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    Als Fan von Strategiespielen bin ich gerade bei Titeln mit dem Thema 2. Weltkrieg sehr auf Realismus aus. Das hat schon damals mit Campaign auf dem Amiga angefangen und setzte sich mit Panzer General, Sudden Strike usw fort. Nun sollte ich die Umsetzung des sechs Jahre alten PS3-Taktikspiels „Valkyria Chronicles“ auf den PC testen. Was folgte waren Stunden mit offenem Mund. Auf den ersten Blick die Szenerie eines Unfalls, einer Katastrophe, eine groteske Mischung aus Anime-Welt und Strategie-RPG breitete sich vor mir aus.

    Der 2. Weltkrieg aus Sicht japanischer Künstler
    Was macht man, wenn man einen rundenbasiertes Taktik-Rollenspiel im Weltkriegs-Setting auf die Beine stellen will, aber wahlweise keine Ahnung von der Historie bzw. viele Manga-Zeichner hat, die nichts zu tun haben? Richtig, wir schaffen eine Fantasy-Parallelwelt und versetzen sie in eine Zeit, die den 1930er Jahren entspricht, und bauen eine Geschichte, die voller Klischees über Europa steckt. Dabei lassen wir jugendliche Helden mit Panzern rumfahren, die ihre Väter nach dem letzten Krieg mit nach Hause bekommen haben. Nebenher handeln wir Themen wie Teenager-Liebe, Freundschaft, Kameradschaft und Außenseiter ab, oder sollte es eine Anspielung auf die Judenverfolgung sein? Ich weiß es nicht. Die Geschichte ist so flach und aufgesetzt, dass es irgendwie schon wieder interessant ist. Die Bösewichte nennen sich das Imperium und sie sind rot und kommen aus dem Osten auf der Suche nach Quellen für die Ressource „Ragnaid“, mit der eigentlich alles betrieben wird. Autos, Lkws, die 1. Weltkriegs-Panzer des Imperiums, riesige Schiffe, die durchs Land oder auch mal Städte fahren usw.
    Die Geschichte Gallias, das Land das überfallen wird, wird mit sehr vielen Zwischensequenzen und teilanimierten Dialogen mit viel Text – und ich meine mit sehr viel Text -, überflüssigen und auch mal klamaukähnlichen Abschnitten erzählt. Dabei muss alles und jedes irgendwie bestätigt werden, bevor es weitergeht. Wie in den Hochzeiten japanischer RPGs. Man ist bemüht, eine tiefgehende Geschichte zu erzählen, die aber so oder so ähnlich schon hundertmal erzählt wurde.

    Zug um Zug
    Nach dem ersten Schock kommt man mit einem recht frischem Spielprinzip in Kontakt, das man am besten mit dem von XCOM vergleichen kann. Man befehligt ein Team aus unterschiedlichen Soldaten (Scharfschützen, Aufklärer, Sturm, Panzerabwehr oder Unterstützung) und muss diese rundenbasiert in den Kampf führen.
    Das Ziehen der Einheiten ist hier aber mit mehr Tätigkeit des Spielers verbunden. Statt einfach nur zu befehlen, dass ein Soldat sich auf eine Position bewegen und angreifen soll, muss man das selbst machen. In der 3rd-Person-Ansicht steuert man den gewählten Kämpfer auf seine neue Position und darf einmal schießen. Pro Zug hat man dafür eine gewisse Anzahl von Aktionspunkten. Einheiten können sogar mehrfach bewegt werden. Das wird über Kommandopunkte geregelt.
    Was am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig ist, wandelt sich später in eine ziemliche enge Verbindung von Strategie und Taktik mit einem recht hohen Maß an – wie sagt man so schön im Neudeutschen – Immersion. Es entfaltet sich ein spaßiges Spielkonzept, das lediglich durch Unmengen an Dialogen unterbrochen wird. Teilweise hat man dabei das Gefühl, sich mehr Zwischensequenzen anzusehen als man tatsächlich mit den Gefechten verbringt.
    Neben der Befreiung Gallias auf dem Schlachtfeld gibt es auch ein paar andere Aufgaben zu erledigen. Wie zum Beispiel das Einstellen neuer Rekruten, das Training oder besser gesagt die Verteilung der gesammelten Erfahrungspunkte auf die Soldatenklassen oder die Entwicklung für den Panzer „Edelweiss“, den unser Held mit zur Armee gebracht hat. Daneben lassen sich kurze Gefechte immer wieder spielen, um Erfahrung zu sammeln, falls es in der Kampagne einmal nicht weitergehen sollte. Sorgsam werden hierbei alle Aspekte des Spiels eingeführt, sodass die Lernkurve sehr flach ist. Im Grunde muss auch nicht viel gelernt werden. Umso besser für das Spiel selbst.

