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    Die Leser fortgeschrittener Jahrgänge kennen vielleicht noch Battlechess und andere aufgepeppte Versionen des bekanntesten Brettspiels der Welt. Mit mehr oder weniger angepassten Spielregeln haben sie versucht mit Animationen das Spielgeschehen intensiver zu gestalten. In dieser Riege reiht sich das Erstlingswerk des australischen Indie-Entwicklungsstudios Hammerfall nahtlos ein. Klassisch oder mit mehreren Anpassungen darf der Spieler mit Space Marines oder Orks verschiedenste Schachsituationen meistern. Wahlweise in einer Kampagne oder Online-Mehrspieler.

    Hethgar Prime ist verloren
    Grundszenario von Regicide (zu deutsch: Königsmord) in der 50 Missionen Kampagne ist die Rache der Blood Angels an den Orks, die die friedliche aber recht schutzlose, imperiale Welt Hethgar Prime überrannt und zerstört haben. Die Geschichte rund um den Trupp Blood Angels ist komplett vertont und wird mit Dialogen vor dem jeweiligen Einsatz weitererzählt. Für Cineasten ist das nichts, dafür wirken die Sprecher authentisch. Große Wendungen oder Charakterentwicklungen sucht man vergebens. Reduziert auf die eigentliche Substanz der Kampagne, sieht es sehr düster für Solo-Spieler aus. Es werden lediglich verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Einheiten, kleineren und größeren Karten mit unterschiedlichem Setting und Vorgaben durchgespielt. Dafür sind dort auch einige knackige Aufgaben zu lösen. Getreu dem Motto: „Einfach zu erlernen, schwer zu meistern.“

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    Verschieden Situationen müssen für den Sieg gemeistert werden.

    Zum Einsatz kommen dabei natürlich Einheiten, die dann den verschiedenen Rollen der Schachfiguren entsprechen. Bei den Blood Angels ist der „Tactical Marine“ der Bauer, der Kommandant mimt den König und die Königen ist ein mächtiger Psioniker. Ähnliches findet man dann auch bei den Orks wieder.
    Allen gemein ist zunächst, dass sie die Bewegungsmöglichkeiten ihrer Pendants aus Schach haben. Dazu kommen Spezialfähigkeiten und Fern- und Nahkampfangriffe. Im speziellen Modus von Regicide wird jeder Zug in zwei Phasen aufgeteilt. In der Bewegungsphase kann eine Einheit wie beim Schach bewegt werden. Darauf folgt die Initiativphase. Mit bis zu sechs Initiativpunkten können Angriffe, Spezialfähigkeiten der Einheiten oder auch von den Einheiten unabhängige Aktionen ausgeführt werden. Dazu zählen zum Beispiel orbitale Bombardements, Heilung oder die Verwirrung des Gegners. Die einzelnen Figuren haben dafür zusätzlich Panzerungs- und Lebenspunkte, die bis auf 0 reduziert werden müssen. Besser ist allerdings der Schlag mittels des entsprechenden Schachzuges in der Bewegungsphase, der zum sofortigen Ende des Gegners führt.
    Die jetzt veröffentlichte PC-Version soll laut Hammerfall nur der Anfang sein. Auch auf mobilen Geräten mit iOS und Android sollen spezielle Versionen des Strategie-Schachspiels zukünftig laufen. Mit einem Account sollen dann Spieler zwischen PC und Mobilversion gegeneinander antreten können. Ob unterwegs oder zu Hause am heimischen PC oder Laptop, soll dann egal sein.
    Die Fokussierung auf den Mehrspieler ist dem Spiel deutlich anzusehen. Der Spieler sammelt mit seinen Gefechten Erfahrungspunkte, die dann in neue Eigenschaften und Einheiten seiner Online-Armee gesteckt werden können. So können Space Marine, Weirdboy und Co. immer weiter aufgelevelt werden.

