahn zu wechseln, bevor der Affenjunge in einer Sackgasse oder an stachligen Büschen landet. Wegen der festgelegten Sprunggelegenheiten ist die Bewegungsfreiheit in den Umgebungen ein wenig eingeschränkt, man fühlt sich aber nicht allzu eingeengt.
    Verschiedene Bleiche-Monster machen die Gegend unsicher, spucken z.B aus der Distanz ihre giftigen Sekrete auf Koru oder fügen ihm mit mächtigen Hiebe erheblichen Schaden zu. Zum Glück ist das Kerlchen selbst auch alles andere als wehrlos. Mit der Zeit meistert der Held diverse Combo-Schläge samt eleganten Ausweichrollen und Konter-Attacken. An besonderen Automaten können mit gesammelten Edelsteinen die Kampffähigkeiten weiter verbessert werden (was aber eher unwichtig ist). Außerdem macht sich Koru auch die Kräfte der Farbgeister zu Nutzen, um Feinde zu schwächen, in die Flucht zu schlagen oder zu lähmen. Mit genug Energie kann sogar die Zeit angehalten werden.

    Ein guter Freund für alle Lebenslagen

    Neben Geschicklichkeitspassagen und Gefechten warten allerlei kleine Rätsel auf den Spieler. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Angehöriger des Pilzvolkes. Der hilfsbereite Typ ist in vielen Gegenden gefragt, um – mal in seiner hochgewachsenen Form namens „Biggs“, mal als witziger kleiner „Bomber“ – den Weg frei zu machen. Der Pilzkopf kann an speziellen Portalen herbeigerufen und durch pfeifen zur gewünschten Stelle gelotst werden. Magische Blumen lassen ihn je nach Bedarf schrumpfen oder wachsen. Während Biggs z.B. störende Spinnweben zerreißt, kann man den Minion…äh… Bomber durch Röhren zu anderen Ebenen flutschen lassen. Durch den Einsatz der Farb-Kräfte ergeben sich weitere Einsatzmöglichkeiten. Unter anderem werden Barrieren gesprengt, Bodenschalter mit Stampf-Manövern betätigt oder Bleiche-Ansammlungen aus der nahen Umgebung entfernt. Die Rätsel sind häufig nicht wahnsinnig anspruchsvoll, gerade gegen Ende ist aber auch mal pfiffiges Kombinieren gefragt.
    Durch besondere Aufgaben wie das Reaktionsschnelligkeit erfordernde Dirigieren eines Orchesters oder einen Kanonen-Bossfight kommt weitere Abwechslung ins Spiel, auch wenn sich manche Abläufe, lediglich geringfügig verändert, wiederholen. Vor allem die Kämpfe haben mir bisweilen nicht so gut gefallen wie die Geschicklichkeitseinlagen, Erkundungen und Rätsel.
    Die Spielzeit liegt bei ca. 8 – 10 Stunden und Perfektionisten können am Wegesrand zig versteckte Pinsel einsacken, durch die Konzeptzeichnungen und verschiedene nette Spielereien wie ein Groß-Kopf-Modus freigeschaltet werden. Insgesamt ist The Last Tinker aber doch recht linear aufgebaut, vor allem was die Abfolge der Levels betrifft. Nur übers Hauptmenü kann man abgeschlossene Orte gezielt erneut ansteuern.
    Die Handhabung des Spiels ist komfortabel, unter anderem kann man sich auf Knopfdruck den Weg zum nächsten Ziel zeigen lassen. An wichtigen Stellen erfolgt ein automatisches Speichern.

    Zum Schmunzeln

    Wie man schon auf den Screenshots erkennen kann, besitzen die Umgebungen in The Last Tinker einen wunderbaren Farb- und Papp-/Papier-Look. Noch sympathischer wird das Ganze durch die ausgesprochen liebevoll designten Charaktere, die mich sehr an Viva Pinata-Geschöpfe erinnern. Die putzig animierten Figuren sind absolut zum Knuddeln. Sollte es jemals eins der Hasen-Schildkröten-Wesen als Plüschtier geben: Ich kaufe es.
    Verstärkt wird der Charme der Kreaturen noch durch ihre Vertonung. Zwar hat das Spiel keine Sprachausgabe mit richtigen Worten (außer beim englischen Erzähler in Intro und Abspann), aber dafür als Ergänzung zu den Texttafeln ganz viel ulkiges Gepiepse, Gejammer und Geknurre – die Laute und Tonlagen passen hervorragend zu den jeweiligen Figuren und ihrer Persönlichkeit. Dem asiatisch angehauchten Gebrabbel des weisen Mr. Mi könnte ich stundenlang zuhören. Koru selbst gibt nur ein paar Geräusche wie Kampfsschreie von sich, das Reden übernimmt sein kleiner, aber mit viel Selbstvertrauen und Intelligenz gesegneter, Sidekick Tap. Noch so ein Plüschtier-Kandidat, am besten mit Sound-Modul…
    Weiterer Ohrenschmaus erwartet den Abenteurer bei der Hintergrundmusik mit ihren fröhlichen Gitarrenklängen, aber auch dramatischeren Stücken. Die Melodien gehen ins Ohr, sind perfekt auf die Szenen abgestimmt und tragen viel zur liebenswerten Atmosphäre der Spielwelt bei.

    Fazit

    The Last Tinker gehört zu der Art Jump&Runs/Action-Adventures wie es sie heutzutage leider nur selten gibt (und irgendwie fast nur noch auf Nintendo-Geräten) – zu PS2-Zeiten war z.B. deutlich mehr in dieser Richtung im Angebot. Schon dadurch war mir das Spiel auf Anhieb sympathisch und dann kamen unter anderem noch die wahnsinnig liebenswerten Figuren und der bunte Look samt ausgezeichnet passender Musikbegleitung dazu. Das Spiel sprüht nur so vor Charme. Noch dazu sorgt das Ganze dank seiner Mischung aus Geschicklichkeitseinlagen, Puzzles und Kämpfen für unterhaltsame Spielstunden, auch wenn noch ein paar Kleinigkeiten zu kritisieren sind. Zum fairen Preis bekommen Genrefans hier auf jeden Fall ein sehr empfehlenswertes Downloadgame, das sich nicht vor teuren Produktionen verstecken muss.

    Wertung


    Pro

    • abwechslungsreicher Gameplay-Mix
    • kunterbunter Look mit herzallerliebstem Figurendesign
    • toller Soundtrack und lustige Stimmen
    • einige pfiffige Rätselsituationen
    • sehr gute Steuerung mit Gamepad

    Contra

    • Kämpfe manchmal eher uninteressant
    • recht lineares Leveldesign/eingeschränkte Bewegungsfreiheit

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 11.Mai.2014 2.782 x gelesen

    The Last Tinker: City of Colors
    Publisher Unity Games
    Hersteller Mimimi Productions
    Genre Action-Adventure Jump&Run
    Weitere Infos
    Termine
    PC (Steam)12.05.2014