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    Bild 1 von 16

    Die Hauptstadt Gallias kurz vor dem Fall.

    Schwachpunkt Bedienung
    Nur kurz nach dem Start von Valkyria Chronicles wissen alle, dass es sich um eine Portierung handelt, denn in den Menüs und Dialogen ist die Bedienung mit der Tastatur obligatorisch. Ein Controller-Setup macht dafür auf jeden Fall Sinn. Später im Spiel kommt dann gerade für das Bewegen und Zielen die Maus ins Spiel. Da die Soldaten mit mehr oder weniger Genauigkeit daherkommen, macht ein genaues Ziel nur bedingt Sinn. Kopftreffer haben dafür natürlich eine höhere Wirksamkeit und auch bei Panzern gibt es Schwachstellen.
    Mit der Maus- und Tastatur-Bedienung lässt sich Valkyria Chronicles recht ordentlich spielen, obwohl gerade das Umschalten zwischen Menü-Steuerung per Tastatur und Einheitenbewegung mit Maus und Tastatur etwas nervt. Kleinere Probleme gibt es auch bei der Auswahl von Einheiten, die sich mit der Maus oft nicht aufrufen lassen wollen. Wer auf die Maus beim Zielen verzichten kann, der sollte es hier lieber mit einem Pad probieren.
    Die Rollen der Soldaten führen zu unterschiedlichen Strategien im Verlauf einer Schlacht, zum Glück darf man diese an eroberten Camps gegen andere Team-Mitglieder mit einer anderen Klasse austauschen, sodass man sich auf neue Gegebenheiten anpassen kann. Die Anforderungen an den Spieler steigen sukzessive, immer vorhanden ist aber ein Rundenlimit, sodass man nicht trödeln sollte bzw. keine Zeit für saubere Taktiken bleibt. Man wird etwas dazu gezwungen, Risiken einzugehen.
    Die Überraschung ist, dass sich das Spiel wesentlich besser spielt als das es bei all den Rahmenbedingungen den Anschein macht. Störend sind nur die Ungenauigkeiten an Kanten, wenn man sich bspw. hinter dem Panzer versteckt, den Feind sehen und anvisieren kann und trotzdem gegen den Panzer/Wand schießt.

    Anime-Grafik
    Als Fan von Anime-Kunst kann man sich hier nicht beklagen. Mit dem entsprechenden Cell-Shading kommt genügend Comic-Gefühl auf. Dabei macht der PS3-Port auf dem PC eine ganz gute Figur. Zumindest performancetechnisch kann man sich nicht beschweren. Alle Figuren sind liebevoll modelliert und schön animiert, das Spiel ist insgesamt nett anzusehen, obwohl es mit aktuellen Titeln auf dem PC natürlich nicht mithalten kann. Passend dazu erhält man je nach Situation eine entsprechende musikalische Untermalung.

    Fazit

    Valkyria Chronicles bietet zumindest vom Spielprinzip her einen frischen Wind für das Strategiegenre. Reine Fans von Taktikspielen a la XCOM werden sich allerdings mit der textlastigen und recht klischeehaften Manga-Story schwertun, die wohl eher J-RPG-Fans als Strategen wie mich anspricht. Kleinere Probleme bei der Bedienung und die nicht ganz auf der Höhe der Zeit liegende Grafik kann man dabei verkraften. Dazu geht der Preis von ca. 20 EUR incl. aller für die PS3 erschienener DLCs absolut in Ordnung. Wer also in die Mangawelt abtauchen kann und will, bekommt ein nettes Spiel geliefert.

    Wertung


    Pro

    • frisches und spaßiges Spielprinzip
    • zahlreiche Zwischensequenzen
    • liebevoll animierte Charaktere
    • alle DLCs des PS3 Release enthalten

    Contra

    • flache Geschichte voller Klischees und Kitsch
    • kleinere Bedienungsprobleme auf dem PC
    • Anime-Style gewöhnungsbedürftig für Strategiespiel

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Spiele
    von Christian Häusler 18.Nov.2014 2.958 x gelesen

    Valkyria Chronicles
    Publisher Sega
    Hersteller Sega
    Genre Strategie Taktik
    Altersfreigabeab 12 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    PS331.10.2008 Kaufen
    PC (Steam)11.11.2014