    Bedienung
    Gesteuert wird Regicide, wie in einem Strategiespiel üblich, mit der Maus und der Tastatur. Die Kamera lässt sich sehr freizügig über das Schlachtfeld bzw. Schachbrett bewegen. Die Übersicht zu behalten ist genauso gut möglich, wie das Betrachten von Details einer Einheit. Dabei bewegt sich die Kamera sehr direkt ohne Verzögerung oder Lags. Zusätzlich können auch Shortcuts genutzt werden, die später für die erfahrenen Spieler gut sind, um den Zeitvorteil ausnutzen zu können, wenn sie den Zug schneller beenden.
    Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Menüführung. Teilweise erschließt sich nicht sofort, wie man aus einem Untermenü wieder zurückkommt, weil das entsprechende Element nicht im Anzeigebereich mit angezeigt wird, sondern getrennt davon. Außerdem wird nicht ganz klar, wie die eigene Armee zusammengestellt bzw. aufgewertet wird und wo sie eingesetzt wird. Die Hilfe ist hier etwas zu kurz gekommen. Dazu kommen scheinbar technische Probleme mit den Bedienelementen, die ab und zu nicht reagieren wollen.

    Optisch eintönig
    Man könnte es „gewollt“ nennen, aber momentan ist die Welt von Hethgar Prime nicht sehr abwechslungsreich. Wintergefechte im ewigen Eis oder in morastig steinigen Wäldern sind die einzige Abwechslung auf den verschiedenen Karten von Regicide. Obwohl sie schön anzusehen sind, werden sie schnell langweilig. Die Einheiten selbst überzeugen. Sie wirken detailreich, haben scharfe Texturen und stimmige Animationen. Die „Cinematic Kills“ sind actionreich und brutal in Szene gesetzt und lockern das Spiel zunächst auf. Allerdings sind es immer wieder dieselben Bewegungen/Szenen, die wir hier zu sehen bekommen. Das wird schnell langweilig, so dass man diese später schnell überspringt.
    Die Effekte der Waffen sowie der Spezialaktionen sind insgesamt eher mäßig. Die Feuer- und Waffeneffekte sind flach und Spezialaktionen sehen oft eher nach einem lauen Lüftchen als nach einem schweren Angriff aus. Hier ist Luft nach oben.
    Untermalt wird die Szenerie mit passend schwermütiger bzw. bedrohlicher Musik. Zusammen mit den durchaus guten Sprechern, wird eine stimmige Warhammer Atmosphäre aufgebaut.

    Fazit

    Hammerfalls Erstlingswerk scheint erstmal geglückt zu sein. Das Spiel wirkt stimmig, konsistent und erzeugt für mich diese spezielle, dunkle Warhammer: 40k Zukunftsstimmung. Dazu kommen knifflige Aufgaben in einem aufgebohrten Schach, das leicht zu erlernen und zu bedienen ist. Die brutalen Kill-Sequenzen wirken zunächst stark auflockernd und actionreich, wiederholen sich aber immer wieder. Einige Effekte wirken sehr flach und einfach, was vielleicht den zukünftigen, mobilen Plattformen geschuldet ist. Dennoch macht das Spiel Spaß, vor allem aber online, denn die Kampagne macht nicht so viel her, es fehlt an Abwechslung. Weitere Karten und Armeen von Chaos, imperialer Garde usw. sollten schnell folgen, um das Interesse der Spieler zu halten. In einer Fortsetzung würde ich mir auch eine deutlich interaktivere Kampagne mit einer strategischen Ebene wünschen. Für 15 EUR machen Fans von Schach und Warhammer: 40k aber keinen Fehler hier.

    Wertung


    Pro

    • interessante Schachvariante im Warhammer 40K Universum
    • 50 Missionen
    • Multiplayer mit Matchmaking
    • brutale Kill-Animationen

    Contra

    • schwache Effekte
    • kleinere Probleme in der Bedienung
    • wenige Rassen
    • magere Kampagne

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Christian Häusler 19.Sep.2015 1.967 x gelesen

    Warhammer 40.000: Regicide
    Publisher Games Workshop Hammerfall
    Hersteller Hammerfall
    Genre Strategie
    Weitere Infos