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    Ein Fantasy-Heldenepos der anderen Art konnten wir mit We are the Dwarves testen. Eine Mischung aus Rollenspiel und Echtzeittaktik in einem Zwergen-Tiefenforscher-Szenario ist mal was anderes und auch interessant. Nette Grafik dazu und eine angenehm simple Steuerung, da kann doch nichts mehr schief gehen, würde man meinen. Tatsächlich ist das aber nicht ganz so einfach.

    Zwergen-Astronauten tauchen ab
    Wenn Zwerge nach neuen, bewohnbaren Welten suchen, bauen sie keine Raketen, sondern eine Bohrkapsel, mit der man noch tiefer in die Erde abtauchen kann. In „We are the Dwarves“ werden wir kurzerhand in die Geschichte von Forcer, Smashfist und Shadow geworfen, die genau so eine Reise unternehmen und dabei einen Unfall haben, der sie an einen fremden Ort voller sonderbarer Wesen und Pflanzen bringt. Getrennt voneinander, müssen sie zunächst einen Weg finden wieder zusammen zu kommen. Dies dient gleichzeitig als Tutorial für das Spiel.

    Die Geschichte ist simpel, weckt aber eine gewisse Spannung. Das neuartige Szenario und die dunkle, feindselige Umgebung machen Lust auf mehr. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sofort in den Einstellungen Englisch auswählen, die ins Deutsche “übersetzten” Texte sind ein schlechter Scherz. In Englisch ist die Geschichte besser nachvollziehbar. Die vielen Hintergrundinfos im Tagebuch über die Umgebung, Wesen und Pflanzen zeigen wie viel Liebe ins Detail hier geflossen ist.

    3 Helden
    Zunächst kommen wir zu den Helden der Geschichte. Jeder von ihnen wird mit der Maus durch die Welt geschickt und kann unterschiedliche Spezialfähigkeiten über Q,W,E,R und T aufrufen. Die drei Kameraden bieten dazu unterschiedliche Ausrichtungen. Den Fernkämpfer, den Nahkampfberserker und den – wie auch immer das als Zwerg sein kann – schleichenden Killer. Die Raumanzüge der Zwerge bieten zusätzlich unterschiedliche Eigenschaften, die aber nur aktiviert werden, wenn der Raumanzug mit Erz repariert wird. Da sie durch den Kampf aber ständig beschädigt werden, kommt man nur selten in den vollen Genuss der Anzugeigenschaften. Aufrüstungen der verschiedenen Fähigkeiten der Zwerge können im Laufe des Spiels freigeschaltet werden. Dazu müssen verschiedene Erze gesammelt werden.
    Im späteren Verlauf steuern wir dann alle Zwerge gleichzeitig auf ihrer Reise. Die Sprecher machen dabei einen guten Job und die Zwerge heben sich deutlich voneinander ab. Sie kommen ja auch aus unterschiedlichen Zwergenreichen.

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    Tief unter den bereits sehr tief liegenden Zwergenreichen geht es auf die Suche nach neuem Lebensraum.

    Frustresistenz benötigt
    Nach der kurzen Einführung landen wir in einer fremden Welt, die zudem äußerst gefährlich ist. Die Steuerung ist sehr einfach gestaltet, es konzentriert sich alles auf die linke Seite der Tastatur und die Maus. Die Funktionen und Fähigkeiten lassen sich leicht über die Tasten ansteuern und sind einprägsam. Mit der Maus können wir außerdem die Kamera rotieren aber nicht zoomen oder den Winkel ändern. Das erschwert in manchen Situationen einen schnellen Rückzug, da man am unteren Rand des Bildschirms die Bewegungsbefehle nicht immer ankommen. Um genaue Angriffe durchführen zu können, muss man ohnehin mit Pause arbeiten.

    Das eigentliche Problem ist aber das Balancing. Die einen würden sagen es ist anspruchsvoll, die anderen, dass es hingehunzt ist. So oder so, die beiden Schwierigkeitsgrade sind knackig. Ein oder zwei Gegner lassen sich immer gut bekämpfen. Schwierig sind aber größere Ansammlungen, auf die man schon in den Tutorials der einzelnen Zwerge trifft. Daher braucht man schon ein dickes Fell, wenn man sich durch die Missionen beißt. Genaues Taktieren und Spielen mit der Pause-Funktion, die das Spiel in einen Zeitlupenmodus versetzt, sind hier wichtig. Eine Aktion im falschen Moment und wir erleiden zu viel Schaden und müssen wieder am letzten Speicherpunkt starten. Kaum ein Fehler wird verziehen. Das ist fordernd und wird eben für viele frustrierend werden.
    Die entscheidende Frage lautet dann, ob die Geschichte spannend genug ist, um den Spieler am Ball bleiben zu lassen. Schöne Ideen hat das Spiel auf jeden Fall zu bieten. So können uns unsere Gegner hören, sehen und sogar riechen. Wir können Verstecke im Gebüsch suchen und Gegner anlocken in dem wir Rascheln. Schade nur, dass man kaum alternative Wege durch die Levels nehmen kann, um unterschiedliche Strategien anzuwenden.

    Grafisch ansprechend
    Grafisch macht We are the Dwarves ordentlich was her. Die Umgebungen erwecken eine fremdartige Welt zum Leben. Dunkel und mysteriös, wie aus den Tiefen einer fantastischen Welt eben. Die Umgebungen sind organisch, lebendig sogar, die Effekte könnten aber etwas spektakulärer sein. Im Großen und Ganzen bietet das Spiel aber eine sehr schöne Umgebung, die offener sein könnte. Viele der Levels erinnern eher an Schlauchlevels aus „Call of Duty“ als an eine Spielwelt aus einem Rollenspiel. Mehr Bewegungsfreiheit hätte dem Gameplay auch nicht geschadet.
    Die gemalten Zwischensequenzen sind stimmungsvoll in Szene gesetzt. Dazu gibt es die entsprechend passende und auch unaufdringliche, musikalische Untermalung. Das alles wirkt als Gesamtpaket sehr stimmig.

    Fazit

    Selten habe ich so etwas erlebt. Schlechte Grafik, magere Geschichte oder schlechte Steuerung, sogar alles zusammen habe ich schon oft gesehen. Aber das fast alles passt und nur das Balancing mies/der Schwierigkeitsgrad so hoch ist, dass man nach einer halben Stunde schon aufhören möchte, das ist selten. „We are the Dwarves“ ist deshalb nichts für jedermann. Liebhaber von fordernden Aufgaben, die gutes Timing und Taktik verlangen, kommen hier auf ihre Kosten. Alle anderen sollten es lieber sein lassen. Das Spiel ist nicht schlecht aber es könnte zugänglicher sein, angefangen bei einem einfachen Schwierigkeitsgrad.

    Wertung


    Pro

    • interessantes Setting
    • schöne Umgebungen
    • einfaches Bedienkonzept
    • günstig (15 EUR)

    Contra

    • sehr schwer/hoher Frustfaktor
    • Probleme bei der Maussteuerung
    • Schlauchlevel

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Science-Fiction, Spiele
    von Christian Häusler 15.Mrz.2016 863 x gelesen